Das neue päpstliche Wappen ohne Tiara, dem Symbol der päpstlichen Macht

Von Dr. P. Bernhard Sirch OSB

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ROM, 21. Februar 2009 (ZENIT.org).- Viele erleben Papst Benedikt XVI. als demütigen und bescheidenen Christen. In dieses Bild passt das neue päpstliche Wappen ohne Tiara, ohne dieses Machtsymbol des Papsttums. Um jedoch dieses Papstwappen ohne Tiara, nur mit der Mitra, zu beurteilen, muss man zurückblicken, was vor über 40 Jahren geschah.

Nicht wenig überrascht war die Öffentlichkeit, als Papst Paul VI. am 13. November 1964 in der Konzilsaula seine wertvolle persönliche Tiara auf den Confessio-Altar legte und sie den Armen schenkte. Wenn man bei der Ablegung der Tiara durch Papst Paul VI. zu sehr das Geschenk an die Armen betont, so wird man diesem Akt inso­fern nicht gerecht, als der Papst viele andere Gegen­stände den Armen hätte schenken können; er hätte auch die Edelsteine seiner Tiara durch künstliche Steine ersetzen kön­nen und den Erlös den Armen zukommen lassen, wie dies Papst Pius X. getan hat.

In früheren Zeiten haben Päpste wiederholt eine Tiara abgegeben. Um die gewaltigen Kriegskosten bezahlen zu können, welche im Frieden von Tolentino am 19. Februar 1797 Napoleon im Namen der Republik Papst Pius VI. aufgezwungen hat, sah sich dieser genötigt, das sehr wertvolle Triregnum Julius II. zerle­gen zu lassen und die Edelsteine, die Perlen und das Gold zur Be­zahlung der Schuld zu verwenden. So wurde ein verlorener Krieg mit einer Tiara bezahlt. Im Gegensatz zu früheren Päpsten, die auch eine Tiara abgegeben haben und dafür eine an­dere Tiara getragen haben, trug Papst Paul VI. seit der feierlichen Niederlegung keine Tiara. Die Ablegung der Tiara durch Papst Paul VI. sollte also mehr sein als nur ein Geschenk an die Armen.

Papst Paul VI. hat jedoch mit seiner Geste der Entscheidungsfreiheit seines Nachfolgers nicht vor­gegriffen. In der Apostolischen Konstitution vom 1. Oktober 1975 „Romano Pon­tifici eligendo" über die Vakanz des Apostolischen Stuhles und die Wahl des Römischen Papstes ist eine Krönung vorgeschrieben: „Nr. 92. Schließlich wird der Papst durch den Kardinal-Protodiakon gekrönt und ergreift innerhalb einer angemessenen Zeit nach dem vorgeschriebenen Ritus Besitz von der La­teranbasilika". In Nr. 88 ist jedoch ausgesagt: „Mit der Annahme ist der Gewählte, der die Bi­schofsweihe bereits empfangen hat, unmit­telbar Bischof der Kirche von Rom und gleichzeitig wah­rer Papst und Haupt des Bischofs­kollegiums. Derselbe erhält sogleich die volle und höchste Gewalt über die ganze Kirche und kann sie unverzüglich ausüben". Die später erfolgende Krönung und damit auch die Krone selber haben keine rechtli­che Bedeutung. Nach dem geltenden Kirchenrecht ist der Gewählte mit Annahme der Wahl Papst und konnte somit Nr. 92 der Apostolischen Konstitu­tion än­dern, wie dies Papst Johannes Paul I. nach seiner Wahl zum Papst am 26.8.1978 getan hat. Ich schrieb damals, wie die Kardinäle noch im Konklave waren, einen Artikel in der Tagespost in der Ausgabe vom 25/26. August 1978 (Titelseite): „Wird neuer Papst gekrönt?", obwohl überall schon Fahrten zur Krönung des Papstes angekündigt wurden; Johannes Paul I. ließ sich nicht krönen und sorgte damit im Vatikan für große Aufregung. Johannes Paul II. wurde am 16.10.1978 gewählt und ließ sich ebenfalls nicht krönen. Maßgeblich beteiligt an dieser Entscheidung der beiden Päpste war damals Kardinal Ratzinger. Es wurde vielfach bedauert, dass der Papst die Tiara abgelegt hat. Nach wie vor galt die Tiara als Zeichen für das Papsttum: vgl. dazu die Tiara auf päpstlichen Schreiben und an Häusern, die dem Vatikan gehören. Neu ist nun bei Papst Benedikt XVI., der sich ebenfalls nicht krönen ließ, dass sogar die Tiara nicht mehr in seinem päpstlichen Wappen ist, sondern nur mehr die Mitra. Es stellt sich somit die Frage: Was bedeutet die Tiara des Papstes?

