Das Wunder des kleinen Pietro, das zur Seligsprechung des Ehepaars Martin führte

Gespräch mit den Eltern des sechsjährigen Jungen

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ROM, 16. Januar 2009 (ZENIT.org) – „Als ich war krank war, bat das Ehepaar Martin Jesus, er möge mich heilen – und er heilte mich." So schildert der sechsjährige Pietro Schilirò das Wunder seiner Heilung als Neugeborener. Die Eltern des kleinen Jungen, Valter und Adele, wandten sich an die Fürsprache der Eltern der heiligen Teresa vom Kinde Jesu, an Marie Zélie Guérin (1831-1877) und Louis Martin (1823-1894). Das Wunder leitete die Seligsprechung des Paares ein, die am 19. Oktober 2008 in der Basilika von Lisieux in Frankreich stattfand (ZENIT berichtete).



Die Familie Schilirò wohnte am Mittwoch, den 14. Januar, der Generalaudienz Benedikts XVI. in der Audienzhalle Pauls VI. im Vatikan bei, wo die Reliquien der selig gesprochenen Martins dargeboten wurden. Es war auch der erste Tag des VI. Weltfamilientreffens in Mexiko-Stadt. Der Papst betonte deshalb in französischer Sprache, dass beide Ehegatten „das Geheimnis der Liebe Christi so tief gelebt haben“. Die Eheleute Schilirò, die der Bewegung „Gemeinschaft und Befreiung“ angehören, schenkten dem Heiligen Vater ein Reliquiar mit sterblichen Überresten des Ehepaars Martin.

Im Interview mit ZENIT erzählen sie von der Heilung des kleinen Pietro und wie sein Zeugnis sie dazu veranlasste, eine übernatürliche Sicht auf Momente voll Unsicherheit zu gewinnen.

Pietro wurde am 25.Mai 2002 als letztes von fünf Kindern in Mailand geboren. Als sich am Tag seiner Geburt eine schwere Fehlbildung der Lunge herausstellte, bekam Pietro gleich im Spital eine intensive Therapie, um atmen zu können. Der Vater berichtet: „Wir verstanden sofort, dass die Krankheit sehr ernst war und dass es keine Chance auf Heilung gab. Man schlug uns eine Röntgenaufnahme seiner Lunge vor, um zu sehen, was er hatte." Eine Biopsie wäre dafür eigentlich notwendig, aber auch sehr gefährlich für den kleinen Bub gewesen. Die Eltern beschlossen, das Kind auf der Stelle zu taufen. Sie baten einen italienischen Karmeliten, P. Antonio Sangalli, um die Spende des Sakraments. Der Priester schenkte ihnen ein kleines Bild der Eheleute Martin. „Wir verloren vier Kinder in jungem Alter“, sagt Adele, Pietros Mutter. „Das Gebet half und stärkte uns in jener Situation."

Über das Leben von Louis und Zélie Martin wussten die Eheleute Schilirò nur wenig: Manches hatten sie in den Schriften der kleinen Teresia gelesen. In Ungewissheit über die weitere Gesundheit des kleinen Pietro entdeckten sie „eine geheimnisvolle Nähe zum Ehepaar Martin“, meint Valter. „Dann wagten wir, den Herrn um das bitten, was wir eigentlich im Herzen trugen: die Heilung Pietros. Der Herr legte das Ehepaar Martin in unsere Hände", erinnert sich Adele. In ihrem Leid und im Hinblick auf ihr an Geräte für künstliche Beatmung angeschlossenes Kind, baten Adele und Valter Gott, ihnen seinen Willen für Pietro zu zeigen. „Das war sehr wichtig für uns, denn es half uns, als wir sahen, dass unser Kind lebte. Pietro durchlebte in vollem Umfang seine Berufung, indem er seine Leiden trug. Er beteiligte sich am Heil der Seelen mit Jesus, und das war für uns das erste Wunder.“

Am 26. Juni erlitt Pietro eine schwere Atemnot. „‚Es ist nur eine Frage von Stunden oder wenigen Tagen’, sagten uns die Ärzte. Auf jeden Fall gab es keine Hoffnung für Pietro", setzt Adele fort. Nach mehrmaligem Beten der Novene der Eheleute Martin begann Pietro am 29. Juni, dem Tag des heiligen Petrus und Paulus, Anzeichen einer Besserung zu zeigen. Nach nur zwei Wochen konnte das Kind wieder von selbst atmen. Für die Ärzte war es ein völlig „überraschendes Ereignis". Die Eltern sprachen mit P. Antonio, und so wurde der Priester Vize-Postulator für die Seligsprechung von Zélie und Louis Martin.

„Wir fließen wirklich über vor Dankbarkeit. Wir verdienen das nicht, wir fühlten uns überfordert ", sagt Adele. Valter fügt hinzu: „Es gibt kein Verdienst von uns, gar keines. Was mit Pietro geschah, fällt auf die ganze Kirche zurück. Heute sind wir deshalb hier, um dem Papst diese Reliquie auszuhändigen, die ein großes Zeichen für die ganze Kirche ist."

Heute ist Pietro ein „normales“ Kind: Er spielt, geht in die Schule und weiß nur zu genau, dass er seine Heilung dem Wunder durch die Fürsprache der Eheleute Martin verdankt. „Jeden Abend betet er mit uns, mit der Familie, das Gebet Martins für alle Menschen, die uns darum bitten“, sagt Adele. „Er betet auch für den Papst und alle unsere lieben Priester, und für eine ganze Reihe von anderen Personen. Es dauert den ganzen Abend", so Valter.

Die Eltern von Pietro verstehen sehr gut, was es bedeutet, sich der Gnade anzuvertrauen, wenn man um die Gesundheit seiner Kinder fürchtet: „Ich finde Eltern von kranken Kindern sollen nicht den Mut verlieren, sich über die Heiligen an Christus zu wenden. Man muss es wagen zu bitten, weil der Herr ein gütiger Vater ist. Und man braucht die Kraft zu verstehen, dass alles, was kommt, gut für uns ist."

Adele empfiehlt: „Im Augenblick der Prüfung verlangt der Herr von uns sehr viel, aber wenn wir ihm unsere Hoffnung und unser Vertrauen schenken, dann gibt er uns noch viel mehr. Wir müssen ihn mit der ganzen Hingabe unseres Herzens bitten. Die erste Heilung besteht darin zu bitten, immer."

Von Carmen Elena Villa; Übersetzung von Stefan Beig