Das Zweite Vatikanische Konzil, verbindlich für die Kirche von heute

Lectio Magistralis von Prof. Johannes Grohe zum Fest des hl. Thomas von Aquin

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ROM, 20. Januar 2011 (ZENIT.org). – „Das Zweite Vatikanische Konzil ist für die katholische Kirche Ausdruck des höchsten und obersten Lehramtes unserer Epoche und muss es bleiben“. Dies bekräftigte Prof. Johannes Grohe, ordentlicher Professor für Kirchengeschichte an der römischen päpstlichen Universität „Santa Croce", im Laufe seiner „Lectio Magistralis“ zum Thema: „Das Zweite Vatikanische Konzil im Zusammenhang der ökumenischen Konzile“, die zum Anlass des akademischen Festes des hl. Thomas von Aquin, des Patrons der theologischen Fakultät der Päpstlichen Universität „Santa Croce“,  gehalten wurde.

Gleichzeitig müsse auch „ die geforderte Bedeutung des ökumenischen Dialogs angenommen werden, und zwar über jedwede  Einheit mit anderen Kirchen oder christlichen Gemeinschaften, die von der katholischen Kirche getrennt sind“, fuhr Prof. Grohe fort. „Man kann einer Annahme dieser grundlegenden Texte nicht aus dem Weg gehen, ebenso wie man auch nicht die Umsetzung der anderen ökumenischen Konzile aus der Vergangenheit verweigern könnte.“

Zweifellos sei in der Gesamtsicht der ökumenischen Konzile von zwei Jahrtausenden das Zweite Vatikanische Konzil ein Ereignis von „epochaler Bedeutung“, fügte Grohe hinzu, „grundlegend für das Leben der Kirche heute, in dem es ‚tiefe Spuren‘ hinterlassen hat.“

In seinem Vortrag kam Prof. Grohe auch darauf zu sprechen, dass „einige den ökumenischen Charakter selbst des Zweiten Vatikanums in Frage stellen“ und brachte gleichzeitig einige theologische und historische Bezüge zur Sprache, die solche Meinungen widerlegen und die falsche Methodologie besagter Autoren aufzeigen.

Auch diejenigen, die seit Beginn des Konzils – wie zum Beispiel Vertreter der Minderheiten (Lefebvre und seine Anhänger)- die Autorität der vatikanischen Synode in Frage stellten und damit gleichzeitig auch „den bindenden Charakter der konziliaren Texte“,  hielten trotzdem „am ökumenischen Charakter des Konzils fest“, und interpretierten es in Einheit mit den 20 vorhergehenden Konzilien“.

Man müsse sich immer in Erinnerung rufen, dass das Konzil, am 11. Oktober 1962 von Papst Johannes XXIII. eröffnet, „keine neuen Dogmen definieren wollte“, sondern Vorschläge gemacht habe, „ mit hoher Autorität für die christliche Gemeinde die traditionelle Lehre der Kirche auf neue Weise und mit einer neuen pastoralen Haltung“ zu verkünden. Alle ihm eigenen Dekrete hätten also „universalen Wert“ und müssten „angenommen werden, gerade auch von denjenigen, die in Einheit mit der katholischen Kirche treten wollen“.

Die Ansprache von Prof. Grohe, unter anderem auch Direktor der Zeitschrift „Annuarium Historiae Conciliorum“ (1968 von Walter Kardinal Brandmüller und Remigius Bäumer gegründet), fügt sich hervorragend in die Feier des 50. Jubiläums der Eröffnung des Konzils ein sowie auch in das von Papst Benedikt verkündete Jahr des Glaubens.

Auf der gleichen Linie organisiert die theologische Fakultät am 12. und 13. März einen Kongress über Studien zu dem Thema: „Wort und Zeugnis in der Kommunikation des Glaubens. Eine neue Lesart eines kritischen Wortpaares im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Er hat das Ziel, die Frage der Beziehung zwischen Zeugnis und Wort im religiösen und sozialen Kontext der heutigen Welt zu analysieren.

Dieses Jahr feiert auch die internationale Zeitschrift der Fakultät „Annales Theologici“ ihr 25-jähriges Bestehen. Es handelt sich um eine Semesterschrift, die in mehr als 300 Bibliotheken der Welt ausgelegt wird und an der Autoren wie Kardinal Angelo Amato, Dionigi Tettamanzi, Pierpaolo Donati, Cornelio Fabro, Fernando Ocáriz, Vittorio Possenti, Pedro Rodríguez, Martin Rhonheimer und Anton Ziegenaus mitwirken.

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]