Das Wunder von Knock

5 teilige Reihe – 1. Teil: die Erscheinung

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ROM, Donnerstag, 26.Mai 2011 (ZENIT.org). – Zum Abschluss des Marienmonates hat ZENIT die exklusiven Rechte für die Veröffentlichung von Auszügen aus dem Buch von Dr. Peter H. Görg*: „Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not“ erhalten.

Heute veröffentlichen wir den ersten Teil einer fünfteiligen  Folge.

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Die Ereignisse, von denen hier berichtet werden soll, fanden am 21. August 1879 statt. Irland und seine Bevölkerung waren zu dieser Zeit geprägt von den skizzierten Verfolgungen durch die britischen Dauerbesatzer, durch große Hungersnöte und anhaltende Armut.

Das Dorf Knock im Westen des Landes, genauer in der Grafschaft Mayo, stellte einen typischen Flecken dieses armen Irlands mit seinen kleinen Besitzungen dar. Die Bewohner mussten hart arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und viele waren gezwungen nach Amerika oder England auszuwandern. Die Bevölkerung war durchweg katholisch, wie es damals auch noch nahezu ein Synonym war, irisch und katholisch zu sein. In ihrer großen materiellen Armut fanden die Iren einen ideellen Reichtum in ihrem katholischen Glauben.

Das Zentrum des Ortes war natürlich die Kirche, ein kreuzförmiges Gebäude mit einem Turm an der Nordseite. Die Cottages in der Nachbarschaft glichen sich mit ihren reetgedeckten Dächern, drei-räumig und weißgekalkt. Zwei Schulen, eine für die Jungen und eine für die Mädchen, fanden sich nahe der Kirche und das Pfarrhaus glich den übrigen Häusern. Pfarrer des Ortes war in jenem denkwürdigen Jahr Erzdiakon Cavanagh, der für seinen seelsorgerlichen Eifer und seine Heiligkeit bekannt war.

Der 21. August 1879, ein Donnerstag, sollte nun diesem bis dato unbedeutenden irischen Dorf ungeahnte Bekanntheit in ganz Irland und weltweit bringen. Die Chronisten beschreiben jenen Tag vor der Himmelfahrtsoktav als einen Tag, wie er gewöhnlicher nicht beginnen konnte. Am Morgen war das Wetter noch schön und die Bevölkerung ging vor allem Tätigkeiten im Freien nach. Neben der Heuernte wurde der einzige bedeutende Bodenschatz Irlands gestochen: der Torf. Um die Mittagszeit setzte dann der Regen ein, der für Irland ebenso typisch wie die Katholizität ist. Wir erfahren auch einige Anhaltspunkte über die Bevölkerung. So lebte etwa die alte und kranke Mrs Campbell auf der gegenüberliegenden Straßenseite und man erwartete allgemein ihren baldigen Tod. Die Witwe Mrs. Beirne, die östlich von der Kirche wohnte war gerade vom Urlaub aus Lecanvey zurückgekommen. Erzdiakon Cavanagh besuchte an diesem Tag einen entfernteren Teil der Pfarrei und kam abends völlig durchnässt nach Hause und setzte sich zum Trocknen ans Feuer.

Kurz nach sieben am Abend verließ die Schwester des Sakristans, Margaret Beirne, ihr Haus, um die Kirche abzuschließen. Als sie diese wieder verließ, sah sie einen ungewöhnlichen Lichtglanz über der Kirche, machte sich aber keine weiteren Gedanken darüber, sondern ging nach Hause.

Kurze Zeit später machte sich die Pfarrhaushälterin, Mary McLoughlin, auf den Weg, um die aus dem Urlaub heimgekehrte Mrs. Beirne zu besuchen. Als sie an der Kirche vorbeikam, sah sie die „Figuren“, die sie für Statuen hielt, die der Pfarrer wohl ohne ihr Wissen errichten ließ. Auch wenn es ihr merkwürdig vorkam, schließlich wissen Pfarrhaushälterinnen gewöhnlich mehr als ihre Dienstherren, ging sie weiter zu Mrs. Beirnes Haus.

Nach Beendigung ihres Besuchs, etwa eine halbe Stunde später, kam Mrs. McLoughlin zusammen mit Mrs. Beirnes Tochter Mary wieder an der Kirche vorbei. Obwohl die Pfarrhaushälterin nichts zu der Tochter gesagt hatte, sah auch diese die Figuren und hielt sie ebenfalls für Statuen. Sie fragte Mrs. McLoughlin, wann der Pfarrer sie an der Giebelwand aufgestellt habe. Die Haushälterin konnte ihr diese Frage aber nicht beantworten und als sich die beiden den Figuren näherten, rief die junge Mary: „Sie sind keine Statuen, sie bewegen sich. Es ist die selige Jungfrau!“

Nach kurzer Beratung rannte die aufgeregte Mary Beirne nach Hause, um den anderen von dem Ereignis zu berichten. Marys Bruder Dominick, der etwas über 20 Jahre alt war, wusste nicht, was er von der Nachricht seiner Schwester halten sollte. Trotzdem gingen er, seine Mutter, seine Schwester Margaret und seine Nichte Catherine Murray nach draußen und alle sahen sie die Erscheinung. Mary Beirne machte sich daran, auch die Nachbarn zu rufen, damit sie den „wundervollen Anblick“ sehen könnten. Bald war eine kleine Gruppe vor der Giebelwand versammelt und betrachtete die Erscheinung.

Übereinstimmend berichteten die Zeugen später was sie gesehen hatten: Zum einen sahen sie drei Gestalten an der Giebelwand der Kirche etwa zwei Fuß über dem Boden schwebend. Die zentrale Gestalt wurde als „Our Lady“, also als selige Jungfrau Maria, identifiziert. Sie trug einen langen weißen Mantel, der am Hals zugebunden war und auf ihrem Haupt war eine strahlende Krone. Ihre Hände waren bis zur Höhe der Schultern erhoben und sie war den Anwesenden Zeugen zugewandt. Ihre Augen waren dabei zum Himmel gerichtet, als sei sie im Gebet versunken. Die Gottesmutter befand sich leicht erhöht gegenüber den beiden anderen Gestalten. Auf der rechten Seite Mariens, vom Betrachter aus gesehen links, befand sich eine Gestalt, die man als hl. Joseph erkannte. Seine Hände waren in betender Haltung geschlossen. Sein Kopf und sein Körper befanden sich in leicht gebeugter Haltung in Richtung der Gottesmutter, als zolle er ihr seinen Respekt. Auf der linken Seite Mariens, diesmal also vom Betrachter aus rechts, befand sich eine Gestalt, die von Mary Beirne als Johannes den Evangelisten ausgemacht wurde, da sie eine ähnliche Darstellung in der Kirche von Lecanvey gesehen hatte. Er war bekleidet wie ein Bischof und hielt ein geöffnetes Buch in seiner linken Hand. Die rechte Hand hielt er erhoben mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger, Man deutete diese Haltung, dass es den Anschein machte, dass Johannes predigte und einen bestimmten Punkt dabei betonte.(Fortsetzung morgen)

*Dr. Peter H. Görg wurde 1976 geboren. Er studierte Philosophie und Theologie und promovierte im Fach Dogmatik bei Prof. Dr. Anton Ziegenaus. Dr. Görg verfasste die biographischen Werke „Die Wüstenväter: Antonius und die Anfänge des Mönchtums“ (2008) und „Elisabeth von Thüringen begegnen“ (2009). Neben seiner publizistischen Tätigkeit arbeitet er als Lehrer.

Peter H. Görg: Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not, Media Maria Verlag, Illertissen 2010 (1. Aufl.)