Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenlehre, Klärung und Aufforderung zu engagierter Ökumene

Stellungnahmen von Kardinal Lehmann, Kardinal Schönborn und Bischof Koch

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BERLIN/WIEN/FRIBOURG, 10. Juli 2007 (ZENIT.org).- Das heute vorgelegte Dokument „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ der Kongregation für die Glaubenslehre zur Klärung wesentlicher Aspekte der Natur der katholischen Kirche und ihrer Beziehung zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften bedeutet in den Augen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Aufforderung, den ökumenischen Dialog engagiert fortzusetzen.



„Die erneute katholische Stellungnahme der Glaubenskongregation mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen, aber sie lässt grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten“, hob Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in einer Erklärung hervor, die am Dienstagvormittag veröffentlicht wurde. Er betonte, dass der eigene Anspruch zu keiner Überheblichkeit führen dürfe, „denn durch die Spaltungen ist auch die Fülle der katholischen Kirche eingeschränkt“. Das neue Dokument der Glaubenskongregation sporne die Theologie dazu an, „ehrlich und mutig“ auf dem Weg der Suche nach der Einheit weiterzugehen.

„Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist groß“, so Kardinal Lehmann. „Dabei geht es besonders um das tiefere Verständnis des Kircheseins, einschließlich des Verständnisses des Amtes und besonders der apostolischen Sukzession.“ Der Heilige Stuhl habe ein „Dokument der Klarheit des eigenen Bekenntnisses und zugleich der Würdigung, ja auch einer – zwar begrenzten, aber wesentlichen – Anerkennung des ekklesialen Charakters der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften“ vorgelegt – und von beidem lebe das ökumenische Gespräch“.

Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, wies seinerseits darauf hin, dass die Klarstellung aus dem Vatikan die Grundlage der Ökumene darlege, „wie sie das Konzil gewollt hat, ohne Verwischen der Unterschiede, in Achtung vor dem jeweils eigenen Verständnis des anderen und in der notwendigen Offenheit, das Wirken des Geistes Gottes wahrnehmen zu können, wo immer es sich zeigt“.

Nach Kardinal Schönborn wird in dem neuen Dokument die in „Dominus Iesus“ enthaltene Feststellung, dass die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“ seien, näher erläutert. „Der Kern der Frage war und ist: Was macht ‚Kirche‘ aus? Die katholische Antwort war und ist: die Fülle der Heilsmittel, die Christus seiner Gemeinschaft anvertraut hat. Dazu gehören wesentlich: die apostolische Sukzession und die Eucharistie. Beide sind in den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht im vollen Sinn gewahrt geblieben. Sie sind deshalb auch nicht im vollen Sinne als ‚Kirchen‘ zu bezeichnen, wie dies etwa für die orthodoxen Schwesterkirchen gilt, die das Bischofsamt in der Nachfolge der Apostel und die Eucharistie ganz bewahrt haben.“

Auch wenn die „Kirche“ dort sei, „wo Petrus ist, wo sein Nachfolger die Herde Christi leitet“, gebe es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges eine Fülle an „‚Elementen der Heiligung und Wahrheit‘, die wirklich zur Kirche Jesu Christi gehören… Deshalb, so heißt es in dem neuen Papier aus Rom, gelte, dass ‚diese (aus der Reformation hervorgegangenen) Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben‘.“

In diesem Sinn gehe es für alle, die den Namen Christi tragen, um die Frage, wie man Jesu Auftrag gerecht werden könne, „allen Menschen Zeugnis von ihm zu geben“.

Der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Bischof Kurt Koch, hat zum besseren Verständnis des neuen lehramtlichen Schreibens eine ausführliche „Hinführung zu den theologischen Hintergründen des neuen Dokuments der Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche“ verfasst.

Darin kommt er zum Schluss, dass das Dokument „eine Herausforderung zu mutigen weiteren Schritten in der Ökumene“ sei, gerade insofern es den Finger „auf die unerledigten Aufgaben und in die eigentliche Wunde in der heutigen ökumenischen Situation“ lege und dazu auffordere, „die unaufschiebbaren Fragen des theologischen Kirchenverständnisses und des Ziels der ökumenischen Bewegung entschieden anzugehen“.

Während es in Einzelfragen nämlich zu Annäherungen komme, gebe es hinsichtlich des Ziels der ökumenischen Bemühungen zwischen den verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften noch immer Differenzen, was Bischof Koch als „die eigentliche Paradoxie in der gegenwärtigen Situation der Ökumene“ ansieht.

„Wir stehen deshalb heute vor einer grundlegenden Unterscheidung der Geister zwischen zwei verschiedenen Konzeptionen der Ökumene, nämlich zwischen einem Ökumenismus, für den sich die orthodoxen Kirchen und die katholische Kirche einsetzen und der weiterhin die sichtbare Einheit der Kirche anstrebt und für diese Einigung betet und arbeitet, und einem Ökumenismus, der sich mit dem heutigen Zustand der Vielheit und Verschiedenheit der Kirchen zufrieden gibt und die Einheit der Kirche bereits in der gegenseitigen Anerkennung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erblickt, die sich dann nicht mehr zu einen bräuchten, sondern sich in ihrer Verschiedenheit, freilich auch in ihrer teilweise bekenntnismäßigen Widersprüchlichkeit, gegenseitig annehmen sollen.“

Für die katholische Kirche bestehe das Ziel der Ökumene „in der Wiedergewinnung der sichtbaren Einheit der Kirche Jesu Christi“.