Das Vertrauen zwischen Katholiken und Orthodoxen wächst weiter

Einheit in Vielfalt gesucht - Erzbischof Koch und Metropolit Ioannis über die 12. Vollversammlung

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Von Michaela Koller

WIEN, 27. September 2010 (ZENIT.org).- Die Internationale Kommission für den katholisch-orthodoxen Dialog hat am Freitag mit reichlich Zuversicht ihre 12. Vollversammlung in Wien zu Ende geführt. Ob es eine Wiener Dokument geben wird, ähnlich der Erklärung von Ravenna von 2007, wollten jedoch Erzbischof Kurt Koch,Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, ebenso wenig versprechen wie sein orthodoxer Counterpart Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon. Letzterer betonte bei einer Pressekonferenz in Wien, dass vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen wachse.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert ihn mit dem Satz: „Es gibt keine Wolken des Misstrauens zwischen unseren Kirchen." Wenn beide Seiten so wie bisher im Dialog fortführen, würden sie mit Gottes Hilfe einen Weg finden die verbleibenden Schwierigkeiten zu überwinden. Der gemeinsame Austausch müsse intensiv fortgesetzt werden, um einander als vollkommen als Schwesterkirchen sehen zu können, zeigte sich auch Erzbischof Kurt Koch überzeugt.

Metropolit Ioannis sagte, die Dialogpartner befassten sich noch mit dem ersten Jahrtausend und seien so noch zu keinem Schluss gelangt. In den Gesprächen habe sich aber herausgestellt, dass die Beschlüsse von Ravenna durch die Geschichte des ersten Jahrtausends bestätigt werde. „Mit anderen Worten, im ersten Jahrtausend gab es eine Anerkennung der besonderen Rolle des Bischofs von Rom. Da war aber auch der Umstand, dass der Bischof von Rom nicht ohne die Beratung mit anderen Bischöfen handelte, in seinem eigenen Wirkungsbereich wie auch universal. So entdecken wir, dass dies in der Geschichte ein wichtiger Aspekt war", sagte der 80-jährige Theologe.

Die Orthodoxen müssten ihre universelle Einheit betonen und darüber hinaus ihr Konzept vom Primat. „Und vielleicht muss die katholische Seite die Dimension der Synodalität stärken." Wenn beide Seiten entsprechend fortschreiten, dann würde dies einem Verständnis von Kirche nahe kommen, die in ihrer grundlegenden Struktur auf dem richtigen Weg geeint sei.

Natürlich wüssten sich beide Seiten auch im Glauben eins, wo es bestimmte grundlegende Dinge gebe, die geklärt werden müssten. „Der Rest kann der Vielfalt überlassen werden", sagte der Metropolit in Bezug auf Traditionen, besonders liturgischer Traditionen. Als wichtigen Schritt auf dem Weg nannte er ein pan-orthodoxes Konzil, auf dessen Einberufung in naher Zukunft die Orthodoxen hoffen könnten, da es dahingehend gute Fortschritte gebe. „Was das orthodoxe Konzil betrifft, sehen wir in der Autokephalie ein Problem, besonders dann, wenn diese mit nationalistischen Aspekten verknüpft ist", betonte Metropolit Ioannis.

Einheit bedeute, dass wir uns vollkommen als Schwesterkirchen betrachten, hob Erzbischof Koch hervor. „Ebenso wie die Kirche in Wien die Schwesterkirche der Kirche in Basel ist, so wird die orthodoxe Kirche für uns eine Schwesterkirche sein", erklärte der ehemalige Oberhirte des Baseler Bistums. Er sei überzeugt, dass der Papst auch in diese Richtung denke. Das habe das Angebot an die Anglikaner gezeigt, in dem er zugesichert habe, dass sie ihre Tradition bewahren und ihre eigene Liturgie feiern dürften. „So hat er selbst gesagt, dass es Unterschiede geben sollte. Das wird der zweite Schritt sein. Es ist aber noch Zukunftsmusik, sich einander zu fragen, wie wir dies zusammen tun können."

Im sogenannten „Ravenna-Dokument" aus dem Jahr 2007 hatten die orthodoxen Theologen den Primat des Papstes auf universaler Ebene anerkannt. Von katholischer Seite gab es Zustimmung zu der Autonomie der Teilkirchen aufgrund des synodalen Prinzips. Zum Abschluss der Vollversammlung fanden am Samstag und am Sonntag zwei festliche Gottesdienste statt. Am Samstag leitete Kardinal Christoph Schönborn um 18 Uhr das Pontifikalamt im Stephansdom, und am Sonntag zelebriert Metropolit Michael Staikos um 10 Uhr in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale den festlichen Gottesdienst. Mit Kardinal Schönborn konzelebrierten am Samstag an die 40 Kardinäle und Bischöfe. (ZENIT berichtete.)