Das Wirken des Heiligen Geistes durch eine nicht gehaltene Ansprache

Von Armin Schwibach

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ROM, 17. Januar 2008 (ZENIT.org).- Das gute Ende aller Dinge – und eine Gelegenheit zu einem neuen Aufbruch: So ließen sich die Ereignisse des letzten Tage um den Besuch Benedikts XVI. zur Eröffnung des Akademischen Jahres an der größten Universität Europas auf den Punkt bringen.



Ein unwürdiger Mix, der aus einer Pressekampagne gewisser Printmedien, einem von ungefähr 70 Professoren (der Lehrkörper der römischen Universität zählt fast 5.000 Dozenten) unterzeichneten Brief gegen die Anwesenheit des Papstes in einem säkularen Athenäum sowie einer Radikalisierung seitens einer Minderheit von wenigen Dutzend linksradikaler Studenten („La Sapienza“ hat fast 140.000 eingeschriebene Studenten) bestand, hatte dazu geführt, dass der Papst den Besuch absagte.

Das entstandene Klima erlaubte es nicht, eine Universität – genuiner Ort der freien Auseinandersetzung, des freien Meinungsaustauschen und der freien Forschung – zu besuchen. Gerade das, was dem „Herrn Professor Papst“ am meisten liegt, nämlich an einen Ort, die Universität, zurückzukehren, der seinen Lebensweg in entscheidendem Maß geprägt hatte, gerade das wurde ihm durch eine agitatorische und mit den Worten des italienischen Staatspräsidenten „unzulässige Intoleranz“ seitens weniger verwehrt. Italiens Welten der Kultur und der Universitäten waren und sind ob dieses tragischen Vorfalls erschüttert und verärgert. Denn: Sollte es nicht gerade das wesentliche Merkmal eines säkularen Tempels des Wissen sein, dafür einzutreten, dass jeder, ohne Unterschied, in Freiheit und Achtung angehört und diskutiert wird?

Anscheinend fällt es schwer einzusehen und zu akzeptieren, dass ein Mann in weißer Soutane, das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken, einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts und der Weichensteller für den Weg der Kirche im ersten Jahrhundert des neuen Jahrtausends ist, der noch dazu über Jahrzehnte hinweg als „Panzerkardinal“ kolportiert wurde – dass dieser Mann mit seiner Güte und Weisheit sowohl den Glaubens- und Kulturschatz des Christentums erneuern und gleichzeitig in entscheidender Weise mit der säkularen Welt in Dialog treten will.

Die gestern veröffentlichte nicht gehaltene Rede Benedikts XVI. ist ein Geschenk, das der Papst nicht nur der akademischen und intellektuellen Welt macht, sondern allen Christen und allen Menschen guten Willens; allen, denen es daran gelegen ist, die wesentlichen Fragen zu stellen und die die Freiheit haben, nach den Wegen zu suchen, um diese zu verwirklichen.

Die „Sapienza-Vorlesung“ gehört zusammen mit der „Regensburger Vorlesung“ zu den bildenden Mosaiksteinen, die das Gesamtwerk dieses Pontifikats ausmachen. Die von „Dummköpfen“ – so bezeichnete der Bürgermeister von Venedig und Professor für Philosophie Massimo Cacciari seine Kollegen sowie die randalierenden Studenten – angezettelte Pseudorevolte gegen den ihrer Meinung nach „Hauptvertreter des religiösen Obskurantismus“ und der „kirchlichen Präpotenz“, gerade sie offenbart sich für den Leser der „lectio“ des Heiligen Vaters als eines der unergründlichen Werkzeuge, durch die der Heilige Geist in der Welt wirkt. Denn: Jetzt ist es unmöglich, diese nicht gehaltene Ansprache aus der Feder des Papstes nicht zu lesen - was nicht nur für Katholiken gilt oder von Interesse ist.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte dieser Tage, dass an dem Ort und zu der Stunde, an denen der Papst in der Aula Magna der Universität hätte sprechen sollen, seine Rede von einem der zu den Eröffnungsfeierlichkeiten anwesenden Professoren – einem Professor für Physik – verlesen und mit „standing ovations“ und „Viva il Papa“-Rufen gewürdigt wurde.

Die Rede ist Ausdruck der Geschichte des Pontifikats von Benedikts XVI., ein Lichtort, an dem der intellektuelle Reichtum der wahren Freiheit leuchtet. Benedikt XVI. öffnet die Köpfe. Er führt hin zum Weg der Wahrheit, er regt die Vernunft und das Herz an, ihre Grenzen und ihre Größe zu sehen. Eine Größe, die nicht von Gott trennt, sondern ins Gespräch über und mit ihm hineinführt.