Alle Liturgiker sind sich darin einig, dass die Tiara eine außer-liturgische Kopfbedeckung des Pap­stes ist. Die Zeremonienbücher schreiben vor, dass der Papst die Tiara nur an be­stimmten Tagen und an bestimmten Orten tragen darf, niemals jedoch innerhalb der Kirche, sondern nur außerhalb. Wenn der Papst die Kirche betritt, muss er die Tiara ablegen. Papst Innozenz III. (1198-1216) unterscheidet ganz klar wenn er sagt: er trage die Mitra als Priester (pro sacerdotio) und zwar immer und überall, die Tiara dagegen als Herrscher (pro regno) zu bestimmten Anlässen. An die­ser Verwendungsweise kann man wohl ersehen, dass eine Deutung der dreifachen Krone als Lehr-, Priester- und Hirtenamt ver­fehlt ist. Dann müsste ja der Papst das Triregnum immer und überall tragen, vor allen, wenn er als Lehrer, Priester und Hirte auftritt. So durfte der Papst in keinem Fall die Tiara während der hl. Messe tragen.

Ursprung des Triregnums (=Tiara)
Der Ursprung der außerliturgischen Kopfbedeckung des Papstes kann schon im achten Jahrhundert liegen. Nach dem Liber Pontificalis trug bereits Papst Konstantin I. (708  bis 715) ein camelaucum. Von einer feierlichen Krönung des Papstes Nikolaus II. (1059 bis 1061) durch den Mönch Hilde­brand (später Papst Gregor VII) berichtet Bischof Benzo von Alba. Die Bischöfe waren über diese Handlung sehr empört. Von einer  feierlichen Erstbe­krönung des Papstes nach seiner Wahl berichtet der Ordo Romanus XIII aus dem Jahre 1271/72. Bis 1300 war die außerliturgische Kopfbedeckung des Papstes niedrig und nur mit einer Krone versehen. Erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wird der Papst mit dem Tri­regnum, mit der dreifachen Krone abgebildet.

Die Deutung der drei Kronen dürfte sehr schwierig sein. Möglich ist, dass das Triregnum des Pap­stes auf dem Hintergrund der dreifachen Krone des Kaisers gesehen wird.  Eduard Eich­mann schreibt: „Angesichts der immer wieder erkennbaren Tendenz mit dem Kaiser glei­chen Schritt zu halten, wird man nicht fehlgehen in der Annahme, dass die drei Kronen des Kaisers (die eiserne, lombardische Krone von Mai­land, die deutsche Silberkone von Aachen, die goldene Kaiserkrone von Rom) das Vorbild abgegeben haben".  In der Folgezeit traten viele Deutungsmöglichkeiten auf, wozu wohl die Zahl 3 angeregt hat. In meiner Dissertation über die Tiara konnte ich ca. 15 Deutungsmöglichkeiten angeben. So deutete z.B. Martin Luther die drei Kronen: „Und das ist und heißt recht der Bapst mit seiner dreyfeltigen  Kronen: Ein Keiser jm himmel, ein Keiser auff erden, ein Keiser unter der erden. Hette Got etwas mehr, so were er auch ein Keiser darueber und mueste vier Kronen tragen." Wenn Luther hier sagt: „Hette Got etwas mehr", so muss man sehen, dass ab der Mitte des 14. Jahrhunderts auf Gemälden auch Gott Vater die Tiara trug. Luther war also der Meinung, weil Gott die Tiara trug, trägt sie auch der Papst, sein Stellvertreter auf Erden.

Im Bildteil meiner Disseration konnte ich auch zweikronige Tiaren (Bonifaz VIII) zeigen und auch Bilder, wo z.B. Friedrich II. vor der Kaiserkrönung eine zweikronige Tiara trug. In Venedig konnte ich in der Galleria Accademia ein Bild entdecken, wo der Kaiser aus dem Pferd reitend, mit drei Kronen übereinander abgebildet ist.

