Dauerauftrag „Europa unser“

Vortrag von Bischof Kapellari in Zagreb

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GRAZ, 16. Mai 2009 (ZENIT.org).- Mit Blick auf die kommenden Europawahlen veröffentlichen wir den Vortrag, den der Grazer Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari am 16. April beim Mitteleuropa-Sozialethik-Symposium „Jetzt die Zukunft Gestalten. Sozialethische Perspektiven“ im Priesterseminar Zagreb gehalten hat.

Bischof Kapellari rief zur Mitgestaltung Europas auf und nannte diesbezüglich drei Schwerpunkte: Zum einen gehe es um das „Ganze“, um die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Seiten, die Bildung von großen Allianzen; zum anderen gehe es um die Verteidigung und Förderung von Personwürde und sozialer Gerechtigkeit, und schließlich sei es erforderlich, sich für die Achtung und die Förderung des menschlichen Lebens einzusetzen.

„Die Frage des Menschenbildes hängt auch zusammen mit einer der Hauptsorgen für unsere Gesellschaft, die sich aus der geringen Zahl von Kindern und jungen Menschen überhaupt ergibt. Hier wird unserer Gesellschaft eine Rechnung präsentiert, an deren Zustandekommen gewiss viele Ursachen beteiligt waren und sind.“

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I. Vorbemerkungen

Ich danke den Verantwortlichen dieses Symposiums, Prof. Dr. Helmut Renöckl, Prof. Dr. Stjepan Baloban und Mag. Gordan Črpić, für die Einladung als Europareferent der Österreichischen Bischofskonferenz einige Überlegungen über sozialethische Perspektiven für die Zukunft Europas vorzutragen. Gerne denke ich auch an mein Referat beim Symposium Ihrer Vereinigung für Katholische Sozialethik in Mittel- und Südosteuropa im März 2003 in Laibach zurück.

Seit vielen Wochen ist die krisenhafte Entwicklung der Weltwirtschaft, die auch Europa schon erfasst hat und wohl noch tiefgreifender erfassen wird, ein die ganze Gesellschaft bewegendes Thema. In dieser Situation ist auch die Kirche angefragt, ob und wie sie Menschen helfen kann nicht in Depression oder Panik zu verfallen, sondern in Solidarität und Kreativität neue Wege aus dieser Krise zu suchen und zu gehen.

Die COMECE, die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, in der ich seit vielen Jahren Österreich vertrete und die im Oktober 2008 den polnischen Theologen Dr. Piotr Mazurkiewicz als neuen Generalsekretär erhalten hat, hat diese soziale Dimension in einer Erklärung der Bischöfe der COMECE vom März 2009 zu den bevorstehenden Wahlen zum europäischen Parlament im kommenden Juni hervorgehoben. Wörtlich heißt es darin: „Auch in dieser unbeständigen Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die Europäische Union als ein verlässliches Zuhause erwiesen, das danach strebt, Stabilität und Solidarität unter seinen Mitgliedern zu gewährleisten. Heute, im Jahr 2009, hat die Europäische Union die Fähigkeit und die Mittel, auf die drängendsten Herausforderung unserer Zeit zu antworten. … Die Grundprinzipien jeder Gesellschaft sind die Würde des Menschen und die Förderung des Gemeinwohls. Diese Prinzipien müssen daher im Mittelpunkt jedweder EU-Politik stehen.“

Die Katholische Kirche hat den Prozess der Europäischen Einigung von Anfang an begrüßt und entscheidend unterstützt. Im Zusammenhang mit dem Ergebnis des Gipfeltreffens in Lissabon ist an Worte von Papst Benedikt XVI. zu erinnern, der am 7. September 2007 in seiner Ansprache in der Wiener Hofburg gesagt hat: „Auch wenn (...) es unter einigen Aspekten berechtigte Kritik an europäischen Institutionen geben kann, ist der Prozess der Europäischen Einigung doch ein Werk von großer Tragweite, das diesem früher von fortgesetzten Konflikten und unseligen Bruderkriegen zerfressenen Kontinent eine lange nicht gekannte Friedenszeit gebracht hat.“

