Das Zweite Vatikanum, Schlüssel zum Verständnis dieses Pontifikats

Ansprache von Kardinalstaatssekretär Bertone vor dem „Circolo di Roma"

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ROM, 3. Februar 2009 (ZENIT.org).- Das Zweite Vatikanische Konzils ist der Schlüssel zum Verständnis des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. Das erklärte in der letzten Woche Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone SDB. Der Papst fordere alle dazu auf, das Konzil nicht als einen „Bruch" zu verstehen, sondern es in der „dynamischen Kontinuität mit der Tradition der Kirche" zu lesen.

Kardinal Bertone hielt am Mittwoch, den 28. Januar, vor dem „Circolo di Roma" einen Vortrag über die „Eckpunkte des Lehramts von Papst Benedikt XVI.". Anlass war der 60. Jahrestag dieser kulturellen Institution, die von Erzbischof Giovanni Battista Montini gegründet worden war, dem einstigen Substitut des Kardinalstaatssekretärs und späteren Papst Paul VI.

Kardinal Bertone betonte die Schwierigkeit, eine „umfassende" Vision des Pontifikats zu geben, schließlich sei es ein „Werk im Bau": „Drei Jahre und einige Monate sind erst wenig für eine Bilanz." Dennoch legte er einige „Bestandteile" und „Leitmotive" des Lehramts von Papst Benedikt XVI. frei.

Bertone erinnerte daran, dass es „Joseph Ratzinger selbst war", der am Tag nach seiner Wahl zum Papst am 20. April 2005 die Absicht bekundet hatte, „den Einsatz für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils fortzusetzen", und zwar „in Kontinuität mit der tausendjährigen Tradition der Kirche". Es sei daher notwendig, beim Zweiten Vatikanum anzusetzen, um „das jetzige Lehramt des Papstes zu verstehen".

Für den Papst hätten sich in der postkonziliaren Zeit zwei gegensätzliche Interpretationen des Konzils herauskristallisiert. „Die eine schuf Verwirrung, die andere trug unbemerkt aber offensichtlich Früchte". Die erste sei eine Hermeneutik der „Diskontinuität" und des „Bruchs", die zweite bedeute eine „Erneuerung in der Kontinuität" der einzigen Kirche, „die im Laufe der Zeit wächst und sich entwickelt, dabei aber immer das gleiche einzigartige Subjekt bleibt: das Volk Gottes auf dem Weg".

Der ersten Interpretation zufolge sei das Konzil eine Art konstituierte Versammlung gewesen, die eine alte Verfassung entfernt habe, um eine neue zu erstellen. Diese Lesart sei für Benedikt XVI. „absurd", weil „der entscheidende Aufbau der Kirche vom Herrn stammt. Es ist die dynamische Treue, die Orientierung bei der Rezeption des Konzils gibt und neue Früchte der Heiligkeit und der sozialen Erneuerung hervorbringt".

Die zerrissenen Fasern des Netzes Christi, der Kirche, wieder zusammenzubringen, sei das Ziel der verschiedene Interventionen des Papstes zur „Versöhnung und zur Einheit der Katholiken", betonte Kardinal Bertone.

Der Staatssekretär lud dazu ein, mit diesem Schlüssel den Brief an die Katholiken in China zu lesen, aber auch die Zulassung der stärkeren Nutzung der römischen Liturgie vor Papst Paul VI. sowie die Aufhebung der Exkommunikation der von Erzbischof Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag geweihten Bischöfe.

Evident sind für den Kardinalstaatssekretär freilich auch „unaufhörliche Spannungen des Pontifikats", beispielsweise in der Ökumene und im „geduldigen Dialog" zwischen Kulturen und Religionen, der - um „authentisch" zu sein - nicht dem Relativismus oder Synkretismus nachgeben dürfe.