"Das Merkmal des hl. Josefs ist seine Rolle als Behüter"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 542 klicks

Die heutige Generalaudienz am Festtag des hl. Josefs, dem Ehemann Mariens und Schutzpatron der Gesamtkirche, begann um 10.30 Uhr am Petersplatz, wo Papst Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

Im Zentrum der auf Italienisch gehaltenen Ansprache des Papstes stand das Thema des hl. Josefs als Erzieher.

Nach einer Zusammenfassung der Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Heilige Vater einige Grußworte an die verschiedenen anwesenden Gruppen von Pilgern und Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Anlässlich des am heutigen 19. März begangenen Festtags des heiligen Josefs, des Ehemanns Mariens und Schutzpatrons der Gesamtkirche, wollen wir die heutige Katechese diesem Heiligen widmen. Als Beschützer der heiligen Jungfrau und ihres Sohnes Jesus gebührt ihm unsere volle Anerkennung. Das Merkmal des heiligen Josefs ist seine Rolle als Behüter. Genau darin besteht seine große Sendung.

Heute möchte ich das Thema des Behütens aus einer besonderen Perspektive beleuchten: aus der erzieherischen Perspektive. Betrachten wir den heiligen Josef als Vorbild des Erziehers, der Jesus dem Evangelium zufolge auf seinem Weg des Wachstums an „Weisheit, Alter und Gnade“ behütet und begleitet. Josef war nicht Jesu Vater – das ist Gott –, sondern sein Papa, der ihn erzogen hat. In welchen Bereichen konnte Josef Jesus zum Wachstum verhelfen? Dieses Wachstum vollzog sich in den Bereichen Weisheit, Alter und Gnade.

Ich möchte mit der natürlichsten Dimension, dem Alter, beginnen. Dabei handelt es sich um das leibliche und geistige Wachstum. Gemeinsam mit Maria kümmert sich Josef vor allem in dieser Hinsicht um Jesus; er hat ihn „aufgezogen“ und dafür Sorge getragen, dass es ihm für eine gesunde Entwicklung an nichts fehle. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die aufmerksame Obhut über das Leben des Jesuskindes auch zur Flucht nach Ägypten geführt hat und somit zur Erfahrung der Härte des Flüchtlingslebens. Josef war gemeinsam mit Maria und Jesus auf der Flucht vor Herodes. Nachdem sie zurückgekehrt waren und sich in Nazareth niedergelassen hatten, begann der lange Zeitraum des Lebens Jesu in seiner Familie. In diesen Jahren lernte Jesus von seinem Ziehvater Josef auch dessen Handwerk des Zimmermanns. So wurde er von Josef erzogen.

Lasst uns nun die zweite Dimension der Erziehung beleuchten, jene der „Weisheit“. Josef war ein Beispiel und Lehrer der Weisheit, die sich vom Wort Gottes nährt. Denken wir daran, wie Josef den kleinen Jesus zum Hören auf die Heilige Schrift erzog und in die Synagoge mitnahm. Dank Josefs Begleitung vernahm Jesus in der Synagoge das Wort Gottes.

Schließlich sei noch die Dimension der „Gnade“ erwähnt. Ebenfalls vom  heiligen Lukas stammen die folgenden Worte in Bezug auf Jesus: „… seine Gnade ruhte auf ihm“ (Lk 2,40). Hier ist der aktive Beitrag des heiligen Josefs im Vergleich zu den Bereichen des Alters und der Weisheit sicherlich begrenzter. Es wäre jedoch ein schwerer Fehler zu denken, dass ein Vater und eine Mutter nichts tun können, um ihre Kinder dazu zu erziehen, in der Gnade Gottes zu wachsen. Das Wachsen an Alter, an Weisheit und an Gnade: Darin besteht die vom heiligen Josef an Jesus geleistete Arbeit. In diesen Dimensionen konnte Jesus dank seiner Hilfe wachsen.  

Liebe Brüder und Schwestern, die Sendung des heiligen Josefs ist gewiss einzigartig und unwiederholbar, da Jesus einzigartig war. Dennoch ist Josef in seinem Behüten und Erziehen Vorbild für jeden Erzieher, besonders für jeden Vater. Der heilige Josef ist Vorbild des Erziehers und des Papas, des Vaters. Ich empfehle daher seiner Obhut alle Eltern, die Priester – auch sie sind Väter – und alle, die in der Kirche und in der Gesellschaft einen Erziehungsauftrag erfüllen. In besonderer Weise möchte ich heute, am Vatertag, alle Eltern, alle Papas, grüßen: Ich grüße euch von Herzen! Schauen wir: Sind hier Papas auf dem Platz? Hebt die Hand, Väter! Ja, ihr seid viele! Alles Gute, alles Gute an eurem Festtag! Ich erbitte für euch die Gnade, euren Kindern stets nahe zu sein, sie wachsen zu lassen, aber immer ganz nahe zu sein! Sie brauchen euch, eure Gegenwart, eure Nähe, eure Liebe. Seid für sie wie der heilige Josef: Behüter in ihrem Wachsen an Alter, Weisheit und Gnade. Behüter auf ihrem Weg; Erzieher! Und geht mit ihnen. Und seid wahre Erzieher aus dieser Nähe heraus. Danke für alles, das ihr für eure Kinder tut: Danke. Und euch wünsche ich alles Gute und ein schönes Fest allen hier anwesenden Papas. Der heilige Josef segne und begleite euch. Einige von euch haben ihren Vater verloren. Er ist heimgegangen, da der Herr ihn gerufen hat. Viele der auf dem Platz Versammelten haben keinen Papa. Wir können für alle Papas der Welt beten; für die lebenden und verstorbenen Papas und unsere. Wir können dies gemeinsam tun, indem ein jeder von uns seines lebenden oder verstorbenen Vaters gedenkt. Und beten wir für den großen Papa unser aller, den Vater. Ein „Vater Unser“ für unsere Papas: Vater Unser …

Und alles Gute den Papas!