"Das Sterben an den Grenzen muss aufhören!"

Deutsche und italienische Bischöfe dringen auf eine erneuerte Zuwanderungspolitik der Europäischen Union

Bonn, (DBK PM) | 353 klicks

Mit einem Aufruf zur Erneuerung der europäischen Zuwanderungspolitik endeten heute die Konsultationen der Deutschen und der Italienischen Bischofskonferenz zu Migrationsfragen. Auf der Agenda des zweitägigen Treffens in Köln vom 20. bis zum 21. Februar 2014 standen neben der europäischen Flüchtlingspolitik Fragen der Seelsorge für Italiener in Deutschland. Die Delegationen wurden von den Vorsitzenden der Migrationskommissionen, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim) und Erzbischof Francesco Montenegro (Agrigent), geleitet. 

„Schutzbedürftige Menschen dürfen nicht in Lebensgefahr geraten, wenn sie einen Asylantrag in Europa stellen wollen. Das Sterben an den Grenzen muss aufhören“, mahnte Bischof Trelle mit Blick auf mehr als 20.000 Menschen, die in den vergangenen Jahren an den Außengrenzen der Europäischen Union oder auf dem Weg dorthin ihr Leben verloren haben. Zuletzt waren Anfang Februar in der Nähe der spanischen Exklave Ceuta mindestens 14 Menschen beim Versuch ertrunken, den stacheldrahtbewehrten Grenzzaun schwimmend zu überwinden. „Die EU muss ernsthaft Alternativen zur derzeitigen Politik prüfen, um die Überwachung der Grenzen und die Wahrung der Menschenrechte in Einklang zu bringen“, drängte Erzbischof Montenegro, zu dessen Bistum auch die Insel Lampedusa gehört. Auch über Möglichkeiten legaler Zuwanderung außerhalb des Asylsystems müsse konstruktiv diskutiert werden. Sonst, so die Bischöfe, blieben die Zeichen der Betroffenheit nach Tragödien wie dem Untergang von Flüchtlingsschiffen vor Lampedusa leer und wertlos. 

Die Vorsitzenden der Migrationskommissionen der Deutschen und der Italienischen Bischofskonferenz sprachen sich auch für eine Neuordnung des Verfahrens für die Verteilung von Asylsuchenden in Europa aus. Erzbischof Francesco Montenegro forderte: „Die Staaten der Europäischen Union sollten sich auf ein faires und transparentes Verfahren verständigen, das alle Interessen berücksichtigt: die Interessen der Staaten an den EU-Außengrenzen und der anderen Mitgliedsländer, aber auch die berechtigten Anliegen der Flüchtlinge.“ Das aktuelle System verpflichtet jeweils denjenigen Staat zur Durchführung eines Asylverfahrens, in den der Flüchtling zuerst eingereist ist. „Die rechtlichen und humanitären Probleme dieses Verfahrens zeigen sich auch an Brennpunkten wie ‚Lampedusa in Hamburg‘ oder Berlin“, erklärte Bischof Trelle. Dort fordern über Italien eingereiste Asylbewerber die Durchführung eines Verfahrens in Deutschland. 

Neben Fragen des Flüchtlingsschutzes stand die Zukunft der Seelsorge für die ca. 650.000 Italiener in Deutschland im Zentrum der Beratungen. Im Rahmen der sogenannten „muttersprachlichen Seelsorge“ haben die deutschen Bistümer seit den 1960er Jahren 83 italienische Gemeinden eingerichtet, um die damals als „Gastarbeiter“ gekommenen italienischen Katholiken durch Seelsorge und Sozialarbeit zu begleiten. „Diese Gemeinden stehen vor einem Umbruch: Ihre Mitglieder und die Seelsorger sind älter geworden; wegen der auch in Italien rückläufigen Zahl an geistlichen Berufungen kommen heute kaum noch Priester nach Deutschland. Wir brauchen Konzepte, wie die italienischen Gemeinden enger mit den deutschen Pfarrgemeinden zusammenarbeiten und dennoch ihre Identität bewahren können“, erläuterte Erzbischof Montenegro die anstehenden Herausforderungen. Bischof Trelle ergänzte: „Die Gemeinden sind heute auch wichtige Anlaufstellen für die etwa 40.000 Italienerinnen und Italiener, die aktuell jährlich aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihrem Heimatland in Deutschland eine Chance für sich und ihre Familien suchen. Die muttersprachliche Seelsorge leistet einen wichtigen Beitrag für ihre Integration in Kirche und Gesellschaft.“