"Das Ziel unseres Weges ist der Vater"

Die Worte des Papstes beim Regina Caeli

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 436 klicks

Papst Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Regina Caeli zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Regina Caeli:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen siebten Ostersonntag wird in Italien und in anderen Ländern das Hochfest Christi Himmelfahrt begangen. Die Apostelgeschichte beschreibt dieses Ereignis als den endgültigen Abschied des Herrn Jesus Christus von seinen Jüngern und von dieser Welt (vgl. Apg 1,2.9).  Das Matthäusevangelium hingegen berichtet vom Auftrag Jesu an seine Jünger: hinauszugehen und allen Völkern seine Heilsbotschaft zu verkünden (vgl. Mt 28,16-20). „Gehen“, bzw. „Aufbrechen“ werden so die Kernbegriffe des heutigen Festes: Jesus bricht zum Vater auf und erteilt den Jünger die Anweisung, in die Welt aufzubrechen. 

Nachdem er seinen Auftrag erfüllt hat, fährt Jesus in den Himmel auf und kehrt heim zum Vater, der ihn in die Welt gesandt hat. Dabei handelt es sich jedoch um keine Trennung, da er in neuer Weise immer bei uns bleibt. Mit seiner Himmelfahrt zieht der auferstandene Herr den Blick der Apostel und unseren Blick auf sich und auf die Höhen des Himmels, um uns vor Augen zu führen, dass das Ziel unseres Weges der Vater ist. Er selbst hat gesagt, dass er gehe, um uns einen Platz im Himmel zu bereiten. Dennoch bleibt Jesu Gegenwart und Wirken in der Geschichte des Menschen mit der Macht und den Gaben des Heiligen Geistes erhalten; er ist an der Seite eines jeden einzelnen von uns: Auch wenn wir ihn nicht mit unseren Augen sehen, ist er da! Er begleitet uns, führt uns, nimmt uns an der Hand und richtet uns wieder auf, wenn wir hinfallen. Der auferstandene Jesus ist den verfolgten und diskriminierten Christen nahe; er ist einem jeden Mann und einer jeden Frau nahe, die leiden. Er ist uns allen nahe und befindet sich auch heute auf diesem Platz unter uns; der Herr ist bei uns! Glaubt ihr daran? Lasst uns gemeinsam sagen: Der Herr ist bei uns!

Bei seiner Rückkehr in den Himmel überreicht Jesus dem Vater ein Geschenk. Dabei handelt es sich um seine Wunden. Sein Leib ist von großer Schönheit, frei von Blutergüssen und von durch die Geißelung zugefügten Verletzungen, trägt jedoch noch die Wunden. Bei seiner Rückkehr zum Vater zeigt er ihm seine Wunden und sagt zu ihm: „Schau, Vater, das ist der Preis der Vergebung, die du gibst“. Beim Anblick der Wunden schenkt der Vater uns immer Vergebung, und zwar nicht, weil wir gut sind, sondern weil Jesus für unsere Vergebung bezahlt hat. Beim Anblick der Wunden Jesu wird der Vater barmherziger. Darin besteht die bedeutende Arbeit, die Jesus heute im Himmel leistet: Er zeigt dem Vater den Preis der Vergebung, seine Wunden. Das ist wunderbar und drängt uns dazu, keine Angst zu haben; der Vater vergibt immer, denn er blickt die Wunden Jesu an; er betrachtet unsere Sünden und vergibt uns.

Jesus ist auch über die Kirche präsent, die er gesandt hat, um seine Sendung zu verlängern. Das letzte Wort Jesu an seine Jünger war der Aufruf, aufzubrechen: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Dabei handelt es sich um eine ausdrückliche und verbindliche Anweisung! Die christliche Gemeinschaft ist eine „Gemeinschaft im Aufbruch“. Darüber hinaus entstand die Kirche „im Aufbruch“. Darauf werdet ihr mir antworten: Wie verhält es sich mit den Gemeinschaften in Klausur? Das gilt auch für sie, denn sie gehen stets hinaus, offenen Herzens für die Welt, die Horizonte Gottes. Und die alten und kranken Menschen? Auch sie sind im Aufbruch: mit dem Gebet und in Einheit mit den Wunden Jesu.

Zu seinen Jüngern, den Missionaren, sagt Jesus: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (V. 20). Alleine und ohne Jesus können wir nichts vollbringen! Unsere Kräfte, Ressourcen und Strukturen sind im apostolischen Werk zwar notwendig, doch sie genügen nicht. Ohne die Gegenwart des Herrn und die Kraft seines Geistes erweist sich unsere Arbeit, auch wenn sie gut organisiert ist, als unwirksam. Daher sagen wir den Menschen, wer Jesus ist.

Gemeinsam mit Jesus begleitet uns Maria, unsere Mutter, die bereits im Haus des Vaters ist. Sie ist die Königin des Himmels, als die wir sie nun anrufen. So wie Jesus bei uns ist und mit uns geht, ist die Mutter unsere Hoffnung.

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[Nach dem Regina Caeli:]

Aufruf des Heiligen Vaters

Von Trauer erfüllt, beten wir für die Opfer jener Spannungen, die in manchen Regionen der Ukraine sowie der Zentralafrikanischen Republik nach wie vor spürbar sind. Ich erneuere meinen gramerfüllten Appell an alle Parteien, das Unverständnis zu überwinden und geduldig nach dem Dialog und nach dem Frieden zu trachten. Maria, Königin des Friedens, hilf uns allen mit deiner mütterlichen Fürsprache. Maria, Königin des Friedens, bitte für uns.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Der heutige Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel steht im Zeichen des Themas: „Kommunikation im Dienste der Kultur der Begegnung“. Die Kommunikationsmittel können den Sinn für die Einheit der Menschheitsfamilie, die Solidarität und den Einsatz für ein würdigeres Leben für alle begünstigen. Beten wir, dass die Kommunikation in jeder ihrer Formen wirklich im Dienst der Begegnung zwischen den Menschen, den Gemeinschaften, den Nationen steht; eine Begegnung, die auf dem gegenseitigen Respekt und dem gegenseitigen Zuhören gründet.

Gestern fand in Collevalenza die Seligsprechung der in Spanien als María Josefa Alhama Valera geborenen Madre Speranza statt. Sie war die Gründerin der „Ancelle e Figli dell’Amore Misericordioso“ in Italien. Möge ihr Zeugnis der Kirche dabei helfen, jedem Menschen überall durch konkrete und tägliche Zeichen die unendliche Barmherzigkeit des Vaters im Himmel zu verkünden. Lasst uns die selige Madre Speranza mit einem Applaus begrüßen!

Herzlich willkommen, ihr lieben Römer und Pilger: Ich begrüße die Familien, die Gruppen von Pfarrgemeinden, die Verbände und die Schulen. Mein besonderer Gruß gilt den Gläubigen aus Lyon, Paris, Texas und Aulendorf (Deutschland) sowie der Gruppe von in Ulm und Neu-Ulm lebenden Italienern. Ich begrüße die jungen Menschen, die die Firmung empfangen haben oder sich darauf vorbereiten und ermutige sie dazu, von Freude erfüllte Zeugen Jesu zu sein. Ebenso empfange ich den Chor aus Palazzolo sull’Oglio und aus Longi. Insbesondere denke ich an die zahlreichen italienischen Camper, die sich für Werke der Solidarität einsetzen, die Radfahrer, die die Initiative „Un chilometro per la Siria“ (Ein Kilometer für Syrien) begründeten.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Gesegnetes Mittagessen und auf Wiedersehen! Betet für mich!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]