Dem geistlichen Wohl der Gläubigen angepasst

Die Bedeutung der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ – Eine Erläuterung des Rektors der Päpstlichen Universität Gregoriana

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WÜRZBURG, 21. November 2009 (Die Tagespost.de/ZENIT.org).- Die Apostolische Konstitution „Anglicanorum coetibus“ vom 4. November 2009 legt die wesentlichen Bestimmungen fest, die die Einrichtung und das Leben von Personalordinariaten für jene anglikanischen Gläubigen regeln, die – sei es einzeln oder in Gruppen – in die volle Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche eintreten möchten. So zeigt, wie es in der Einführung heißt, der Heilige Vater Benedikt XVI. – der oberste Hirte der Kirche und durch den Auftrag Christi Garant der Einheit des Episkopats und der universalen Gemeinschaft aller Kirchen – seine väterliche Sorge für jene anglikanischen Gläubigen (Laienchristen, Geistliche und Mitglieder der Institute des Geweihten Lebens und der Gesellschaften des Apostolischen Lebens), die den Heiligen Stuhl wiederholt gebeten haben, in die volle katholische Gemeinschaft aufgenommen zu werden.

Die Einführung in die Apostolische Konstitution erklärt die „ratio legis“ der Regelung und weist auf eine Reihe von Punkten hin, die es zu beachten gilt:

– Die Kirche, die in ihrer Einheit und Verschiedenheit in der heiligen Dreifaltigkeit ihr Vorbild findet, wurde eingerichtet als „Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen gentium, 1). Aus diesem Grund verwundet jede Spaltung unter den Getauften die Kirche in dem was sie ist und in dem wofür sie lebt, und stellt daher ein Ärgernis dar, da sie im Gegensatz zu dem Gebet steht, das Jesus vor seiner Passion und seinem Tod gesprochen hat (vgl. Joh 17, 20–21).

– Die kirchliche Gemeinschaft, die durch den Heiligen Geist, das Prinzip der Einheit in der Kirche, errichtet wird, ist analog zum Geheimnis des menschgewordenen Worts gleichzeitig unsichtbar (geistlich) und sichtbar (hierarchisch organisiert). Die Gemeinschaft unter den Getauften muss sich daher, wenn es eine volle Gemeinschaft sein soll, „sichtbar in den Bändern des Bekenntnisses der Ganzheit des Glaubens, der Feier aller von Christus eingesetzten Sakramente und der Leitung des Bischofskollegiums, vereint mit ihrem eigenen Haupte, dem römischen Papst“ zeigen.

– Obwohl die eine Kirche Christi in der Katholischen Kirche fortbesteht, die durch den Nachfolger Petri in Gemeinschaft mit den Bischöfen geführt wird, sind auch außerhalb ihrer sichtbaren Grenzen in den Kirchen und christlichen Gemeinschaften, die von ihr getrennt sind, Elemente der Heiligkeit und der Wahrheit zu finden. Da diese Elemente Geschenke sind, die der Kirche Christi gehören, sind sie Kräfte, die zur katholischen Einheit drängen.

Die anglikanischen Gläubigen, die auf das Drängen des Heiligen Geistes hin darum gebeten haben, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche einzutreten, sind durch diese Elemente der Kirche Christi zur Einheit bewegt worden, die stets in ihrem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben als Christen gegenwärtig waren.

Aus diesem Grund zeigt die Verkündung der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ durch den Heiligen Vater, sowie das, was daraus folgen wird, in besonderer Weise das Wirken des Heiligen Geistes an.

Die Rechtsform, durch die der Heilige Vater die Anglikaner in die volle katholische Gemeinschaft aufnehmen will, ist die Errichtung von Personalordinariaten (I §1).

Die Zuständigkeit für die Errichtung ist der Kongregation für die Glaubenslehre übertragen worden. Der Grund dafür ist, dass im Laufe des langen Prozesses, der schließlich zu dieser Apostolischen Konstitution geführt hat, viele Lehrfragen angesprochen werden mussten und dass solche Fragen weiterhin auftauchen werden wenn es zur Errichtung der einzelnen Ordinariate und zur Eingliederung von Gruppen anglikanischer Gläubiger durch diese Ordinariate in die volle katholische Gemeinschaft kommt. Jedenfalls wird jedes Ordinariat, wenn sich besondere Fragen ergeben, nicht nur der Kongregation für die Glaubenslehre, sondern auch den anderen Dikasterien der römischen Kurie – entsprechend ihrer Zuständigkeiten – unterstehen (Ap. Konst. II). Zum Beispiel für die Gemeinschaften der Gläubigen der Päpstliche Rat für die Laien; für die Ausbildung und das Leben der Priester die Kongregation für den Klerus; für die verschiedenen Formen des geweihten Lebens die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens etcetera. Was den Ad-limina-Besuch betrifft, zu dem der Ordinarius alle fünf Jahre verpflichtet ist, so wird in der Apostolischen Konstitution eigens erwähnt, dass sich der Ordinarius nicht nur mit der Kongregation für die Glaubenslehre, sondern auch mit der Kongregation für die Bischöfe und der Kongregation für die Evangelisierung der Völker beraten soll (Ap. Konst. XI).

