Das Naturrecht ist die Grundlage der Menschenrechte

Benedikt XVI. empfängt Mitglieder der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften

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ROM, 4. Mai 2009 (ZENIT.org).- Das Naturrecht ist nach Worten Benedikts XVI. die Grundlage der Menschenrechte. Somit hätten die Menschrechte einen göttlichen Ursprung und wurzelten in einer Teilhabe Gottes, der jeden Menschen mit Vernunft und Freiheit ausstatte.



Mit dieser Botschaft richtete sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag an die Mitglieder der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt der diesjährigen Arbeiten der Akademie steht die Frage nach der Personenwürde und den Menschenrechten. Für Benedikt XVI. handelt es sich hierbei um einen „Berührungspunkt zwischen der Lehre der Kirche und der modernen Gesellschaft“.

Das Naturrecht ist nach den Ausführungen des Papstes als eine allgemeingültige Richtlinie zu verstehen, die für alle einsichtig sei und auf deren Grundlage die Völker einander verstehen und lieben könnten. „Wenn diese solide ethische und politische Basis ignoriert wird, bleiben die Menschenrechte zerbrechlich, da sie von ihrem festen Fundament getrennt werden“, betonte der Heilige Vater.

Die Förderung und Verteidigung der Menschenrechte sei unverhandelbar, und ihren diesbezüglichen Einsatz begleite die Kirche mit Überlegungen, die der menschlichen Vernunft entsprängen. Auf diese Weise sei es möglich, allen Menschen guten Willens die Menschenrechte nahe zu bringen, ohne dabei deren religiöse Zugehörigkeit beachten zu müssen.

Die menschliche Vernunft bedürfe allerdings einer beständigen Reinigung durch den Glauben, hob Papst Benedikt hervor. Denn zum einen „ist sie immer der Gefahr einer gewissen ethischen Blindheit ausgesetzt, die auf ungeordnete Leidenschaften und die Sünde zurückgeht“, und zum anderen müssten sich jede Generation und jeder Einzelne persönlich die Menschenrechte in Freiheit neu zu Eigen machen. Dieser Prozess setze eine unbedingte Hoffung und Liebe voraus, die nur in Gott zu finden seien und zu einer Teilhabe in der Gerechtigkeit und Großzügigkeit Gottes gegenüber anderen führten. Papst Benedikt XVI. hatte diese Gedanken bereits in seinen beiden Enzykliken Deus Caritas est (18) und Spe salvi (24) näher ausgeführt.

Beim Empfang für die Mitglieder der diesjährigen Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften betonte der Papst zudem die Notwendigkeit, die Soziallehre der Kirche gerde in den Bereichen Gesetzgebung, Wirtschaft, Politik näher zu erläutern und zu fördern. Auf diese Weise könne die immerwährende Bedeutung der kirchlichen Soziallehre in einer sich schnell entwickelnden Welt bezeugt werden.

Der Heilige Vater hob hervor, dass die Menschenrechte durch den Glauben bestätigt würden, auch wenn sie selbst keine Glaubenswahrheiten seien. Hinsichtlich der geschichtlichen Entwicklung der Menschenrechte erinnerte der Papst seine Gäste daran, dass die internationale Gemeinschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein neues System von internationalen Gesetzen entwickelt habe, die auf den Menschenrechten gründeten - „nach unendlichem Leid, das von zwei schrecklichen Weltkriegen und den unsäglichen Verbrechen verursacht wurde, die von zwei totalitären Ideologien begangen worden waren". Diese neuen Gesetze seien schließlich zum Bezugspunkt eines universalen Ethos geworden, dem heute die meisten Menschen und Nationen, wenn auch manchmal nur theoretisch, verpflichtet seien.