Eine offizielle Deu­tung bei der Übergabe des Triregnums hat erst das Pontifi­cale Romanum des 16. Jahrhun­derts, also über 200 Jahre nach Einführung des Triregnums. Diese Formel hat auch heute noch Gültigkeit. Der Subprior der Kardinaldiakone nimmt die Mitra vom Haupt des Papstes, und der Prior der Kardinaldiakone setzt dem Papst die Tiara auf mit den Worten: „Emp­fange die Tiara, die mit drei Kronen geschmückt ist, und wisse, dass du (1) der Vater der Für­sten und Könige bist, (2) der Leiter des Erdkreises und (3) auf Erden der Stellvertreter des Heilan­des Jesus Christus, ihm ist Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen." In der Folgezeit war man sich nicht klar, was die Tiara mit den drei Reifen bzw. Kronen bedeutet. Falsch dürfte sicherlich die Deutung sein, dass die drei Kronen das Hirten-, Lehr- und Priesteramt bedeuten.

Mitra im päpstlichen Wappen

Wenn nun Papst Benedikt XVI. die Mitra im päpstlichen Wappen hat, so möchte ich dazu nur Grundsätzliches sagen, wie ich in einem Vortrag am 14. Oktober 2008 in Radio Maria dargelegt habe: Die Mitra wurde nicht 318 von Kaiser Konstantin den Bischöfen übergeben, wie es in manchen Lehrbüchern steht. Im ersten Jahrtausend trugen die Bischöfe keine Kopfbedeckung bei der Eucharistiefeier. Nach dem Neuen Testament trägt der Mann beim Beten keine Kopfbedeckung (1 Kor 11,4). Aufgrund des wachsenden Einflusses des Alten Testamentes, wonach der Priester laut Ex 28 eine Kopfbedeckung trägt,  ist folgerichtig, dass im 11. Jahrhundert allmählich die Kopfbe­deckung der alttestamentlichen Priesterkleidung übernommen wird. Wenn man die Auslegung von Ex 28 untersucht, so kann man feststellen, dass erst Robertus Paulus in „De officiis ecclesiasticis" (PL 177, 405) betont: „Die bischöfliche Mitra ist aus dem Alten Testament übernom­men... Die zwei ‚cornua' bedeuten die zwei Testamente". In den früheren Auslegungen kann man lesen: Die Mitra ist im Neuen Testament nicht in Gebrauch. Die Mitra hat also Ihren Ursprung nicht im Kaisertum sondern ausschließlich im Alten Testament.

Wenn der Papst nun die Mitra mit den zwei Cornua, die die das Alte und Neue Testament bedeuten, so hervorhebt, so kann man darin auch eine Aufgabe, ein Aufmerksam werden sehen, die der hl. Paulus so formuliert: „Ich wünsche von ganzem Herzen und bete zu Gott, dass sie (sc. das auserwählte Volk) gerettet werden" (Röm 10,1). In den Kapiteln 9-11 drückt der hl. Paulus mit immer neuen Argumenten und Gesichtspunkten die tiefe Sehnsucht aus, dass seine Brüder, die der Abstammung nach mit Paulus verbunden sind, Christus erkennen, der über allem als Gott steht (Röm 9, 5). Auch Christus entstammt dem Fleisch nach dem auserwählten Volk.

In seinem Jesus-Buch betont Papst Benedikt XVI. ausdrücklich die Bedeutung des Alten Testamentes, wenngleich mache christliche Theologen das Alte Testament am liebsten abschaffen wollen. So legt der Papst das Neue Testament grundsätzlich vom Alten Testament her aus. So sagt der Papst über die Stellung Jesu zum Alten Testament: „Jesus ist die Tora". So schreibt der Evangelist Johannes über die Jünger: „Denn sie wussten noch nicht aus der Heiligen Schrift, dass Jesus von den Toten auferstehen musste" (Joh.20,9). Noch deutlicher wird die Verbindung von AT und NT in der Erzählung der beiden Emausjünger: „Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.  Ihr seid Zeugen dafür". (Lk 24, 44-48). Mit dieser Zusammenschau von AT und NT bzw. dass unsere Augen für das Verständnis der Schrift geöffnet werden, könnte ein neues Kapitel in der Beziehung zum Judentum eintreten und einen wesentlichen Schritt für die Ökumene bedeuten. Wenn der Papst nun die Mitra trägt, dann ist damit auch ausdrücklich die Einheit von NT und AT sichtbar.

