Das Wunder von Knock

5teilige Reihe – 2. Teil: die Erscheinung (Fortsetzung)

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ROM, Freitag, 27. Mai 2011 (ZENIT.org). – Zum Abschluss des Marienmonates hat ZENIT die exklusiven Rechte für die Veröffentlichung von Auszügen aus dem Buch von Dr. Peter H. Görg*: „Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not“ erhalten.

Heute veröffentlichen wir den zweiten Teil einer fünfteiligen  Folge.

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Links von St. Johannes, also vom Betrachter rechts, in der Mitte der Giebelwand unter dem Fenster, schwebte ein großer Altar. Auf dem Altar stand ein Lamm, das zu den anderen Gestalten gewandt war. Hinter dem Lamm war ein Kreuz zu sehen. Der Altar war auf einer höheren Ebene als die übrigen Gestalten und etwas weiter hinten. Die Gestalten waren „voll und rund als ob sie einen Körper und Leben hätten“, allerdings wurde kein Wort gesprochen, weder von der Erscheinung, noch von den Anwesenden an die Erscheinung.

Wenn sich die Zeugen den Gestalten näherten, bewegten sie sich rückwärts zur Giebelwand. Als eine 75jährige Frau, Bridget Trench, versuchte, die Füße der Gottesmutter zu küssen, fand sie nichts als die Wand. Der 13jährige Patrick Hill sah eine Rose auf der Stirn Mariens und Engel, die um den Kopf des Lammes schwebten. Die Erscheinung dauerte über zwei Stunden an. Die drei Figuren und das Lamm waren von einem weichen glänzenden Licht umgeben, das die ganze Wand erleuchtete. Selbst in einer halben Meile Entfernung konnte der 65jährige Patrick Walsh das Licht erkennen und hielt es zunächst für ein Feuer vor der Kirche. Das Licht kam ihm auf jeden Fall außergewöhnlich vor.

Das seltsamste Phänomen bezüglich der Erscheinung hing mit der Tatsache zusammen, dass es auch währenddessen stark regnete und die Zeugen alle stark durchnässt waren. Doch die Stellen unter den Gestalten waren völlig trocken, obwohl ein Südwind Richtung Giebelwand blies. Als Zeugin tritt hier vor allem Bridget Trench auf, die vorsichtig mit der Hand den Boden unter den Figuren befühlte und völlig trocken vorfand.

Es gab 15 offiziell überprüfte Zeugen der Erscheinung aber sie wurde insgesamt von über 20 Personen gesehen. Alle, die zu der Giebelwand der Kirche kamen, sahen sie. Unter den 15 geprüften Zeugen waren Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, Alte und Junge im Alter von 6 bis 75 Jahren. Zunächst unterhielten sich die Zeugen und versuchten die Gestalten zu identifizieren. Später gingen sie zu persönlichen Gebeten über. Manche näherten sich den Gestalten und später standen sie alle regungslos da und betrachteten das Geschehen. Es wird betont, dass sich niemand in einem Zustand der Ekstase befand, doch sie waren erfüllt von Erstaunen und manche spürten ein warmes Gefühl der Ergriffenheit. Die eben genannte Zeugin Bridget Trench erklärte etwa, dass sie „beim Anblick der Seligen Jungfrau ein großes Gefühl der Freude und Dankbarkeit verspürte“. Dominick Beirne zeigte sich so ergriffen, dass er Tränen vergoss. Manche Zeugen blieben eineinhalb Stunden, andere kürzer.

Doch was war mit dem Pfarrer von Knock? Wie verhielt sich der als seeleneifrig und heiligmäßig verehrte Erzdiakon Cavanagh? Nach etwa einer halben Stunde ging seine Pfarrhaushälterin Mary McLoughlin nach Hause. Der Pfarrer hatte sich bereits über ihre lange Abwesenheit gewundert und fand sie nun in großer Aufregung. Sie erzählte ihm von den Ereignissen an der Giebelwand der Kirche und forderte ihn auf, mitzukommen. Er aber ging davon aus, dass sie vielleicht irgendeine Lichtreflexion von einem Kirchenfenster gesehen habe und beachtete nicht weiter, was seine gute Haushälterin erzählte. Natürlich ging er auch nicht mehr hinaus, nachdem er bereits einmal ganz durchnässt war.

