Das ökumenische Engagement der Malteser

Interview mit dem Botschafter des Souveränen-Malteser-Ritter-Ordens in Rumänien

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BUKAREST, 22. Januar 2009 (ZENIT.org).- Die Tätigkeiten der Malteser in Rumänien sind ein wunderbares Beispiel für den ökumenischen Geist des Ordens, der sich seit 900 Jahren darum bemüht, im „Herren Kranken“ Christus selbst zu dienen.



ZENIT interviewte dazu Franz Alfted Hartig, Botschafter und Magistralkommissar des Souveränen-Malteser-Ritter-Ordens in Rumänien, der im Hinblick auf die Gebetswoche für die Einheit der Christen an Worte des rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel erinnert: „Wenn wir uns nicht bald einig werden, gehen wir gemeinsam unter.“ Der lebendige Glaube vieler Rumänen könne gerade für Mitteleuropäer einen Impuls bedeuten.

ZENIT: Der Souveräne Maltester-Ritter-Orden setzt sich seit dem Jahr 1099 für die Bewahrung des Glaubens und bedürftige Menschen ein. Dass er dabei durchaus auch ökumenische Akzente setzt, haben Sie bei Ihrer Tätigkeit in Rumänien selbst sehr konkret erfahren. Gewähren Sie uns doch bitte einen Einblick in das ökumenische Engagement des Ordens weltweit und in Rumänien im Besonderen.

Franz Alfred Hartig:
Ökumene war bereits in der Kreuzfahrerzeit ein Anliegen des katholischen Johanniter-Ordens, der 1049, also vor dem Skisma in Amalfi gegründet worden war. Der Orden errichtete und leitete neben der Grabeskirche in Jerusalem ein großes Hospiz, das ursprünglich für verletzte Pilger und Ritter vorgesehen war, aber mit der Zeit jeden Bedürftigen aufnahm. Christen lagen so in ihren Betten, dass sie durch ein Fenster des Krankensaales die heilige Messe mitverfolgen konnten, und Muslime bekamen eine ihnen spezifische Betreuung.

Heute ist eine unserer Assoziationen das Paradebeispiel für gelebte Ökumene. Im Libanon hat man elf große Ordenszentren errichtet, in denen christliche Ärzte und zum Teil muslimische Krankenschwestern und Betreuer Verletzte, Kranke, Arme und Behinderte pflegen, gleichgültig welchem Glauben sie angehören.

In Rumänien hat sich die Ökumene trotz Kommunismus besser entwickelt, als in allen anderen orthodoxen Ländern. Der Patriarch lud im vergangenen Jahr zum Gebet für die Einheit der Christen in seine Kathedrale. Obwohl es in Rumänien nur zehn Prozent römische und griechische Katholiken, aber 84 Prozent Orthodoxe gibt, haben der Patriarch und der katholische Erzbischof damals gepredigt.

Natürlich gibt es noch Spannungen, besonders zwischen der griechisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, Doch bei der Weihe zweier griechisch-katholischer Bischöfe überbrachte ein orthodoxer Metropolit die persönlichen Segenswünsche des Patriarchen.

Papst Johannes Paul II. erkannte bei seinem offiziellen Besuch in Rumänien, zu dem ihn sein langjähriger Freund Patriarch Teoctist und der Staatspräsident eingeladen hatten, die positive Entwicklung der Ökumene in Rumänien. Kurz darauf war unser ehemaliger Großmeister ebenfalls offizieller Gast in Rumänien. Seine Erfahrungen ermöglichten meine Bitte, in unsere Assoziation auch orthodoxe Mitglieder aufnehmen zu dürfen.

Ein eigenes Statut regelt seither die Gruppe der „Familiare“ in unserer Assoziation, der einzigen weltweit mit orthodoxen Mitgliedern.

ZENIT: Dem Malteser Hilfsdienst in Rumänien, der 1997 entstand, gehören heute rund 1.200 freiwillige Helfer aller christlichen Konfessionen an, die in 27 verschiedenen Werken Menschen in Not beistehen. Wie startete man?