Die christlichen Kirchen und besonders auch die katholische Kirche haben auch heute große Ressourcen an Phantasie für das Gute und an Kraft, es mit Gottes Hilfe auch zu tun. Und sie tun es weltweit jeden Tag millionen- ja milliardenfach, unabhängig davon, ob sie bedankt werden oder nicht. In der öffentlichen Meinung wird dies freilich oft übersehen. Unser christlicher Glaube inspiriert und verpflichtet uns ja zur Nächstenliebe und zum beständigen Bemühen um eine bessere Welt, die freilich nicht unsere endgültige Heimat sein kann.

II.  Anmerkungen zum Begriff „Europa“

Europa ist für die Kirche nicht nur die Europäische Union in ihrer jetzigen oder zukünftigen Ausdehnung, sondern das ganze Gebiet vom Atlantik bis zum Ural, vom Nordkap bis Sizilien. So hat es Papst Johannes Paul II. immer wieder umschrieben. Die komplexe Identität dieses Kontinents war und bleibt Ergebnis eines historischen Prozesses, der nicht abgeschlossen und nicht abschließbar ist. Die Europa-Bischofssynode vom Dezember 1991 hat über die europäische Kultur gesagt: „(Sie) ist aus vielen Wurzeln zusammengewachsen: Der Geist Griechenlands und die Romanitas, die Errungenschaften der lateinischen, keltischen, germanischen, slawischen und ugro-finnischen Völker, die hebräische Kultur und die islamischen Einflüsse gehören zu diesem komplexen Ganzen. Niemand kann aber leugnen, dass der christliche Glaube entscheidend zum Fundament Europas gehört, ohne dass damit behauptet wird, Europa und das Christentum gehörten schlechthin zusammen.“

Europa wird hier als die Heimat alter Kulturen angesprochen. Es ist aber auch die Wiege der heute weltweiten technischen Zivilisation und es ist auch der Kontinent der großen Kriege, der Revolutionen und des erobernden Ausgreifens auf alle anderen Kontinente. Und obwohl nicht Europa, sondern Westasien die Wiege des Christentums ist, hat das Christentum in seiner bisherigen Geschichte Europa am längsten und insgesamt am stärksten geprägt. Es war bald und ist wohl immer noch eine der stärksten Stimmen in der Seele Europas. Eine oft übertönte und verratene Stimme und doch stark genug, um zwischen Sizilien und Skandinavien, zwischen Portugal und dem Ural in fast jeder Generation Menschen zu prägen wie Gregor den Großen, Franz von Assisi und Mutter Teresa oder Papst Johannes Paul II.

Die Europäische Union umfasst nun beinahe 500 Millionen Menschen, die in einem Gebiet leben, das vom Atlantik bis zum östlichen Mittelmeer und vom Polarkreis bis zur afrikanischen Küste reicht. Niemals zuvor in der europäischen Geschichte ist ein solches Werk auf der Grundlage von Freiheit, Menschenwürde und Demokratie gelungen. Die nun so groß gewordene EU braucht in den nächsten Jahren freilich große strukturelle Reformprozesse, um der mit räumlichen Größe einhergehenden Fülle notwendiger administrativer Abläufe gewachsen zu sein. Ob das gelingen wird, ist eine wohl täglich bedrängende Frage.

III.  Herausforderungen für das „Projekt Europa“

Die anstehenden Fragen und Probleme des „Projektes Europa“ betreffen heute besonders das Verhältnis von nationaler Eigenständigkeit und europäischen Verbindlichkeiten, die Frage nach der Rolle Europas in der Welt, nach dem Verhältnis von bürgerlicher Freiheit und Sicherheit und nach wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit. Europa ist aber heute mindestens in demographischer Sicht ein alter und müder Kontinent. Das lässt starke soziale und kulturelle Gleichgewichtsstörungen in nicht ferner Zukunft befürchten.

