Das Wunder von Knock

5teilige Reihe – 3. Teil: Kritik und die Wallfahrt

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ROM, Montag 30. Mai 2011 (ZENIT.org). – Zum Abschluss des Marienmonates hat ZENIT die exklusiven Rechte für die Veröffentlichung von Auszügen aus dem Buch von Dr. Peter H. Görg*: „Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not“ erhalten.

Heute veröffentlichen wir den dritten Teil einer fünfteiligen  Folge.

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Kritiker und Prüfungen

Selbstverständlich gab es auch kritische Stimmen, die die Echtheit der Erscheinungen anzweifelten. Die kritische Betrachtung einer vorgeblichen Erscheinung tut sicher auch Not, zumal es im Folgejahr 1880 zu Berichten über weitere außergewöhnliche Ereignisse in Knock kam, die aber nicht offiziell untersucht wurden und teilweise offensichtlich keinen Anspruch auf Echtheit erheben konnten.

Die Kritiker vermuteten etwa, dass jemand die Erscheinung mit einer „Laterna magica“ erzeugt habe. Diese Möglichkeit wurde sodann auch durch Dr. Lennon, der als Professor für Naturwissenschaften am Maynooth College wirkte, ausgetestet. Der Wissenschaftler kam aber zu dem Schluss, dass es unmöglich sei, die Erscheinungen von 1879 auf diese Weise zu produzieren. Dagegen sprechen allein schon die klaren Zeugenaussagen, nach denen es sich nach modernem Sprachgebrauch um holistische, also dreidimensionale Erscheinungen gehalten hat. Außerdem hätten die einzelnen Personen bei einer Annäherung nicht zurückweichen können, bzw. die Lichtprojektion wäre durch die näher kommende Person unterbrochen worden. Besonders die bezeugte Trockenheit des Bodens unter der Erscheinung widerlegt natürlich diese These.

Der nächste Einwand befasste sich mit der Möglichkeit, dass es sich um Halluzinationen gehandelt habe. Der Chronist Michael Walsh begnügt sich damit, darauf zu verweisen, dass die Natur der Erscheinungen, die folgenden außergewöhnlichen Ereignisse und Heilungen, also die übernatürlichen Früchte und Wohltaten, aufzeigen, dass Halluzinationen dieses Phänomen nicht erklären können.

Es lassen sich aber noch weitere Gründe psychologischer Natur ins Feld führen, die gegen eine Massensuggestion sprechen, die eine Halluzination bei den Zeugen ausgelöst haben könnte. Zunächst ist daran zu erinnern, dass die ersten Zeugen unabhängig voneinander beiläufig an der Kirche vorbeiliefen und die vermeintlichen Statuen für eine Neueinrichtung des Pfarrers hielten. Dies spricht für den vollen Realitätssinn der Seher, die zunächst von einer rationalen Erklärung ausgehen und weder eine Erscheinung erwarten noch erwünschen (wie es häufig bei vermeintlichen Sehern im Jugendalter oder in der Folge einer echten Erscheinung vorkommt). Sodann fiel niemand in der versammelten Gruppe in einen tranceähnlichen Zustand, wie es bei zahlreichen anderen (und dennoch zum Teil echten) Erscheinungen der Fall war. Vielmehr spekulierte man zunächst recht rational darüber, um wen es sich bei den Gestalten handelt. Gegen eine Massensuggestion sprechen ebenso die unabhängig voneinander gemachten Zeugenaussagen über das Gesehene, das freie Hin- und Weggehen der Zeugen, die Sichtung des Lichtes aus weiter Entfernung ohne Kontakt zur Gruppe, das plötzliche Ende der Erscheinung, das ebenfalls für alle Seher galt und natürlich wiederum mit besonderer Stärke die Beobachtung des trockenen Bodens trotz starken Regens.

Der Beginn der Wallfahrt

Zunächst waren es einzelne Pilger und kleinere Gruppen, die nach Knock kamen, um den Ort der Erscheinung zu sehen, um himmlischen Trost zu erfahren und vielleicht auch die Heilung von einem Gebrechen. Die erste organisierte Wallfahrt erreichte Knock im März 1880. Es handelte sich um die Erzbruderschaft der Heiligen Familie, deren Abordnung der Erzbischof von Tuam, Dr. John MacHale, in seiner Residenz empfing und mit jenen Worten nach Knock ziehen ließ, die wir oben wiedergaben und die klar machen, dass der Erzbischof die Erscheinungen annahm.

