Das Wunder von Knock

5teilige Reihe – 4. Teil: Die Knock-Vision in Marmor

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ROM, Dienstag 31. Mai 2011 (ZENIT.org). – Zum Abschluss des Marienmonates hat ZENIT die exklusiven Rechte für die Veröffentlichung von Auszügen aus dem Buch von Dr. Peter H. Görg*: „Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not“ erhalten.

Heute veröffentlichen wir den vierten Teil einer fünfteiligen  Folge.

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 Die Knock-Vision in Marmor

Das Jahr 1979 stand ganz im Zeichen der 100-Jahrfeier der Erscheinungen von Knock. Die Vorbereitungen liefen bereits 1978 auf Hochtouren. Am 7. Mai 1978 öffnete ein neues Zentrum für geistliche Berufungen seine Pforten. Zu den Vorbereitungen gehörte auch die Errichtung einer eigenen Beichtkapelle, sowie die Erneuerung, bzw. Vergrößerung des Oratoriums und die Errichtung neuer Statuen an der Giebelwand. Diese waren nach den Zeugenaussagen eigens aus Marmor gefertigt worden.

Die Entstehungsgeschichte dieser Statuen verdient es, eigens dargestellt zu werden, da auch hier die göttliche Führung erkennbar ist. Die erste Statue der Gottesmutter war ja bereits 1880 an der Stelle errichtet worden, an der Maria während der Vision stand. Diese Statue wurde 1932 durch eine Gruppe von drei Figuren ersetzt, die Unsere Liebe Frau, den heiligen Joseph und den heiligen Johannes darstellten.

Nach der Gründung der Shrine-Gesellschaft im Jahre 1935 wurde der Wunsch immer lauter, eine reale Darstellung der gesamten Vision anzufertigen. Bis zur Erfüllung dieses Wunsches sollten aber noch einige Jahrzehnte vergehen. Das Oratorium, in dem zunächst noch die alten und einfachen Figuren standen, musste immer wieder vergrößert oder erneuert werden, was zuletzt 1978 geschehen war (wie wir sehen werden, war auch diesem Bau keine lange Dauer beschieden). Bereits 1960 hatte Bischof Walsh der Knock.-Shrine-Society erlaubt, wertvolle Figuren erstellen zu lassen, die ganz den Augenzeugenberichten der Vision entsprachen.

Der Bischof beauftragte schließlich den bekannten römischen Bildhauer Professor Lorenzo Ferri (1902-1975) mit der Erstellung der Statuen. Über 38 Jahre hatte sich der Künstler etwa mit dem Grabtuch von Turin beschäftigt, um eine realistische Darstellung Christi aus weißem Marmor zu rekonstruieren. Danach machte er sich daran, den Kopf Unserer Lieben Frau zu gestalten, indem er die Gesichtszüge Jesu zum Vorbild nahm, da er in seiner menschlichen Natur ja nur von Maria abstammte und ihre Züge sich demgemäß entsprechen müssen.

Um die Knock-Vision in Stein zu fassen, entwarf Professor Ferri zunächst drei Tonmodelle in verschiedenen Größen. Der Künstler war völlig fasziniert von den Berichten über die Vision, besonders in ihrer Betonung der heiligen Messe und war bereit, sich an eine bestmögliche Reproduktion zu machen. Nach den Änderungswünschen der Auftraggeber wollte er dann ein zweites Modell erstellen, das er selbst nach Knock brachte, um sich ein weiteres Bild von der Atmosphäre des Ortes zu machen und der Society einen ersten Eindruck seines Werkes zu geben. Das endgültige und viel größere Modell der Erscheinung wurde dann im Studio des Professors in Rom erstellt und sollte von einem Mitglied der Society gebilligt werden.

Zunächst unterstütze Msgr. D. Convay das Vorhaben. Er lebte am Irischen Kolleg in Rom und wurde später Bischof von Elphin. Der irische Priester übersetzte die 15 Zeugenaussagen für Prof. Ferri ins Italienische und sorgte für den Informationsaustausch zwischen dem Bildhauer und Knock.