Ein solch tief greifender demographischer Wandel stellt nicht nur Anfragen an die auf dem christlichen Menschenbild aufbauende Familie und an ehrenamtlich entfaltete solidarische Kräfte in der Zivilgesellschaft, sondern ist auch für den Generationenvertrag und für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa ein ambivalentes Phänomen. Während der europäische Binnenmarkt wächst, droht ihm in absehbarer Zeit ein Mangel an qualifizierten Arbeitern, Unternehmern und Forschern. Wie kann und soll die EU ohne Destabilisierung ihrer Zivilgesellschaften mit der Frage der Immigration umgehen?

Neben der sich bereits deutlich abzeichnenden demographischen Veränderung stellt auch der zunehmende Klimawandel Europa vor Herausforderungen, die einer gemeinsamen Strategie der Europäischen Union und darüber hinaus bedürfen. Im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung und dem daraus zum Teil resultierenden Rückgang wirtschaftlicher Entfaltungsmöglichkeiten für viele Menschen weltweit wurde in den letzten Jahrzehnten immer stärker der Begriff Nachhaltigkeit etabliert. Das Prinzip nachhaltigen Wirtschaftens wird dabei in erster Linie als eine vorausschauende Nutzung von natürlichen Ressourcen angesehen, die auch künftigen Generationen Leben und Arbeit in Würde ermöglichen soll.

Der Begriff Nachhaltigkeit muss aber noch weiter gefasst, weil vor allem auf den Menschen ausgedehnt werden. Besonders in einer Zeit zunehmender wirtschaftlicher Probleme infolge einer globalen Finanzkrise ist eine solche Nachhaltigkeit wichtig. Auch der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat erst vor kurzem die Bedeutung einer solcher Wertediskussion besonders in Hinblick auf Fragen wirtschaftlicher Gerechtigkeit hervorgehoben („Die Presse“ vom 12. März 2009, S. 6) Der Mensch darf ja in der Wirtschaft nicht nur als zu optimierende Ressource gesehen werden. Er ist eine Person, die eine unveräußerliche Würde besitzt, und diese Würde darf nicht ausgehöhlt werden.

IV. Katholische Impulse für eine europäischen Leitkultur

In der renommierten deutschen Zeitschrift „Merkur“, herausgegeben bei Klett und Cotta in Stuttgart, hat Karl Heinz Bohrer im Januar 2001 den Begriff „Leitkultur“ in Verbindung mit dem Eigenschaftswort „deutsch“ gegen ältere linke Intellektuelle in Schutz genommen, denen er einen kulturellen Selbsthass bescheinigte. Aus berechtigter Abscheu gegenüber der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands sei man hier blind gegenüber der Tatsache, dass es so etwas wie eine Leitkultur als historische und mentale Dominante, als eine gesellschaftliche Grundnorm in Frankreich und in den USA selbstverständlich gibt, während man in Deutschland das Wort „Leitkultur“ sogar zum „Unwort“ des Jahres 2001 erklären wollte, weil es die Kluft zwischen Ausländern und Deutschen erweitern könne.

Dieser kulturelle Selbsthass bewirkt, so kann man in Weiterführung der Gedanken Bohrers sagen, bei vielen linken Intellektuellen eine irrationale Abneigung gegenüber dem Christentum, zumal in katholischer Vermittlung, und zugleich eine irrationale Blindheit z. B. gegenüber islamischen Fundamentalismen. Gegen eine solche Blindheit ist z. B. der moderate Moslem Professor Bassam Tibi, der in vielen Schriften für einen erst zu entwickelnden Euro-Islam eintritt, in Wort und Schrift immer neu zu Felde gezogen. Auch deutsche Meisterdenker Jürgen Habermas hat 2001 mit Hinweis auf die Unverzichtbarkeit von solchen tragenden Werten für ein Gelingen des „Projektes Europa“ gesagt: „Wirtschaftliche Erwartungen reichen als Motiv nicht aus, um in der Bevölkerung politische Unterstützung für das risikoreiche Projekt einer Union, die diesen Namen verdiente, zu mobilisieren. Dazu bedarf es gemeinsamer Wertorientierungen.“