Hartig:
Der Malteser Hilfsdienst in Rumänien entstand schon 1991, begann sich aber erst 1977 zu seiner jetzigen Stärke zu entwickeln, nach der Einsetzung der Generalsekretärin Barla, einer ökumenisch denkenden Calvinistin, einem römisch-katholischen Präsidenten und einem griechisch-katholischen Vizepräsidenten. Dies gelang nur durch den Aufbau einer verlässlichen Sponsorengruppe.

ZENIT: Wie sehen Sie die ökumenischen Entwicklungen in Rumänien? Gibt es da große Unterschiede zu Ihrer Heimat Österreich beziehungsweise zum deutschsprachigen Raum?

Hartig:
Die Ökumene in Rumänien ist durchaus mit Österreich vergleichbar. Patriarch Daniel ist ein Freund unseres Kardinals Christoph Schönborn. Ich selbst bin seit vielen Jahren aktives Mitglied der Stiftung „Pro Oriente“ und setze mich bewusst für das gegenseitige Verständnis ein.

Mit Alterzbischof Dr. Eder besuchten wir unter anderen auch den Metropoliten von Iasi, den heutigen Patriarchen Daniel. In einer Diskussion um die Ökumene stellte er nüchtern fest: „Wenn wir uns nicht bald einig werden, gehen wir gemeinsam unter.“

Der Unterschied zu Mitteleuropa ist, dass Rumänien ein orthodoxes Land ist.

ZENIT: Am 30. Oktober wurde der Vorsitzende der Rumänischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ioan Robu, in den Malteser-Orden aufgenommen. Sie kennen ihn doch ein wenig. Was bedeutet diese Mitgliedschaft für ihn?

Hartig:
Da der Orden in Bukarest keine eigene Bleibe hat, wurden wir von Erzbischof Robu eingeladen, unsere Ordensabende im Erzbischöflichen Palais abzuhalten. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die uns spirituell eine große Hilfe wurde, denn seine Sekretäre, die Priester Francis Dobos, derzeit zum Studium in Rom, und Gabriel Popa betreuen uns.

Abgesehen von organisatorischen Fragen wird an jedem Ordensabend ein spirituelles Thema behandelt. Darauf folgt eine heilige Messe, dann geht man miteinander essen. So entsteht langsam eine Ordensfamilie.

Wir haben Erzbischof Robu aktiv gegen den Bau eines 20-stockigen Hochhauses zehn Meter neben der Kathedrale unterstützt. Nach vielen Interventionen der Kirche bis zur EU wurde der Bau eingestellt. Im vergangenen Jahr wurde die Aufnahme von vier Rittern und drei Familiaren im St. Josephsdom in Anwesenheit des Apostolischen Nuntius Erzbischof Jean-Claude Perisett, jetzt in Berlin, und von Erzbischof Robu gefeiert.

ZENIT: Was bedeutet Ihnen selbst die Mitgliedschaft im Malteser-Ritterorden. und was ist mit dem Leitsatz „Tuitio fidei et obsequium pauperum“ alles gemeint?

Hartig:
Das ist eine lange Geschichte. Aufgenommen als 18-Jähriger auf Wunsch meines Vaters, wusste ich anfangs nicht viel damit anzufangen. Als Mitglied des katholischen „Puchberger Kreises“ erhielt ich 1960 die verpflichtende Aufgabe, mich ein Jahr lang karitativ zu betätigen. Die Mitglieder der Salzburger Gruppe der „Puchberger“ gingen als Freiwillige zum Roten Kreuz.

Aus einem Jahr wurden sieben Jahre, und dann gründete ich mit meinen Freunden den Malteser Hospitaldienst in Salzburg, den ich elf Jahre leitete. Dann wurde ich von den Mitgliedern der Delegation Salzburg zum Delegaten des Ordens gewählt. Nach 20 Jahren dachte ich daran, in Pension zu gehen, doch Großmeister Bertie, der gerade zum Staatsbesuch in Wien bei Präsident Klestil weilte, war nicht „amused“ und schickte mich aufgrund meiner Erfahrungen zum Aufbau der Rumänischen Assoziation nach Bukarest.

