"Dass Christen einander hassen ist ein Widerspruch in sich!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 516 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den sonntäglichen Angelus zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach er die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heute begangene Hochfest der allerheiligsten Dreifaltigkeit bietet uns die Gelegenheit, das göttliche Leben des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu betrachten und zu verehren: ein Leben der vollkommenen Gemeinschaft und Liebe; Ursprung und Ziel des gesamten Universums und jedes Geschöpfs. In der Dreifaltigkeit erkennen wir auch das Vorbild der Kirche, in der wir berufen sind, so zu lieben, wie Jesus uns geliebt hat. Diese Liebe ist das konkrete Zeichen, das den Glauben an Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Der Christ zeichnet sich durch die Liebe aus, wie Jesus uns geliebt hat: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,35). In dem Gedanken, dass Christen einander hassen, liegt ein Widerspruch. Das ist ein Widerspruch in sich! Der Teufel versucht immer, einander hassen zu lassen, da er stets die Zwietracht des Hasses unter uns sät; er kennt die Liebe nicht, die Liebe ist Gott!

Wir alle sind dazu berufen, diese Botschaft zu bezeugen und zu verkünden: „Gott ist die Liebe“. Gott steht unseren menschlichen Angelegenheiten nicht fern und ist ihnen gegenüber nicht gleichgültig. Er ist nahe und immer an unserer Seite. Er geht mit uns, teilt unsere Freuden und unseren Schmerz, unsere Hoffnungen und unsere Mühen. Er liebt uns bis zu dem Punkt, dass er Mensch geworden und in die Welt gekommen ist;  nicht um sie zu richten, sondern damit die Welt durch Jesus gerettet werde (vgl. Joh 3,16-17). Das ist die Liebe Gottes in Jesus, diese so schwer fassbare Liebe, die wir jedoch spüren, wenn wir Jesus nahe kommen. Und er vergibt uns immer, er wartet immer auf uns, seine Liebe zu uns ist so groß. Und die Liebe Jesu, die wir spüren, ist die Liebe Gottes.

Der Heilige Geist, das Geschenk des auferstandenen Jesus, vermittelt uns das göttliche Leben und lässt uns so in die Dynamik der Dreifaltigkeit eintreten, die eine Dynamik der Liebe, der Gemeinschaft, des gegenseitigen Dienstes, des Teilens ist. Ein Mensch, der die anderen aus der reinen Freude am Lieben liebt, ist ein Spiegel der Dreifaltigkeit. Eine Familie, in der man sich gegenseitig liebt und einander hilft, ist ein Spiegel der Dreifaltigkeit. Eine Pfarrei, in der man einander schätzt und die geistlichen und materiellen Gaben miteinander teilt, ist ein Spiegel der Dreifaltigkeit.

Die wahre Liebe ist grenzenlos, doch sie muss sich begrenzen, um dem anderen entgegenzugehen, um die Freiheit des anderen zu respektieren. Jeden Sonntag besuchen wir die heilige Messe. Wir feiern gemeinsam die Eucharistie, und diese ist wie der brennende Dornbusch, in dem die Dreifaltigkeit demütig wohnt und sich mitteilt. Aus diesem Grund feiert die Kirche das Fest Fronleichnam nach dem Fest der Dreifaltigkeit. Am kommenden Donnerstag wird gemäß der römischen Tradition eine heilige Messe in der Lateranbasilika mit anschließender Prozession mit dem Allerheiligsten Sakrament gefeiert werden. Ich lade die Römer und die Pilger zur Teilnahme ein, als Ausdruck unseres Wunsches, ein „in der Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes versammeltes Volk zu sein“ (hl. Cyprian). Ich erwarte euch alle am kommenden Donnerstag um 19.00 Uhr bei der hl. Messe und der Fronleichnamsprozession.

Möge uns die Jungfrau Maria, das vollkommene Geschöpf der Dreifaltigkeit, dabei helfen, aus unserem Leben in den kleinen Gesten und den wichtigsten Entscheidungen einen Lobpreis an Gott, die Liebe, zu machen.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

mit großer Sorge verfolge ich die Geschehnisse der vergangenen Tage im Irak. Ich fordere euch alle dazu auf, euch meinem Gebet für den Irak anzuschließen, vor allem für die Opfer, die am meisten an den Folgen der sich ausweitenden Gewalt Leidenden und besonders für die vielen Menschen, darunter Christen, die ihre Häuser verlassen mussten. Der gesamten Bevölkerung wünsche ich Sicherheit, Frieden und eine Zukunft der Versöhnung und der Gerechtigkeit für alle, wobei alle Einwohner des Irak, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, gemeinsam ihre Heimat errichten können und daraus ein Vorbild des Zusammenlebens machen. Bitten wir alle gemeinsam zur Gottesmutter für das irakische Volk.

Ave Maria …

Heute möchte ich euch ankündigen, dass ich auf Einladung der Bischöfe und der zivilen Autoritäten Albaniens am Sonntag, dem 21. September, eine kurze Reise nach Tirana unternehmen werde, um die Kirche Albaniens im Glauben zu bestätigen und diesem Land, das infolge der Ideologien der Vergangenheit lange gelitten hat, meine Ermutigung und meine Liebe zu erweisen.

Nun heiße ich euch, ihr lieben Pilger, die ihr heute gekommen seid, herzlich willkommen: Ich begrüße die Gruppen von Pfarrgemeinden und die vielen Familien und Vereinigungen. Ein besonderer Gruß gilt den Soldaten Kolumbiens, sowie den aus Taiwan, Hongkong, Avila und La Rioja, Spanien, Venado Tuerto, Argentinien sowie Cagliari, Albino, Vignola, Lucca und Battipaglia gekommenen Gläubigen.

Ich begrüße die Bewegung „Pro Sanctitate“, die das 100-Jahr-Jubiläum der Geburt des Gründers, des Gottesdieners Guglielmo Giaquinta, begehen: Liebe Freunde, ich ermutige euch dazu, mit Freude das Apostolat der Heiligkeit voranzubringen. Ich begrüße die jungen Menschen aus Casaleone, die die Firmung empfangen haben, sowie die Anhänger der Gruppe „IDI Santità di Roma“.

Im Besonderen denke ich heute an die Hausangestellten und Betreuer aus vielen Teilen der Welt, die in den Familien einen kostbaren Dienst leisten, besonders zugunsten der älteren Menschen und derer, die nicht mehr selbstständig sind. Oft begegnen wir ihrer großartigen und schönen Arbeit in den Familien nicht mit genügend Wertschätzung. Ich danke euch vielmals dafür!

Und euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnetes Mittagessen. Und vergesst nicht, für mich zu beten. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]