Das missionarische Wesen der Franziskaner

Pressekonferenz zum Abschluss des 187. Generalkapitels des Ordens

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ROM, 23. Juni 2009 (ZENIT.org).- Am gestrigen Montag, 22. Juni, fand in Rom bei der Generalkurie der Franziskaner eine Pressekonferenz anlässlich des Abschlusses des 187. Generalkapitels des Ordens statt. An der Konferenz nahmen der zum zweiten Mal gewählte Generalminister P. José Rodríguez Carballo, der Generalvikar P. Anthony Perry sowie der Pressebeauftragte des Kapitels, P. Antonio Sellitto, teil.

P. José Rodríguez Carballo betonte in einem abschließenden Kommuniqué erneut das missionarische Wesen des Ordens der Minderbrüder und rief dabei in Erinnerung, dass die Mission aus der Erfahrung des Glaubens heraus entstehe, der als „Brüder" und als „Mindere" gelebt und so zu einer Botschaft werde, die der Welt geschenkt werden könne. Die beiden Dimensionen der franziskanischen Mission fasste der Generalminister mit den Worten „inter gentes" und „ad gentes" zusammen.

Die Mission „inter gentes" bestehe in einem „Inmitten-der-Völker-Sein" und vollziehe sich in der Integration mit diesen Völkern. Eng damit verbunden sei die Frage Inkulturation, womit gemeint sei, dass in einer angemessenen und die Kulturen und Traditionen respektierenden Sprache die Frohe Botschaft verkünde.

Um diese Mission „inter gentes" verwirklichen zu können, sei es notwendig, die Zeichen der Zeit zu lesen, die das Kapitel als „die Stimme des Heiligen Geistes" definiert habe. Diese Stimme erwarte von den Franziskanern eine angemessene Antwort.

Zu den Zeichen gehören nach Worten des Generalministers die Interkulturalität, die die heutige Gesellschaft in besonderer Weise kennzeichne; das Eintreten für die Menschenrechte; die Weltwirtschaftskrise; die in vielen Gebieten festzustellende ökologische Katastrophe und das Phänomen der Migration.

Die Mission „ad gentes" wiederum sei jene Mission, die der Verkündigung des Glaubens neue Gebiete erschließe.

Neben der Stärkung der Präsenz im Heiligen Land und in Marokko beschlossen die Kapitelmitglieder, neue Missionsprojekte zu starten. Sie betreffen vor allem Europa mit seiner vorherrschenden säkularisierten Kultur. Im Amazonasbecken soll im Hinblick auf das gefährdete Ökosystem eine jahrhundertealte Franziskanerpräsenz gestärkt werden. Weitere Initiativen sind für die Zeit zwischen 2009 und 2015 in einigen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion, in Laos, Senegal, Kamerun und Ghana geplant.

Die 152 Vertreter der Minderbrüder, die am Kapitel teilnahmen, nahmen vor allem zwei Bereiche genauer in den Blick, um den aktuellen Zustand des Ordens zu verstehen und Projekte für die Zukunft zu entwerfen.

P. Michael Anthony Perry OFM sprach vom Einsatz der Minderbrüder für Gerechtigkeit und Frieden sowie die Bewahrung der Schöpfung und erinnerte dabei auch an die dramatische Ausbreitung des Hungers. Anschließend erläuterte er die konkreten Tätigkeiten der Franziskaner im Bereich der Sorge um die Armen und die besonders Verletzlichen wie die an AIDS erkrankten Menschen. In diesem Zusammenhang ging er ebenfalls auf die Rehabilitationsprogramme ein, die Schaffung von Mikro-Unternehmen für Frauen und Mädchen sowie auf den Einsatz für die Randgruppen in der so genannten entwickelten Welt. Zum Betätigungsfeld der Franziskaner gehören nach seinen Worten zudem die Förderung des Friedens und der Versöhnung in Afrika, im Nahen Osten, in Südost-Asien, in Lateinamerika, in Europa und in Nordamerika.

Der Generalvikar verwies anschließend auf die Dienste des Büros für Gerechtigkeit, Frieden und Unversehrtheit der Schöpfung in Rom und vielen anderen Teilen der Welt, „um zusammen mit den Leidenden zu leben und nicht aus der Ferne zu handeln", sowie an die Präsenz des Ordens im Rahmen der Vereinten Nationen.

Ein weiteres Thema der Reflexion bestand in der Beziehung zum Judentum. P. Rodríguez Carballo stellte fest, dass dieser Kontakt jüngeren Datums sei als der Kontakt mit der muslimischen Welt. Dennoch habe der Orden in Jerusalem einen beständigeren Dialog mit „unseren Vätern im Glauben" aufgenommen.

Der Generalminister kündigte gegenüber den Journalisten an, dass er in der kommenden Woche dem Generalsekretär der Vereinten Nationen einen offenen Brief zur Lage in Sri Lanka übermitteln werde. In diesem Schreiben werde er die UNO ersuchen, einzuschreiten, damit die Bevölkerung von der unmenschlichen Situation, in der sie sich befinde, befreit werden könne.

Zum Abschluss der Pressekonferenz überreichte P. Rodríguez Carballo den Anwesenden anlässlich der 800-Jahr-Feier des Bestehens des Ordens eine DVD mit dem Titel „Omnes vocentur fratres minores" („Alle sollen schlechthin ‚Mindere Brüder' heißen"; nicht bullierte Regel, Kapitel 6). Die DVD will die Ursprünge des franziskanischen Charismas in Erinnerung rufen und zeigen, wie dieses heute unter den unterschiedlichsten Umständen verwirklicht wird, mit denen rund 15.000 Minderbrüder in über 110 Ländern der Welt konfrontiert sind.