Wenn nach dem christlichen Beitrag zu einer europäischen Leitkultur gefragt wird, dann sei an ein Wort von Romano Prodi erinnert, der in seiner Zeit als Präsident der Europäischen Kommission gesagt hat: „Die christlichen Werte haben uns viel gebracht. Vom Christentum stammen der Respekt vor dem Nächsten, das Verantwortungsgefühl für die demokratische Gesellschaft. Darüber hinaus haben wir aus der Geschichte des Christentums gelernt, dass eine perfekte Gesellschaft nicht existiert.“ Wenn in Europa von einer vor allem christlich geprägten Kultur Europas gesprochen wird, dann kann selbstverständlich nicht vergessen werden, dass Europa nicht nur christliche Wurzeln hat. Das jüdische, das griechisch-römisch-antike, das islamische Erbe und das Erbe der wesentlich auf dem Christentum beruhenden, wenngleich oft nur gegen kirchlichen Widerstand durchgesetzten Aufklärung gehören unbestreitbar ebenfalls zur europäischen Identität.

Abschließend spreche ich, Bezug nehmend auf dieses christliche Erbe, drei Werte an, die für eine selbstbewusste und wetterfeste katholische Identität mit Ausstrahlung in die Zivilgesellschaft unverzichtbar sind:

1. Einsatz für das Ganze

Die Christen in Europa werden nur bestehen, wenn sie gestaltend am „Bauplatz Europa“ mitarbeiten. Dazu bedarf es auch einer Bereitschaft zu einer Aus- und Weiterbildung in Human- und Naturwissenschaften. Politisch wache Christen werden versuchen, Allianzen mit allen Gruppen zu schließen, die sich für eine humanitäre Zukunft unseres Kontinents einsetzen. Bei seinem Besuch in Frankreich im September 2008 hat Papst Benedikt XVI. in diesem Zusammenhang den vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy geprägten Begriff einer „positiven Laizität“ aufgegriffen.

Die Entwicklung Europas lässt sich trotz mancher christlich- pathologischen Erscheinungen ohne den humanisierenden Beitrag des Christentums nicht angemessen beschreiben. Dies muss besonders im Blick auf die Dialektik der Aufklärung in Folge einer sich absolut setzenden und säkularistisch verstehenden technisch-wirtschaftlichen Vernunft gesagt werden. Diese Dialektik wurde schon von Adorno und Horkheimer kritisch zur Sprache gebracht.

2. Einsatz für die Personwürde und für eine soziale Gerechtigkeit

Die Absolutheit der Person- und Menschenwürde, wie sie im Artikel 1 der Menschenrechtecharta als deren Grundlage benannt wird, wurzelt theologisch formuliert in Gott, der den Menschen als sein Abbild geschaffen hat. Der evangelische Bischof von Berlin und Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber betont, dass eine europäische „Kultur der Anerkennung“ ohne die Unbedingtheit der Menschen- und Personwürde nicht auskomme, weshalb die Personrechte nicht von Voraussetzungen abhängig gemacht werden dürften, „deren Definition dem Staat, den Eltern oder wem auch sonst überlassen“ würde. „Die Stärke des Personbegriffes würde damit gerade verspielt.“ Soweit Bischof Huber.