Währenddessen entfernte sich Judith Campbell vom Erscheinungsort, um nach ihrer kranken Mutter zu schauen, die sie allein zu Hause gelassen hatte. Plötzlich kam sie zurückgelaufen und berichtete aufgeregt den verbleibenden Beobachtern, dass ihre Mutter tot an der Haustür liege. Auch die alte Mutter hatte wohl von den Ereignissen gehört und sich aufgerafft, um selbst Zeuge des Wunders zu sein, kollabierte aber bereits an der Tür. Alle liefen schnell zu der alten Frau, um zu sehen, was passiert sei. Doch fanden sie Mrs. Campbell lebend vor, sie war nur ohnmächtig geworden. Die Anwesenden blieben 10-15 Minuten, bis ihre Hilfe nicht mehr benötigt wurde und eilten dann zur Kirche zurück. Doch die Erscheinung war nicht mehr zu sehen und der Regen wurde gegen die Giebelwand geblasen, als wäre nichts geschehen. Die Zeugen waren wohl davon ausgegangen, dass die Erscheinung ständig bleiben würde und begaben sich nun wieder in ihre Häuser.

Am nächsten Morgen war die Erscheinung natürlich Mittelpunkt aller Gespräche und auch Pfarrer Cavanagh wurde vor der hl. Messe darauf angesprochen. Daraufhin begann er, verschiedene Gemeindemitglieder zu befragen, die ihm alle ihre Erlebnisse schilderten. Diese bedauerten, dass ihr Pfarrers selbst nicht Zeuge des Geschehens war, da sie die Erwählung Knocks auf seine Heiligkeit zurückführten. Die Neuigkeiten verbreiteten sich natürlich auch schnell in der Umgebung von Knock und immer größere Gruppen kamen zum Ort der Erscheinungen. Man brachte Kranke und Invaliden und bald wurde auch von zahlreichen außergewöhnlichen Heilungen berichtet. Erzbischof von Tuam, der Diözese, zu der Knock gehört, war zu dieser Zeit Dr. McHale. Bereits im Oktober 1879 richtete er eine Kommission von Priestern ein, die beauftragt wurde, die berichtete Erscheinung zu untersuchen.

Die Mitglieder der Kommission waren Erzdiakon Cavanagh und zwei Domkapitulare. Sie prüften die bereits erwähnten 15 Zeugen zwischen 6 und 75 Jahren und konnten dem Bischof bald mitteilen, dass alle Zeugnisse glaubwürdig und zufrieden stellend seien. Das persönliche Zeugnis des Bischofs für die Echtheit Knocks ist etwa von einer Pilgergruppe aus Limerick überliefert, zu denen er nach einer Knockwallfahrt sagte, dass „es ein großer Segen für die armen Leute des Westens sei, dass in ihrem Elend, ihrer Not und ihrem Leiden die Selige Jungfrau und Gottesmutter unter ihnen erschienen ist“.

*Dr. Peter H. Görg wurde 1976 geboren. Er studierte Philosophie und Theologie und promovierte im Fach Dogmatik bei Prof. Dr. Anton Ziegenaus. Dr. Görg verfasste die biographischen Werke „Die Wüstenväter: Antonius und die Anfänge des Mönchtums“ (2008) und „Elisabeth von Thüringen begegnen“ (2009). Neben seiner publizistischen Tätigkeit arbeitet er als Lehrer.

Peter H. Görg: Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not, Media Maria Verlag, Illertissen 2010 (1. Aufl.)