Debatte in Großbritannien über die Frage, ob das Land noch christlich sei

Laut Rowan Williams geht es letztendlich um die Definition der Begriffe

Rom, (ZENIT.org) Deborah Castellano Lubov | 260 klicks

Nach Berichten der BBC definierte der ehemalige anglikanische Erzbischof die Gesellschaft Großbritanniens als „nachchristlich“. Gegenüber der britischen Tageszeitung „The Daily Telegraph“ erklärte Lord Williams, der im Jahr 2012 von seinem Amt als geistliches Oberhaupt der „Church of England“ zurückgetreten war, die Zeiten einer weit verbreiteten Religiosität und Gottesverehrung in Großbritannien als vergangen. Diesen Stellungnahmen entgegnete Premierminister David Cameron unverzüglich mit der Feststellung, dass das Vereinigte Königreich ein „christliches Land“ sei.

Anfang April hatte Cameron in einem Artikel für die „Church Times“ die Forderung geäußert, dass sich Christen gegenüber den von Christen bewirkten Veränderungen im Leben anderer Menschen evangelischer zeigen sollten. Entgegen der Auffassung von Cameron unterzeichneten 50 führende Persönlichkeiten einen Brief, wonach die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs „nichtreligiös“ und „pluralistisch“ sei. Eine gegenteilige Behauptung führe zu „Spaltungen“ und „Entfremdung“.

Lord Williams betonte, dass selbst die Bezeichnung der britischen Gesellschaft als „nachchristlich“ nicht gleichbedeutend mit „nicht christlich“ sei, zumal das Land nach wie vor über ein stark christlich geprägtes kulturelles Erbe verfüge.

Der Ausdruck „nachchristlich“ beziehe sich laut dem ehemaligen anglikanischen Führer auf den Umstand, dass es sich beim Großteil der Bevölkerung um nicht praktizierende Christen handle.

Zwar könne die Bezeichnung „christliche Nation“ Lord Williams zufolge an ein Land engagierter Christen denken lassen, doch Großbritannien sei weder dies noch ein „Land aktiver Säkularisten“.

Letztendlich komme es auf die Definition von Begriffen an. Die Frage, ob ein christliches Land zugleich eine Nation von Gläubigen sei, beantwortete Williams mit nein. Mit der Charakterisierung eines christlichen Landes als „immer noch sehr von einer bestimmten Weltsicht durchdrungen und geformt“, erklärte er sich jedoch einverstanden.

Der amtierende Erzbischof von Canterbury, Reverend Justin Welby, teilte die Auffassung des Premierministers, wonach das Vereinigte Königreich ein christliches Land sei, und bezeichnete den Umstand, dass Kultur, Gesetz und Ethik in Großbritannien in der christlichen Lehre und Tradition begründet seien als „für manche vielleicht unangenehmes aber wahres historisches Faktum.“