Das Purifizieren mit Wasser und Wein

"Was wir mit dem Mund empfangen haben, Herr, das lass uns mit reinem Herzen aufnehmen"

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 456 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Vorgehensweise bei der Reinigung des Kelchs.

Frage: Anscheinend benutzen alle Priester beim Purifizieren nach der Kommunion nur Wasser. Doch die Grundordnung des Römischen Messbuchs lässt auch das Purifizieren mit Wasser und Wein zu. Wie kommt es, dass die überwältigende Mehrheit aller Priester nur eine einzige Methode benutzt? Wie sollte man vorgehen, wenn man Wein und Wasser verwendet? -- J.F., Adelaide, Australien

P. Edward McNamara: In der Grundordnung finden wir unter Nr. 279 folgende Aussage:

„Die sakralen Gefäße werden vom Priester oder vom Diakon oder von einem beauftragten Akolythen nach der Kommunion oder nach der Messe, wenn möglich am Kredenztisch, purifiziert. Das Purifizieren des Kelches erfolgt mit Wasser oder mit Wasser und Wein, was derjenige selbst trinkt, der purifiziert. Die Patene beziehungsweise Hostienschale ist in der Regel mit dem Kelchtuch zu reinigen. Es ist darauf zu achten, dass der nach der Kommunionausteilung gegebenenfalls übrig gebliebene Rest des Blutes Christi sofort vollständig am Altar ausgetrunken wird.“

Die bestehende Praxis basiert auf der Feier, wie sie gemäß der außerordentlichen Form stattfindet, bei der das Purifizieren mit Wasser und Wein vorgeschrieben ist.

In den Rubriken des Messbuchs für die Feier in der außerordentlichen Form ist folgende Vorgehensweise vorgesehen:

„Nach der Kommunionausteilung verwahrt der Priester alle übrig gebliebenen Hostien im Tabernakel. Er nimmt den Kelch und lässt einen Messdiener Wein eingießen. Er trinkt ihn und spricht leise:“

„Was wir mit dem Mund empfangen haben (Quod ore súmpsimus), Herr, das lass uns mit reinem Herzen aufnehmen, und diese zeitliche Speise werde uns zur Arznei der Unsterblichkeit.“

„Wein und Wasser werden über die Finger des Priesters hinweg in den Kelch gegossen. Während er sie abtrocknet, spricht er leise:“

„Mögen Dein Leib, den ich empfangen, und Dein Blut, das ich getrunken habe, innigst mit mir verbunden bleiben und gib, dass die Speise dieser reinen und heiligen Sakramente mich von allem Makel der Sünde befreie. Der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. Amen.”

„Er trinkt den Wein und das Wasser, reinigt den Kelch und bedeckt ihn.“

Der erste ist der älteste Teil dieses Ritus, das Purifizieren des Mundes („ablutio oris“), bei dem der Zelebrant etwas Wein zu sich nimmt, um sicherzustellen, dass von den heiligen Gestalten nichts im Mund verbleibt. In einigen ostkirchlichen Liturgien verzehrt der Priester auch ein Stück gesegnetes Brot. Diese Praxis geht erwiesenermaßen bis ins 4. Jahrhundert zurück.

Mancherorts war es sogar unter den Gläubigen üblich, nach dem Kommunionempfang etwas Wein und Wasser zu trinken. Diese Sorgfalt rührt daher, dass die Kirche im Allgemeinen zum Zubereiten des Brotes für die Eucharistie noch Sauerteig verwendete, weswegen das Brot gekaut werden musste. Solche Bräuche haben in verschiedenen Gebieten Europas die Zeit überlebt, sodass man bis ins frühe 20. Jahrhundert Spuren davon nachweisen kann.

Anfänglich wurden die Finger und der Kelch nach der Feier purifiziert, ohne dass es dafür besondere Bestimmungen gegeben hätte. Die ersten Regeln stammen aus dem 9. Jahrhundert, wobei damals zunächst nur Wasser benutzt wurde. Zum ersten Mal taucht der Gebrauch von Wein in Überlieferungen aus dem Mönchstum des 11. Jahrhunderts auf. In einigen Fällen entwickelten sich daraus detaillierte Riten, bei denen der Kelch dreimal gereinigt wurde.

Anfangs wusch man sich über einem nahe dem Altar befindlichen Gefäß die Hände oder zumindest die Finger. Das älteste Zeugnis, das wir vom Reinigen der Finger über dem Kelch haben, entstammt dem Dominikanerorden – einer Quelle aus dem Jahre 1256. In diesem Dokument heißt es, dass man – sofern ein geeignetes Gefäß fehlt – die Finger besser mit Wasser über dem Kelch reinigt und dann das Wasser zusammen mit dem Wein trinkt, der vorher zum Reinigen der Finger benutzt worden war. Wie in anderen Quellen aus dieser Zeit befindet sich in dem besagten Text auch ein erster Hinweis auf ein Tuch, aus dem sich später dann unser Kelchtuch entwickeln sollte.

Die genannten Bräuche breiteten sich langsam aus, doch nahmen sie erst universalen Charakter an, als sie mit dem Römischen Messbuch vom hl. Pius V. 1570 Gesetzeskraft erhielten.

Und was sollen wir heute tun? Wie sollte ein Priester bei der Feier in der ordentlichen Form das Purifizieren mit Wasser und Wein durchführen?

Ich würde vorschlagen, dies auf ganz einfache Art und Weise zu tun. Gießen Sie zum Zeitpunkt des Purifizierens Wein und Wasser in den Kelch und trinken sie es aus. Das Mengenverhältnis von Wein und Wasser bleibt dem Zelebranten überlassen. Aus praktischen Gründen wäre wahrscheinlich eine eher verwässerte Mischung vorzuziehen, vor allem damit die Kelchtücher nicht verunreinigt werden.

Wahrscheinlich ist es aufgrund der Praktiken, die seit den liturgischen Reformen üblich sind, zum fast ausschließlichen Gebrauch von Wasser gekommen: Die Einführung von Konzelebrationen und die häufigere Austeilung der Kommunion unter beiden Gestalten bringen es mit sich, dass oft mehr als ein Kelch zu purifizieren ist. Für gewöhnlich gibt es auch mehrere Ziborien, von denen einige mit Wasser purifiziert werden müssen. All das macht den Gebrauch von Wein und Wasser weniger praktisch und daher überrascht es nicht, dass man die erlaubte Alternative, sowohl Wasser als auch Wein zu benutzen, aufgegeben hat.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/ablutions-with-wine-and-water