Als das letzte Modell zur Betrachtung fertiggestellt war, beauftragte der Bischof jene Dame mit der Inspektion der Arbeit, die diese später auch literarisch festhielt: Siobhan C. Bean Ui Cadhain. Die Auswahl fiel auf sie, weil sie selbst noch mit zwei Augenzeugen der Vision gesprochen hatte. Mary O’Connell hatte ihr ausführlich über das Aussehen der Vision berichtet. Nach eigener Angabe brauchte sie nur die Augen zu schließen und hatte das himmlische Bild wieder vor sich. Mary O’Connell konnte auch noch genau berichten, in welcher Haltung die Gottesmutter stand. Das Licht, das sie umgab war nach ihrer Aussage viel heller, als jenes, das St. Joseph und St. Johannes umgab, aber nicht so hell, wie das Licht des Lammes. Sie berichtete über das  genaue Aussehen des Apostels und Lieblingsjünger Johannes und die Haltung des Bräutigams der Gottesmutter Joseph. Auf der Grundlage dieser Aussagen entwarfen diverse Künstler Darstellungen der Vision, die man der Augenzeugin vorlegte. Als Reaktion kam dann manchmal: „Die armen Künstler haben ihr Bestes gegeben, aber ganz sicher kann niemand sie so aussehen lassen, wie in der Erscheinung … die Gestalten waren aus Licht gemacht.“

Am 4. November 1960 flog Miss Ui Cahdhain also zu Professor Ferri nach Rom, um sich seine Arbeit anzusehen. Sie fand eine exzellente Arbeit vor, an der sie nur zwei Details störten. Sie war unzufrieden mit dem Gesichtsausdruck der Gottesmutter, obgleich ihre Züge, die Professor Ferri seinen Grabtucharbeiten entnommen hatte, wunderschön waren. Auch das Lamm erschien ihr zu „italienisch“ und entsprach zu wenig den Lämmern, die man in Irland sehen konnte. Der Künstler war der Verzweiflung nahe und versuchte wieder und wieder den gewünschten Gesichtsausdruck Mariens zu erstellen. Dabei hörte er Beethovens Neunte und andere klassische Musikstücke. Das Prozedere dauerte einige Zeit an und der Professor rief eines Tages aus: „Madame wollen das Göttliche, ich kann ihr nur das Menschliche geben!“.

Um das Lamm in rechter Weise zu gestalten, entschloss sich der Künstler, dass er ein lebendes Exemplar benötige. Miss Ui Cadhain musste also mit dem Manager des Studios in die Berge außerhalb Roms fahren, um ein passendes Lamm zu finden. Der junge Sohn des Künstlers war mitgefahren, um sich um das Lamm zu kümmern. Tatsächlich fanden sie ein Lamm, das den irischen Lämmern eher entsprach und gerade drei Wochen alt war. Sie kauften also das Lamm und fuhren zurück nach Rom. In das Atelier des Professors brachte das kleine Geschöpf neues Leben und Miss Ui Cadhain musste es halten, während Prof. Ferri ein neues Modell schuf, diesmal zur größten Zufriedenheit der irischen Dame.

Auch nach zwei Wochen intensiver Bemühungen war Miss Ui Cadhain nicht zufrieden mit dem Ausdruck im Gesicht Unserer Lieben Frau. Schließlich ereilte den herzkranken Professor auch noch eine Herzattacke und der Arzt befahl ihm strenge Bettruhe. Dieser gehorchte nur widerwillig, da er noch nicht fertig war mit seiner Arbeit und die irische Dame warten musste. Miss Ui Cadhain folgte der Empfehlung Msgr. Conways, Rom für einige Tage zu verlassen, um dem Bildhauer die Gelegenheit zu geben, sich zu erholen.

Dies führte dazu, dass die Irin einer früheren Einladung von Missionsschwestern nach Neapel folgte. Die dortige Freundin kannte die aktuelle Problemlage und hatte bereits eine Fahrt zu Pater Pio nach San Giovanni Rotondo organisiert. So nahm Miss Ui Cadhain also am frühen Morgen des 18. Novembers, einem Freitag, an einer Messe teil, die der heilige Kapuzinerpater täglich feierte. Das besondere Gebetsanliegen der kleinen Pilgergruppe war, dass Professor Ferri die rechte Eingebung erhielt, um die Vision gemäß den Beschreibungen darzustellen, sofern dies menschenmöglich war. Die Irin verspürte am Ende der Messe einen tiefen Frieden und hatte das Gefühl, dass Pater Pio von ihrer Intention wusste. Die Gruppe fuhr unmittelbar nach der Messe nach Neapel zurück und am 20. November ereilte Miss Ui Cadhain die Nachricht, dass es Professor Ferri wieder gut ginge. Also fuhr sie zurück nach Rom.

