Das Recht auf Gesundheit impliziert den Schutz von Kindern ab dem Zeitpunkt der Empfängnis

Kardinal Odilo Pedro Scherer zeigt auf der Konferenz Rio +20 Wege zum Schutz der Menschheit und der Natur auf

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Von Antonio Gaspari

ROM, 26. Juni 2012 (ZENIT.org).- „Das Recht auf Wasser, Nahrung, Gesundheit und Bildung ist untrennbar verbunden mit dem Recht auf Leben und Entwicklung“.

Dies erläuterte Kardinal Odilo Pedro Scherer am 22. Juni 2012 zum Abschluss der internationalen Konferenz der Vereinten Nationen über Nachhaltige Entwicklung, die unter dem Namen „Rio+20“ bekannt ist.

Der Erzbischof von Sao Paulo, Brasilien, erfüllte als Sondergesandter von Papst Benedikt XVI. die Funktion des Delegationsleiters des Heiligen Stuhles.

Der Kardinal betonte, dass die Rechte stets der Person dienen sollen. Aus diesem Grund sei die Vorstellung von einem Recht auf Gesundheit, das das Leben der Kinder im Mutterleib gefährdet, undenkbar.

Laut Scherer stellt eine derartige Auffassung von Gesundheit eine Bedrohung für die Würde des Menschen dar. Zudem müsse die Entwicklung in allen Phasen des Wachstums im Dienst des Menschen stehen.

Der Schlüssel zur Bewältigung der zahlreichen Bedrohungen wie Ungerechtigkeit, Hunger, Armut und Unterentwicklung, denen die menschliche Familie ausgesetzt ist, ist laut dem Heiligen Stuhl die Überwindung der die Grundlage von Partikularinteressen bildenden Hermeneutik des Verdachts. Diese soll durch eine wahre Solidarität, besonders mit den ärmsten Bevölkerungen, ersetzt werden.

Die Solidarität mit den anderen Menschen inklusive der mit den noch ungeborenen Kindern, müsse darin enthalten sein.

Kardinal Scherer zufolge sei die Zeit für eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Welt nun angebrochen, die eine der Würde eines jeden Menschen Rechnung tragende vollständige Entwicklung ermöglicht.

In diesem Zusammenhang sprach sich der Heilige Stuhl erneut dafür aus, die Person des Menschen ins Zentrum zu rücken, wie es im Grundsatz 1 der Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung  aus dem Jahr 1992 folgendermaßen festgehalten ist: „Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur“.

„Der Wert und die Würde eines menschlichen Individuums ist von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod gleich groß“, so der Erzbischof.

Jedes neue Entwicklungsmodell wie beispielsweise die ‚green economy‘, müsse auf jenen Prinzipien gründen und von ihnen durchdrungen sein, die die Grundlage des Einsatzes für den Wert des Menschen bilden.

Der Heilige Stuhl hat seine Zustimmung zu einem geeigneten Technologietransfer, zur Förderung eines inklusiven und gerechten globalen Handelssystems, zu Entwicklungshilfeprojekten, zur Bestimmung von neuen und innovativen Finanzinstrumenten, die die Würde des Menschen, das Allgemeingut und den Umweltschutz in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns stellen, erklärt.

In Erinnerung an die Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte betonte Kardinal Scherer die Funktion der Familie als natürliche und ursprüngliche Einheit der Gesellschaft.

Der Kardinal hob hervor, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise eine Bedrohung für die großen in den letzten Jahrzehnten infolge der technologischen und wissenschaftlichen Entwicklung erzielten Fortschritte dargestellt habe. Aus diesem Grund lud er die internationale Gemeinschaft zu einer Gewissensprüfung ein. Diese solle sich nicht nur auf den Zustand der Wirtschaft und der Umwelt der Erde beziehen sondern einer Bestandsaufnahme der moralischen und kulturellen Krise dienen, deren Anzeichen in allen Teilen der Welt sichtbar seien.

Angesichts dieser Herausforderung bekräftigte der Heilige Stuhl die Wichtigkeit, von einem auf der technologischen Innovation basierenden Modell zu einem vollkommen menschlichen überzugehen, dessen Ausgangspunkt die Würde und der Wert jeder einzelnen Person sei.

Der Delegationsleiter des Heiligen Stuhles lud die Regierungen abschließend dazu ein, sich gemeinsam um eine Förderung der Entwicklung aller und vor allem der bedürftigsten Personen zu bemühen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]