Dem geistlichen Tod entrinnen: Plädoyer für eine ausgereifte Seelsorge für Migranten

Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Papstbotschaft „Junge Migranten“

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ROM, 29. November 2007 (ZENIT.org).- Junge Migranten sind oft wie Wanderer zwischen zwei Welten, die aufgrund von Entwurzelung und Verlorenheit zur leichten Beute von Gottferne und Kriminalität werden können.



Der Vorsitzende des Päpstlichen Rates für Migranten und Menschen unterwegs, Kardinal Martino, warnte am Mittwochvormittag während der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Botschaft Benedikts XVI. zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 13. Januar 2008 vor den Gefahren „eines geistlichen Todes“ vieler entwurzelter, mittelloser junger Menschen. Die Entwicklung einer Seelsorge zur Unterstützung der jungen Einwanderer müsse „Sprache, Kultur, Religion, Herkunft und persönliche Geschichte“ jedes einzelnen berücksichtigen und sei ein Gebot der Stunde.

Der Kurienkardinal bekräftigte, dass „die Abwanderung von jungen Menschen in erheblichem Wachstum begriffen ist“. Die Gründe seien vielfältig: „Armut und Not, ökologischer Verfall, lokale und internationale Konflikte, politische und religiöse Verfolgung, die Nachfrage nach Arbeitskräften in industrialisierten Ländern, Familienzusammenführung“.

„Junge Migranten“, so der Kardinal, „finden sich oftmals allein in einem Niemandsland, auf halbem Weg zwischen zwei Kulturen“. Das führe zu einer Situation „großer Unsicherheit“, die wiederum verhindere, dass sie sinnvolle und umsetzbare Ideen für die Zukunft entwickelten. Diese Faktoren führten progressiv zu einer Marginalisierung, die ihrerseits Kriminalität, Prostitution, Alkohol, Droge und Diebstahl Tür und Tor öffne.

Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des genannten Päpstlichen Rates, hob jene Aspekte hervor, die das Recht auf Asyl und die rechtliche Situation der Flüchtlinge betreffen. Er warf ein Schlaglicht auf die Tatsache, dass in einigen Ländern unbegleitete Minderjährige in Untersuchungshaft festgehalten werden. Die unsäglichen Bedingungen in überfüllten Flüchtlingslagern, die eigentlich nur vorübergehend als Wohnstatt dienen sollten, machten ein Einschreiten dringend erforderlich. Langfristig Internierten fehle es in der Regel an notwendigen Gütern und an Würde, mahnte der Erzbischof. Für solche Menschen gebe es wenig Zukunft, bekräftigte er.

Benedikt XVI. schreibt diesbezüglich in seinem gestern veröffentlichten Schreiben: „Wie sollte man nicht an die kleinen Lebewesen denken, die mit der gleichen legitimen Erwartung von Glück auf die Welt gekommen sind wie alle anderen? Und wie sollte man nicht gleichzeitig daran denken, dass die Kindheit und die Jugend Phasen von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung des Mannes und der Frau darstellen, Phasen, die Stabilität, Ruhe und Sicherheit voraussetzen? Für diese Kinder und Jugendlichen ist die einzige Lebenserfahrung das „Lager", in dem sie sich gezwungenermaßen aufhalten müssen, wo sie abgesondert sind, fern von bewohnten Gebieten und ohne die Möglichkeit, eine normale Schule besuchen zu können. Wie können sie mit Vertrauen in die Zukunft blicken?“

Ein Hoffnungszeichen ist nach Worten von Erzbischof Marchetto die Arbeit von Ordensfrauen, die sich der Pflege von Jugendlichen annähmen, insbesondere der Mädchen, die Opfer von Gewalt, Vergewaltigung oder Drohungen geworden sind. Sie würden in ihrer Tätigkeit durch katholische nichtstaatliche Einrichtungen und UN-Teilorganisationen unterstützt.

Msgr. Novatus Rugambwa, Untersekretär des Päpstlichen Rates für Migranten und Menschen unterwegs, verwies in seinem Beitrag auf die Chancen junger Menschen, die im Ausland studieren. Sie bekämen die Gelegenheit, in aller Offenheit für die „Dynamik der Inkulturation“ Wege des interkulturellen und interreligiösen Dialogs zu entdecken und die „Universalität von Kirche“ zu erleben.