Am frühen Montagmorgen erreichte die irische Dame das Studio und war erstaunt, dass sie vor der Tür drei große, neue Modelle vorfand. Ihr genügte ein Blick auf das Angesicht der Gottesmutter um festzustellen, dass es perfekt war. Dies ließ sie auch den Bildhauer wissen, der ein unglaubliches Erlebnis zu berichten hatte:


Am frühen Freitagmorgen, als Miss Ui Cadhain der Messe Pater Pios beiwohnte, lag der Professor noch krank im Bett, als er plötzlich eine geistige Kraft verspürte, die ihn ergriff und voller Elan aus dem Bett springen ließ. Er lief sogleich hinunter in sein Atelier und ging mit Eifer daran, die Figuren neu zu gestalten. Nach eigenen Angaben bewältigte er diese Aufgabe innerhalb von drei Stunden, wofür er sonst fast drei Wochen benötigt hätte. Professor Ferri hatte in seinem ganzen Leben kein vergleichbares Erlebnis. Zugleich wusste er nichts davon, dass seine „Beobachterin“ zu diesem Zeitpunkt in San Giovanni Rotondo war und erfuhr erst jetzt von ihrem zeitgleichen Erlebnis im fernen Gargano-Gebirge.

Der Professor und die irische Dame waren sofort überzeugt, dass es sich um ein übernatürliches Geschehen handelte und dass die Gnade aus der Messe Pater Pios geströmt war. Dabei muss auch betont werden, dass der gläubige Bildhauer während seiner Arbeit an den Knock-Figuren allmorgendlich die Messe um 6 Uhr besuchte. Er empfand es als ein großes Privileg, dass er eine solche eucharistische Erscheinung darstellen durfte und es sollte die größte Arbeit seines Lebens werden.

Am 15. August 1963 erreichte das Schiff Iona den Hafen Dublins und hatte die kostbaren Figuren für Knock an Bord. Wegen eines Streiks konnten sie aber erst am Abend des 8. September in Knock ankommen. Wie am Abend der Erscheinung im Jahre 1879 kamen die Statuen während eines kräftigen Platzregens am Wallfahrtsort an. Die gesamte Erscheinungsszene, die nun die gleiche Aufstellung erhielt, wie am Abend des 21. August 1879, besteht aus schneeweißem Carrara-Marmor. Auf dieses kostbare Material hatte man sich verständigt, da auch die Gestalten der Erscheinung in weißen Kleidern erschienen waren. Für die Initiatoren war es von besonderer Bedeutung, dass gerade Unsere Liebe Frau und das Lamm aus dem letzten existierenden Block des Michelangelo-Marmors gestaltet wurden. Professor Ferri hatte sich für diesen Stein entschieden wegen seines außerordentlichen Weißtones. Den Höhepunkt bildete für die Errichtung der Marmorstatue sicher die Einweihung der Szenerie durch Papst Johannes Paul II. am 30. September 1979.

Auch das einzige lebende Modell, das Lamm, hatte noch eine eigene Geschichte. Es kam später zu einer kleinen religiösen Gemeinschaft in Rom, die es in ihren Konvent nahe Florenz brachte. Dort konnte es über die weiten Hügel laufen und wurde zum Liebling der Schwestern und erhielt in der Küche immer wieder einen Leckerbissen. Nachdem es gestorben war, wurde das Schaf im Garten des Konvents begraben.

*Dr. Peter H. Görg wurde 1976 geboren. Er studierte Philosophie und Theologie und promovierte im Fach Dogmatik bei Prof. Dr. Anton Ziegenaus. Dr. Görg verfasste die biographischen Werke „Die Wüstenväter: Antonius und die Anfänge des Mönchtums“ (2008) und „Elisabeth von Thüringen begegnen“ (2009). Neben seiner publizistischen Tätigkeit arbeitet er als Lehrer.

Peter H. Görg: Das Wunder von Knock – Die Erscheinung der Jungfrau Maria in Irland in Zeiten sozialer Not, Media Maria Verlag, Illertissen 2010 (1. Aufl.)