Der erste Jahrestag der Erscheinungen, der 21. August 1880, fiel auf einen Samstag. Das kleine Knock war völlig überlaufen mit Pilgern, die mit Kutschen, Eselskarren oder zu Fuß kamen. Am Abend nahmen 4000 Wallfahrer an einer Kerzenprozession um die Erscheinungskirche teil.

Im Folgejahr 1881 gehörte zu den Besuchern Knocks die im 19.Jahrhundert international bekannte Ordensschwester und Konvertitin Mary Francis Clare Cusack, die den liebevollen Beiname „Nonne von Kenmare“ erhielt, nachdem sie sich in der Hungersnot aufopferungsvoll um die Ärmsten der Armen gekümmert hatte. Sie plante gar, einen Konvent in Knock zu errichten, was ihr aber nur zum Teil gelang, da sie mit den zuständigen Autoritäten in Auseinandersetzung geriet. Daher wurde das Gebäude nicht vollendet und die berühmte Schwester verließ Knock wieder. In ihrer Autobiographie gibt sie sogar an, in Knock geheilt worden zu sein und veröffentlicht 1882 ein Buch mit dem Titel „Drei Besuche in Knock“. [1]

Zu den ersten Bischöfen, die Knock besuchten, gehörte der schon erwähnte Erzbischof Lynch aus Toronto (Kanada). Er reiste 1882 eigens nach Irland, um sich für seine Heilung zu bedanken und hinterließ am Heiligtum ein handgesticktes Banner mit den Worten „Toronto Grateful“ (Toronto dankbar). Um diese Zeit reiste der australische Erzbischof Clune von Perth eigens um den halben Planeten, um seinerseits für seine Heilung zu danken, und ein Ölgemälde, das den hl. Joseph mit dem Christuskind zeigt, in Knock zu übergeben. Auf eine ebensolche Weltreise begab sich um Jahr 1883 der tasmanische Erzbischof Murphy von Hobart, der in Knock sein Augenlicht wieder vollständig erhielt. Er schenkte dem Heiligtum aus Dankbarkeit ein großes Ölgemälde, das die Erscheinung darstellt.

Wie im folgenden Kapitel über den Pfarrer von Knock, Erzdiakon Cavanagh, näher dargestellt wird, stirbt dieser heiligmäßige Priester am Fest der Unbefleckten Empfängnis, dem 8. Dezember 1897 in jenem Pilger- und Exerzitienheim St. Mary, welches er selbst erbauen ließ. Das Zimmer, in dem er starb, beherbergt heute die Konventkapelle der Vinzentinerinnen. Seine letzte Ruhe fand Father Cavanagh im westlichen Querschiff der Erscheinungskirche.

Obgleich weiterhin tausende Pilger von überall her nach Knock kamen, ging die Zahl der Besucher im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, in dem auch der Erste Weltkrieg über Europa hereinbrach, zurück. Die bedeutendsten Pilgertage waren die Marienfeste der Kirche, wobei der 15. August, der Tag der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, als nationalem Pilgertag nach Knock besonders hervorragte. Vor den Marienfesten wurden zudem ganznächtliche Vigilfeiern gehalten. Ähnlich wie am Croagh Patrick, kamen auch nach Knock viele Pilger barfuß und bewegten sich auf den Knien von einer Kreuzwegstation zur nächsten. 

[1] Three Visits to Knock, veröffentlicht von P. J. Kennedy, New York 1882.

*Dr. Peter H. Görg wurde 1976 geboren. Er studierte Philosophie und Theologie und promovierte im Fach Dogmatik bei Prof. Dr. Anton Ziegenaus. Dr. Görg verfasste die biographischen Werke „Die Wüstenväter: Antonius und die Anfänge des Mönchtums“ (2008) und „Elisabeth von Thüringen begegnen“ (2009). Neben seiner publizistischen Tätigkeit arbeitet er als Lehrer.

Peter H. Görg: Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not, Media Maria Verlag, Illertissen 2010 (1. Aufl.)