Die Katholische Soziallehre weist mit ihrem Personprinzip darauf hin, dass der Mensch nicht funktionalisiert werden darf. Richard Sennett, ein bedeutender amerikanischer Sozialphilosoph, hat in seiner großen Studie „Der flexible Mensch“ (dt. Berlin 1998) anhand einzelner Biografien und persönlicher Erfahrungen dargestellt, welche fatalen Folgen es haben kann, wenn Menschen „verzweckt“ werden, wenn ihnen etwa ein Zuviel an beruflicher und familiärer Mobilität abverlangt wird. Der englische Titel seines Werks ist noch sprechender: „The Corrosion of Charakter“ (New York 1998). Sennett zeigt, wie rasch sich in einer kurzfristig ausgerichteten, nicht mehr an Orte und Zeiten gebundenen Ökonomie Vertrauen, Verantwortung und menschliche Beziehungen auflösen. Dies betrifft Arbeitende aller Bildungsgrade und Berufe, zerstört ihren Selbstwert und erhöht ihre personale Verletzlichkeit. Eine längerfristige Lebensplanung lässt sich nach Sennett in einer unreflektiert durchmodernisierten Welt nicht mehr vornehmen.

3. Einsatz für die Achtung und für die Förderung des Lebens

Die Würde des menschlichen Lebens ist unteilbar. Christen sind Freunde dieses Lebens in allen seinen Dimensionen, sei es geboren oder noch ungeboren, sei es entfaltet oder behindert, sei es zeitlich oder ewig. Die Unteilbarkeit der Würde des Lebens von der Zeugung bis zum Tod wird aber heute von verschiedenen Seiten her und aus unterschiedlichen Gründen auf beklemmende Weise in Frage gestellt. Die in manchen EU-Ländern forcierte Debatte oder auch schon Praxis betreffend aktive Sterbehilfe lässt befürchten, dass ein sublimer oder auch starker Druck auf schwerkranke und alte Menschen ausgeübt wird, sich den Tod geben zu lassen oder selbst zu geben, weil eine ansehnliche gesellschaftliche Gruppe den organisierten Freitod gesellschaftsfähig gemacht hat. Auch um den Schutz beginnenden Lebens muss heute im Horizont von Genforschung und Präimplantationsdiagnostik verstärkt gerungen werden. Was bedeuten Menschenwürde und Schutz der Person besonders im Blick auf die noch nicht entfaltete Personalität des Embryos? Der ehemalige Präsident der deutschen Forschungsgemeinschaft und nachher Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Prof. Wolfgang Frühwald, hat festgestellt, dass in Fragen des Menschenbilds ein „Kulturkampf“ zwischen einem christlichen, zumindest kantianischen Menschenbild auf der einen Seite und einem szientistisch - sozialdarwinistischen Menschenbild auf der anderen Seite im Gange sei.

Die Frage des Menschenbildes hängt auch zusammen mit einer der Hauptsorgen für unsere Gesellschaft, die sich aus der geringen Zahl von Kindern und jungen Menschen überhaupt ergibt. Hier wird unserer Gesellschaft eine Rechnung präsentiert, an deren Zustandekommen gewiss viele Ursachen beteiligt waren und sind. Man sollte sich eine diesbezügliche Analyse nicht zu leicht machen und die Erwartungen einer Wende zum Besseren nicht nur der Politik, zumal der Finanzpolitik zuschieben. Man braucht Allianzen, um Menschen Mut zu einer auf Dauer hin angelegten Ehe zu machen. Man braucht Allianzen, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Familien ohne eine auch finanzielle Gefährdung ihrer Existenz mehr Zeit für ihre Kinder zur Verfügung steht. Man braucht Allianzen, um eine gemeinsame Beteiligung von Männern und Frauen in der Gesellschaft zu ermöglichen und zu fördern. Dazu gehört auch eine die Familien und dabei besonders eine die Frauen fördernde Steuer- und Arbeitsmarktpolitik.

Am Schluss möchte ich eine auf Europa bezogene Wortprägung des österreichischen Kulturhistorikers Friedrich Heer in Erinnerung rufen. Er hat in einer Paraphrase auf das christliche Grundgebet „Vater unser“ von einem „Europa unser“ gesprochen. Das ist ein Dauerauftrag zu einem chancenreichen und gefährdeten Projekt, an welchem wir alle beteiligt sind.

[Von der Diözese Graz-Sekau veröffentlichtes Original]