Die Möglichkeit für die Errichtung von Personalordinariaten für Anglikaner, welche in die volle Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche eintreten, die in der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ vorgesehen ist, schafft keine neue Struktur innerhalb der gültigen kanonischen Bestimmungen, sondern bedient sich der Struktur der Personalordinariate, die ursprünglich durch die Apostolische Konstitution „Spirituali militum cura“ (21. April 1986) von Johannes Paul II. für die pastorale Begleitung der Mitglieder der Streitkräfte geschaffen wurde. Trotz der Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Formen von Personalordinariaten ist es klar, dass aufgrund der verschiedenen Zielsetzungen zwischen Militärordinariaten und Personalordinariaten für die ehemals anglikanischen Gläubigen auch erhebliche Unterschiede zwischen ihnen bestehen. Wir haben es mit Strukturen zu tun, die von der Kirche geschaffen wurden, um besondere Situationen zu handhaben, die sich aus den Bedürfnissen der Gläubigen ergeben und bei denen es sich per definitionem um Ausnahmen handelt. Die pastorale Sorge der Kirche und die Flexibilität ihrer Rechtsnormen lässt die Schaffung juristischer Strukturen zu, die sich speziell dem geistlichen Wohl der Gläubigen anpassen, ohne dabei den Grundprinzipien der katholischen Ekklesiologie zu widersprechen.

Genau wie die Militärordinariate waren auch die Personalordinariate für Anglikaner, die in die volle Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche eintreten, im Codex des kanonischen Rechts nicht eigens vorgesehen. Doch so wie die Militärordinariate in der Apostolischen Konstitution „Spirituali militum cura“ als besondere Kirchenbezirke beschrieben werden, die den Diözesen ähnlich sind (Ap. Konst. I § 1), werden auch in der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ die Personalordinariate für die ehemaligen Anglikaner als den Diözesen rechtlich ähnlich beschrieben. (Ap. Konst. 1 § 3).

Diese Personalordinariate können nicht als Teilkirchen mit besonderem Ritus betrachtet werden, da die liturgische, geistliche und pastorale anglikanische Tradition eine Besonderheit innerhalb der römischen Kirche darstellt. Die Schaffung einer Kirche mit besonderem Ritus hätte zu ökumenischen Schwierigkeiten führen können. Diese Personalordinariate können auch nicht als Personalprälaturen betrachtet werden, da Personalprälaturen gemäß can. 294 aus Priestern und Diakonen des Weltklerus bestehen und Laien sich gemäß can. 296 aufgrund von Vereinbarungen apostolischen Werken der Personalprälatur widmen können. Mitglieder der Institute des Geweihten Lebens und der Gesellschaften des Apostolischen Lebens werden in den Gesetzen über die Personalprälaturen nicht einmal erwähnt.

Die Ordinariate für die ehemals anglikanischen Gläubigen sind personale Strukturen, insofern die Jurisdiktion des Ordinarius und folglich auch der Gemeindepriester nicht wie eine besondere Ortskirche geografisch innerhalb des Bereichs einer Bischofskonferenz definiert ist, sondern „gegenüber allen, die zum Ordinariat gehören“ (Ap. Konst. V) ausgeübt wird. Außerdem können im Gebiet einer Bischofskonferenz je nach Bedarf ein oder mehrere Personalordinariate errichtet werden (Ap. Konst. I § 2).

Aus einer sorgfältigen Lektüre der vom Apostolischen Stuhl herausgegebenen Apostolischen Konstitution und der Ergänzenden Normen geht klar hervor, dass die Bestimmung zur Einrichtung von Personalordinariaten zwei Anforderungen genügen soll: zum einen, dass „die geistlichen, liturgischen und pastoralen Traditionen der anglikanischen Gemeinschaft in der Katholischen Kirche lebendig erhalten bleiben, als wertvolles Geschenk, um den Glauben der Mitglieder des Ordinariats zu nähren und deren Reichtum zu teilen“ (vgl. Ap. Konst. III); zum anderen den Bedarf, Gruppen von Gläubigen oder einzelne Gläubige, die zuvor anglikanisch waren, voll in das Leben der Katholischen Kirche zu integrieren.