Es wäre schön, wenn Arbeiten geschrieben werden würden, in denen unsere Augen geöffnet werden für das „Verständnis der Schrift". Für solche Arbeiten sollen dann auch Preise vergeben werden. Ich möchte es nicht unterlassen, auch auf andere päpstlichen Insignien hinzuweisen:

Die Ferula, der Hirtenstab des Papstes mit Kreuz oder dreifachem Kreuz

Seit Ende des Konzils trug Papst Paul VI. oft den sogenannten geraden Hirtenstab, der an­stelle der Krümme bei Bischofsstäben ein Kreuz mit dem Gekreuzigten oder in jüngster Zeit mit dreifachem Kreuz trägt. Dieser gerade Hirtenstab gehört zu den päpstlichen Insignien. Zwar ist der gerade Hirtenstab wohl als Nachahmung des weltlichen Herrscherstabes entstanden, am heutigen Gebrauch kann man jedoch sehen, dass der gerade Hir­tenstab (= Ferula) die geistliche Gewalt des Papstes

Ein Zeremoniale des 16. Jahrhunderts weiß noch um die Übergabe der Ferula. Der Prior der Laterankirche übergab dem Papst die darstellt. Der Papst gebraucht die Ferula, wenn er Personen und Dinge segnet, bei der Konsekration von Bischöfen, bei der Eröffnung eines ökumenischen Konzils u.a. Ferula als Zeichen, andere zurechtzuweisen und zu leiten (signum correctio­nis et regiminis) und die Schlüssel. So erinnert die Übergabe der Ferula an das Herrenwort: „Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen wie den Wei­zen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht nachlasse; und du wiederum stärke eine Brüder" (Lk 22, 31.32). Die Übergabe der Schlüssel erinnert an das Herrenwort: „Selig bist du, Si­mon Barjona; ... ich sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kir­che bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Dir will ich die Schlüssel des Himmelrei­ches geben. Was du auf Erden binden wirst, wird gebunden sein im Himmel und, was du auf Erden lösen wirst, wird gelöst sein im Himmel" (Mt 16,17-19).

Wenn die Ferula auch imperiale sceptrum (Eichmann, S. 32) genannt wird und das vornehmste Kaiser- und eigentliche Machtzeichen war, das auch der Papst trug, so muss man sehen, dass im Mittelalter weltliche und geistliche Macht nicht streng getrennt gesehen wurden, der Kaiser übte sein Amt im Auftrag Gottes aus. So trug z.B. auch der Kaiser eine Mitra. Die weltliche und geistliche Macht waren zwar geschieden, aber der Bezugspunkt Gott war der gleiche.

Das Pallium des Papstes

Das Pallium ist seit dem 9. Jahrhundert Insignie aller Erzbischöfe. Es ist eine ringförmig über dem Messgewand getragene Wollstola, von der vorn und rückwärts je ein bleibeschwertes Endstück herabhängt; es ist mit sechs schwarzen Seidenkreuzen geschmückt. Es wird vom Papst am Vorabend des Festes Peter und Paul gesegnet, in der Confessio aufbewahrt und an Erzbischöfe verliehen, die es innerhalb ihrer Metropolie als Zeichen der Gemeinschaft mit dem Römischen Stuhl zu festlichen Meßfeier tragen.

Da Johannes Paul I. und II. sich nicht mit der Tiara krönen ließen und kaum Zeit war über einen neuen Ritus der Einführung des Papstes in das päpstliche Amt nachzudenken, wurde kurzerhand das Pallium bei der Einführung dieser Päpste überreicht. Man übersah dabei, dass das Pallium vor allem ein Insignie der Erzbischöfe war, das der Papst übergab. So schrieb mir der evangelische Prof. Bernhard Schimmelpfennig (Berlin) am 5.4.2005, also vor der letzten Papstwahl: „Ich selbst würde das Pallium bevorzugen als Symbol der plenitudo pontificalis officii. Es würde den Papst als primus inter pares (der Erste unter Gleichen) zeigen, also die Kollegialität mit den anderen Apostelnachfolgern zeigen". Diese Gleichstellung des Papstes mit den anderen Apostelnachfolgern sollte gerade nicht sein. Papst Benedikt bevorzugte deshalb ein altes römisches Pallium, das allerdings beim Tragen sehr hinderlich war. Damit sich das Pallium des Papstes vom Pallium der Erzbischöfe unterscheidet, trägt der Papst jetzt ein Pallium mit sechs roten Seidenkreuzen.

Man kann sich fragen, warum kann ein neuer Papst sofort solche Änderungen vornehmen, wie dies z.B. Papst Johannes Paul I. tat, indem er sich nicht krönen ließ. Man muss klar sehen: Rein kirchenrechtlich ist der betreffende Kandidat Papst, wenn er auf die Frage des Kardinaldekans: „Nimmst Du Deine kanonische Wahl zum Papst an?" Ja sagt.  So war man bei der letzten Einführung des Papstes vorsichtig mit Ausdrücken wie: „Ich übergebe dir...", da der Papst mit seinem Ja-Wort Papst mit allen Rechten und Pflichten ist.

