"Das Zeichen Jesu, Brot Gottes für die Menschheit"

Die Worte des Papstes beim heutigen Angelus

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 552 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus] 

Liebe Brüder und Schwestern, Guten Tag!

Am vergangenen Donnerstag feierten wir das Hochfest des Leibes und des Blutes des Herrn. In Italien und anderen Ländern findet es am heutigen Sonntag statt. Es ist das Fest der Eucharistie, des Sakraments des Leibes und Blutes Christi.

Als Tagesevangelium ist heute die Erzählung vom Wunder der Brotvermehrung (Lk 9,11-17) vorgesehen. Ich möchte einen Aspekt daraus betrachten, der mich stets berührt und zum Nachdenken anregt. Am Ufer des Sees von Galiläa bricht der Abend heran. Jesus sorgt sich um die zahlreichen Menschen, die seit vielen Stunden bei ihm sind: Es sind Tausende, die Hunger haben. Was soll unternommen werden? Auch die Jünger stellen sich dem Problem und sagen zu Jesus: „Schick die Menschen weg“, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen. Jesus antwortet jedoch: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (V. 13). Die Jünger sind entsetzt über diese Antwort und entgegnen: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische“, als wollten sie damit sagen: nur das Notwendigste für uns selbst.

Jesus weiß genau, was zu tun ist, will jedoch seine Jünger mit einbeziehen und erziehen. Die Haltung der Jünger ist eine menschliche Haltung, die die realistischste Lösung sucht, ohne viele Probleme zu verursachen: „Schick die Menschen weg“, sagen sie. „Jeder soll zurechtkommen, wie er kann. Im Übrigen hast du schon so viel für sie getan: Du hast gepredigt, du hast die Kranken geheilt. Schick die Menschen weg!“

Die Haltung Jesu ist eindeutig anders. Sie ergibt sich aus seiner Einheit mit dem Vater und aus dem Mitleid mit den Menschen; dem Erbarmen Jesu mit uns allen. Jesus spürt unsere Probleme, unsere Schwächen, unsere Nöte. Angesichts dieser fünf Brote denkt Jesus: Das ist die Vorsehung! Aus dem Wenigen ist es Gott möglich, für alle das Notwendige zu beschaffen. Jesus vertraut sich ganz dem himmlischen Vater an. Er weiß, dass er alles vermag. Daher fordert er die Jünger dazu auf, die Menschen in Gruppen von fünfzig zusammensetzen zu lassen, was nicht zufällig ist. Es bedeutet, dass sie keine Menge mehr sind, sondern zu einer vom Brot Gottes genährten Gemeinschaft werden. Dann nimmt Jesus das Brot und die Fische, blickt zum Himmel auf, segnet sie — der Bezug zur Eucharistie ist dabei eindeutig —, bricht sie und gibt sie den Jüngern, damit sie diese an die Menschen verteilten. Die Brote und Fische werden nicht alle; sie werden nicht alle! Das Wunder besteht weniger in der Vermehrung als im gemeinsamen Teilen, beseelt vom Glauben und vom Gebet. Alle aßen, und es blieb etwas übrig: Das ist das Zeichen Jesu, Brot Gottes für die Menschheit.

Die Jünger sahen dies, begriffen die Botschaft aber nicht ganz. Wie die Menge, so wurden sie von Begeisterung über den Erfolg erfasst. Erneut folgten sie der menschlichen Logik und nicht jener Gottes: der Logik des Dienstes, der Liebe, des Glaubens. Das Fronleichnamsfest fordert alle zur Umkehr zum Glauben an die Vorsehung auf; dazu, das Wenige zu teilen, das wir sind und haben, und uns nie in uns selbst zu verschließen. Bitten wir unsere Mutter Maria, dass sie uns bei dieser Umkehr helfe, um wahrhaft und immer mehr jenem Jesus nachzufolgen, den wir in der Eucharistie anbeten. Amen.

[Nach dem Gebet des Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern,

nach wie vor verfolge ich jenen Konflikt mit großer Sorge, der seit über zwei Jahren Syrien in Brand setzt und besonders die wehrlose Bevölkerung betrifft, die nach Frieden in Gerechtigkeit und Verständnis strebt. Dieser Krieg führt zu tragischen Konsequenzen: zu Tod, Zerstörung, enormen Schäden für Wirtschaft und Umwelt, sowie zur Wunde der Entführungen von Menschen. Ich verurteile diese Umstände und versichere mein Gebet und meine Solidarität mit den entführten Menschen und deren Familienangehörigen und appelliere an die Entführer, die Opfer zu befreien. Schließen wir das geliebte Syrien stets in unser Gebet ein.

Die Welt wird von zahlreichen Konflikten heimgesucht, doch sie enthält auch viele Zeichen der Hoffnung. Ich möchte in Zusammenhang mit den in letzter Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas in Richtung Versöhnung und Frieden gesetzten Maßnahmen meine Ermutigung aussprechen. Begleiten wir sie in unserem Gebet.

Heute Vormittag feierte ich die hl. Messe zusammen mit einigen Soldaten und den Verwandten einiger in den Friedensmissionen Gefallenen, die versuchen, die Versöhnung und den Frieden in Ländern zu fördern, in denen immer noch viel brüderliches Blut in Kriegen vergossen wird, die immer ein Wahnsinn sind. „Der Krieg lässt alles verlieren. Der Friede lässt alles gewinnen.“ Ich bitte um ein Gebet für die Gefallenen, Verwundeten und deren Familienmitglieder. Lasst uns nun in der Stille unseres Herzens gemeinsam ein Gebet für die Gefallenen, Verwundeten und deren Familienmitglieder sprechen. In Stille.