Das Zeugnis von Edith Stein und Maximilian Kolbe: „Wer betet, verliert nie die Hoffung“

„Selbst dann nicht, wenn er sich in schwierigen und sogar verzweifelten Situationen befindet“

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ROM, 18. August 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am vergangenen Mittwoch, dem 13. August, bei der Begegnung mit den Gläubigen in Castel Gandolfo gehalten hat.

Der Heilige Vater betonte den Vorrang des Gebetes und verwies in diesem Zusammenhang auf das eindrucksvolle Zeugnis von Edith Stein und Maximilian Kolbe. Ihre kirchlichen Gedenktage fallen auf den 9. bzw. den 14. August.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Nach meiner Rückkehr aus Brixen, wo ich eine Zeit der Erholung verbringen durfte, freut es mich, euch zu begegnen und zu begrüßen, liebe Einwohner von Castel Gandolfo, sowie euch Pilger, die ihr heute gekommen seid, um mich zu besuchen. Ich möchte noch einmal allen danken, die mich aufgenommen und über meinen Aufenthalt in den Bergen gewacht haben. Es waren dies Tage der ruhigen Entspannung, während derer ich nicht aufgehört habe, dem Herrn all jene zu empfehlen, die sich meinem Gebet anvertrauen. Und diejenigen, die mir schreiben und mich bitten, für sie zu beten, sind wirklich sehr viele. Sie zeigen mir ihre Freuden, aber auch ihre Sorgen, ihre Pläne für das Leben, aber auch die Probleme in der Familie und bei der Arbeit, die Erwartungen und Hoffnungen, die sie im Herzen tragen, zusammen mit den Ängsten, welche mit der Unsicherheit verbunden sind, die die Menschheit in diesem Moment lebt. Ich kann zusichern, dass ich allen und jedem einzelnen im Gebet gedenke, besonders während der täglichen Feier der Heiligen Messe und des Gebets des Rosenkranzes. Ich weiß wohl, dass der erste Dienst, den ich der Kirche und der Menschheit leisten kann, gerade der Dienst des Gebets ist, da ich im Beten vertrauensvoll das Amt in die Hände des Herrn lege, das er selbst mir anvertraut hat, zusammen mit dem Schicksal der ganzen kirchlichen und zivilen Gemeinschaft.

Wer betet, verliert nie die Hoffung, selbst dann nicht, wenn er sich in schwierigen und sogar in einem menschlichen Sinne verzweifelten Situationen befindet. Dies lehrt uns die Heilige Schrift, und dafür legt die Geschichte der Kirche Zeugnis ab. In der Tat, wie viele Beispiele könnten wir für Situationen angeben, in denen es gerade das Gebet gewesen ist, das den Weg der Heiligen und des Christenvolkes stützte! Von den Zeugnissen unseres Zeitalters möchte ich jenes der zwei Heiligen zitieren, deren Gedenken wir in diesen Tagen begehen: Theresia Benedicta a Cruce, Edith Stein, deren Fest wir am 9. August gefeiert haben, und Maximilian Kolbe, dessen wir morgen, am 14. August, gedenken werden, am Vorabend des Hochfestes der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Beide haben ihr Erdenleben mit dem Martyrium im Lager von Auschwitz beschlossen. Dem Augenschein nach könnte ihr Dasein für eine Niederlage gehalten werden, gerade aber in ihrem Martyrium scheint der Glanz der Liebe hervor, die die Finsternis des Egoismus und des Hasses besiegt. Dem hl. Maximilian Kolbe werden die folgenden Worte zugeschrieben, die er auf dem Gipfel des Wütens der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesprochen haben soll: „Der Hass ist keine schöpferische Kraft: nur die Liebe ist es.“ Und der heldenhafte Beweis der Liebe war das großherzige Opfer seiner selbst im Austausch mit einem seiner Gefangenschaftsgefährten, ein Opfer, das seinen Höhepunkt im Tod im Hungerbunker am 14. August 1941 fand.

Am 6. August des darauf folgenden Jahres, drei Tage vor ihrem dramatischen Ende, näherte sich Edith Stein einigen Mitschwestern des Klosters von Echt in Holland und sagte ihnen: „Ich bin zu allem bereit. Jesus ist auch hier mitten unter uns. Bisher habe ich sehr gut beten können, ich habe aus ganzem Herzen gesagt ‚Ave Crux, spes unica’.“ Zeugen, denen es gelang, dem schrecklichen Massaker zu entkommen, berichteten, dass Theresia Benedicta vom Kreuz, ihr Gewand als Karmeliterin tragend, bewusst dem Tode entgegenging und sich dabei durch ihr Verhalten, das voll des Friedens war, sowie durch ihr ruhiges und gegenüber den Bedürfnissen aller achtsames Verhalten auszeichnete. Das Gebet war das Geheimnis dieser Heiligen Mitpatronin Europas. „Auch nachdem sie im Frieden des kontemplativen Lebens bei der Wahrheit angekommen war, musste sie das Geheimnis des Kreuzes bis zum Letzten leben“ (Apostolisches Schreiben motu proprio Spes aedificandi, 8: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, XX, 2, 1999, S. 511).

„Gegrüßt seiest du Maria!“: Dies war der letzte Ruf auf den Lippen des hl. Maximilian Kolbe, während er dem seinen Arm reichte, der ihn mit einer Injektion von Phenolsäure tötete. Es ist bewegend festzustellen, wie die demütige und vertrauensvolle Hinwendung zur Gottesmutter stets Quelle des Mutes und der Ruhe ist. Während wir uns darauf vorbereiten, das Hochfest Mariä Himmelfahrt zu feiern, ein Marienfest, das zu denen gehört, die der christlichen Tradition am teuersten sind, erneuern wir unser Vertrauen in sie, die vom Himmel aus in jedem Augenblick mit mütterlicher Liebe über uns wacht. Denn gerade das sagen wir mit dem vertrauten Gebet des „Gegrüßt seiest zu, Maria“, wenn wir sie bitten, für uns „jetzt und in der Stunde unserer Todes“ zu beten.

[Die deutschsprachigen Pilger und Besucher, die im Innenhof des Apostolischen Palastes von Castel Gandolfo zugegen waren, begrüßte der Heilige Vater nach der Katechese der Generalaudienz mit den folgenden Worten:]

Ganz herzlich grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo. In diesen Tagen verbringen viele Menschen ihren wohlverdienten Urlaub. Dieser kann nur dann gut und wirklich erfüllt sein, wenn der Mensch die Beziehungen zu den Mitmenschen und vor allem auch zu Gott, unserem Schöpfer, nicht außer acht lässt; denn das Leben ist seinem Wesen nach Beziehung. – Der gütige Gott schenke euch in dieser Ferienzeit eine echte Gemeinschaft untereinander und eine gute Erholung!

[© Die Tagspost vom 16. August 2008]