Das Pallium wird auch in der Kirche des Ostens schon um den Beginn des 5. Jahrhunderts als Symbol des bischöflichen Hirtenamtes verwendet. Es sollte das Bild des verlorenen Schäfleins darstellen, welches zur Herde zurückzutragen der Bischof als der Nachfolger des guten Hirten die Aufgabe hat. Die Wolle, aus welcher die römischen Pallien verfertigt werden, stammt von zwei weißen Lämmern her, welche von den lateranensischen Regularkanonikern am Fest der hl. Agnes (21.Januar) in Sant' Agnese fuori le Mura dem Kapitel von St.Johann im Lateran als Abgabe entrichtet, nach dem Pontifikalamt feierlich auf dem Hochalter der Kirche gesegnet und dann dem Papste dargebracht werden. In der römischen Kirche war ursprünglich das Pallium ausschließlich dem Inhaber des Apostolischen Stuhles vorbehalten in der Folgezeit aber den Erzbischöfen verliehen. Das Pallium, sagt Hraban, ziert den Erzbischof, weil er Stellvertreter des Papstes ist.  Vgl. dazu vor allem: Josef Braun, die liturgische Gewandung, Freiburg 1907.

Camauro

In jüngster Zeit hat Papst Johannes XXIII., aber auch Papst Benedikt XVI. das Camauro, im Lateinischen camelaucum genannt, getragen. Es ist eine rote Mütze aus rotem Samt und hermelinverbrämt (weißer Rand). Diese päpstliche Kopfbedeckung ist eher auf dem Hintergrund der kaiserlichen Gewandung zu sehen; wohl kaum ist der Ursprung der Mitra darin zu sehen, da die Mitra in der römischen Liturgie erst um 1050 entstanden ist, das camelaucum aber schon als päpstliche Kopfbedeckung in der Vita Konstantins (708-715) erwähnt wird (cum camelauco, ut solitus est Roma procedere).   Im Osten gibt es eine klerikale Kopfbedeckung, kamhlau­kion genannt.

Nicht ein äußeres Zeichen, sondern die innere Gesinnung ist entscheidend

Papst Paul VI. und seine Nachfolger gaben durch ihr Handeln zu erkennen, dass sie ihr Amt bewusst als dienendes Vorste­hen verstand. Beladen mit dem Kreuz der heißen Sorge um die leiblich und geistig hungernde Welt geht der Papst demütig im Geiste der Liebe den Weg des Herrn. Die echte, vor Gott gültige Hoheit empfängt man nicht durch Herrschen, sondern im selbstlosen Dienst für die anderen. Christus selbst verkündete durch die Tat die neue Ordnung seines Denkens: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen" (Mk 10,45).

Der Verzicht auf glanz­volles Gepräge erinnert an eine Erzählung über Kaiser Heraklius: „Heraklius, der mit Gold und Edelsteinen geschmückt war, wurde ge­zwungen am Tor, das zum Kalvarienberg führte, halt zu ma­chen. Je mehr er nämlich ver­suchte voranzukommen, desto mehr schien er festgehalten zu werden. Als nun Heraklius selbst und alle übrigen darüber staunten, sagte Zacharias, der Bischof von Jeru­salem: ‚Sieh zu, o Kaiser, dass du nicht mit diesem triumphalen Ornat beim Kreuztragen vergisst, die Ar­mut und die Erniedrigung Jesu Christi nachzuahmen`. Darauf legte Heraklius sein überaus prächtiges Gewand ab, zog die Schuhe aus, legte sich ein einfaches Gewand des Volkes um und konnte nun leicht den restlichen Weg zu Ende gehen. Dann stellte Heraklius das Kreuz genau an dem Platz des Kalvarienberges wieder auf, von dem es die Perser weggeschafft hatten" (Lesung aus dem Brevier).

Am Ende dieser Gedanken über die Tiara drängt sich freilich die Frage auf: Ist dieses äußere Zei­chen wirklich so wichtig, ob es nun getragen wird oder nicht? Was hängt denn daran? Entscheidend ist nicht die Krone des Stellvertreters Christi, sondern sein Herz - und unsere gläubige Treue zu ihm.

[Der Autor bietet auf seiner Webseite www.pater-bernhard.de wertvolle Hintergrundinformationen]