„Tuitio fidei“, Schutz des Glaubens, nehme ich sehr ernst. Ein Beispiel soll auch meine Grundeinstellung erklären: Der Großherzog von Luxemburg, unser Ordensmitglied, hat aus Glaubensgründen ein Gesetz seines Parlaments zur Legalisierung der Euthanasie nicht unterschrieben, obwohl man seine Kompetenzen einschränken oder gar die Staatsform ändern will.

Wir Rumänen haben einen Aufruf der C-Fam (Chatholic Family and Humans Rights Institute) unterschrieben, der sich gegen die Legalisierung der Abtreibung als „Menschenrecht“ durch die EU ausspricht.

„Obsequium Pauperum“ betrifft alle Menschen, die in irgendeiner Weise bedürftig sind.

Unser Ordensgründer, der selige Gerard, hat uns vor 900 Jahren den Auftrag gegeben: „Diener zu sein unserer „Herren Kranken“, stellvertretend für Christus. „Was du einem meiner Brüder nicht getan hast, das hast du mir nicht getan.“

ZENIT: Welchen Stellenwert hat die kürzlich erfolgte päpstliche Auszeichnung der Malteser Rumäniens mit dem St. Gregorius-Orden? Ist mit dieser Würdigung auch ein Auftrag verbunden?

Hartig:
Erzbischof Perisett war Initiator dieser Auszeichnung. Selbst Ordensmitglied seit vielen Jahren, hat er den Aufbau der Assoziation, des Hilfsdienstes und der Botschaft miterlebt. Er kann daher sehr gut vergleichen, was in Rumänien oder anderswo geleistet wurde und wird. Unser Jugendzentrum in Micfalau, für dessen Fertigstellung wir bei unserem Charity Concert am 14.Dezember 2008 wieder rund Euro 80.000.- erzielen konnten, ist sicher einer der wichtigsten Aufträge für die Zukunft.

ZENIT: Was erhoffen Sie sich für die Ökumene, und was kann man in Ihren Augen aktiv für die Einheit tun?

Hartig:
Die Ökumene ist ein klarer Auftrag von Gott an alle christlichen Kirchen. Sie sollten die Worte des Patriarchen Daniel beherzigen: „Wenn wir nicht bald eins werden, gehen wir gemeinsam unter.“

Im Kleinen kann man hier die Ökumene in der Bevölkerung erleben, in der es wenige Spannungen gibt. In kleinen Gemeinden mit nur einer Kirche feiern die einen am Vormittag und die anderen am Abend ihre Liturgie. Die Familiare und die orthodoxen Frauen werden uns 2009 nach Lourdes begleiten.

Neulich sah ich einen öffentlichen Bus auf einem der großen Boulevards in Bukarest an einer kleinen katholischen Kirche vorbei fahren. Alle Fahrgäste drehten sich zur Kirche und machten ein Kreuzzeichen. So etwas ist in Mitteleuropa schon lange nicht mehr vorstellbar. Beten wir, dass der Heilige Geist uns Augen und Ohren öffnet.

ZENIT: Welche Hoffnungen haben Sie bezüglich der Malteser in Rumänien und weltweit?

Hartig:
Vor kurzem waren wir mit Rumäniens Staatspräsidenten Basescu bei unserer Ordensregierung in Rom eingeladen. Zu unserer Überraschung wurden wir vom Präsidenten mit der Planung verschiedener Aufgaben betraut, was wohl klar sein Vertrauen in unsere Arbeit zeigt.

Gerade komme ich, wie viele hundert Führungskräfte des weltweiten Ordens, zurück aus Venedig, wo das für uns alle wegweisende Internationale Strategie-Seminar unter dem Titel „Zehn Jahre voraus“ stattfand. Auch in Zukunft wird „Malteser International“ weltweit bei allen Katastrophen im Einsatz sein und der Orden selbst den Glauben verteidigen, wo immer es nötig ist.