Die Bereicherung ist gegenseitig: Die ehemals anglikanischen Gläubigen, die in die volle katholische Gemeinschaft eintreten, empfangen den Reichtum der geistlichen, liturgischen und pastoralen Tradition der römisch-katholischen Kirche, um diesen in ihre eigene Tradition zu integrieren, woraus wiederum die römisch-katholische Kirche bereichert wird. Auf der anderen Seite hat gerade diese anglikanische Tradition, die in ihrer Authentizität in die römisch-katholische Kirche aufgenommen wird, innerhalb des Anglikanismus eine jener Gaben der Kirche Christi dargestellt, die diese Gläubigen zur katholischen Einheit gedrängt hat.

Es handelt sich also um eine Bestimmung, die über die „Pastoral Provision“ hinausgeht, die von der Kongregation für die Glaubenslehre angenommen und am 20. Juni 1980 von Johannes Paul II. gebilligt wurde. Während die „Pastoral Provision“ vorsah, dass ehemalige anglikanische Gläubige Mitglieder der Diözese werden sollten, in der ihr Wohnsitz lag, und wo ihnen der Diözesanbischof besondere Sorge zukommen lassen sollte, betrachtet die Apostolische Konstitution „Anglicanorum coetibus“ sie als Mitglieder eines Personalordinariats und nicht der Diözese, in der ihr Wohnsitz liegt. Diese Ordinariate werden aus Gläubigen aus jedem Stand bestehen (Laienchristen, Priester und Mitglieder der Institute des Geweihten Lebens und der Gesellschaften des Apostolischen Lebens), die entweder einzeln oder in Gruppen aus der anglikanischen Kirche übertreten oder die Sakramente der Initiation innerhalb des Ordinariats selbst empfangen (vgl. Ap. Konst. I § 4).

Die Priester werden den Personalordinariaten durch Inkardination zugewiesen, die nach den Normen des kanonischen Rechtes geregelt wird (Ap. Konst. I § 3), während Laienchristen sowie Institute des Geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens ihren Wunsch, in das Personalordinariat aufgenommen zu werden, schriftlich äußern müssen (Ap. Konst. IX). Die Ergänzenden Normen (= EN) legen fest, dass diese Laienchristen sowie Institute des Geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens in ein entsprechendes Register der Ordinariate eingetragen sein müssen (Art. 5 § 1). Während jemand also aufgrund seines Wohnsitzes oder Nebenwohnsitzes Mitglied einer besonderen Ortskirche ist, ist jemand Mitglied des Personalordinariats aufgrund der objektiven Tatsache, vorher dem Anglikanismus angehört zu haben oder weil er durch das Ordinariat zum katholischen Glauben gekommen ist. In diesem Sinn ersetzt die Eintragung in das jeweilige Register die Tatsache des Wohnsitzes oder Nebenwohnsitzes, der in Bezug auf die Mitgliedschaft in einem Personalordinariat irrelevant ist.

Die Apostolische Konstitution möchte vor allem ein Mittel für die in gewisser Weise „korporative“ Wiederherstellung der vollen Einheit sein, also für Gruppen, die sich aus Menschen verschiedener Stände zusammensetzen. Personalordinariate scheinen für solche Gruppen die angemessenste rechtliche Struktur darzustellen, durch welche die geistliche, liturgische und pastorale Tradition, die sich innerhalb der anglikanischen Kirche entwickelt hat und von der Katholischen Kirche als authentisch anerkannt wird, geschützt und gepflegt werden kann. Das schließt die Möglichkeit der Mitgliedschaft im Ordinariat für einzelne Gläubige nicht aus, die vom Anglikanismus übertreten oder die durch die pastorale oder missionarische Tätigkeit des Ordinariats zum katholischen Glauben kommen und die Sakramente der Initiation innerhalb des Ordinariats empfangen. Die „Pastoral Provision“ war für die neue Situation nicht angemessen, auf die der Heilige Stuhl reagieren musste.

Der Ordinarius, dem die pastorale Sorge für die Gläubigen, die zum Ordinariat gehören, anvertraut ist, übt im Namen des römischen Papstes eine stellvertretende Vollmacht (potestas ordinaria vicaria) aus (Ap. Konst. V b). Er genießt rechtliche Autonomie im Hinblick auf die Jurisdiktion des Diözesanbischofs, in dem die Gläubigen des Ordinariats ihren Wohnsitz haben, und kann daher besser gewährleisten, dass diese Gläubigen nicht einfach auf eine Weise in die lokalen Diözesen integriert werden, die zu einem Verlust des Reichtums ihrer anglikanischen Tradition führen würde – was eine Verarmung für die gesamte Kirche bedeuten würde. Andererseits muss der Ordinarius in der Ausübung seiner stellvertretenden Vollmacht die volle Integration des Ordinariats in das Leben der Katholischen Kirche gewährleisten und sicherstellen, dass es sich nicht zu einer isolierten Gemeinschaft entwickelt.

Die Bewahrung und Pflege der anglikanischen Tradition wird gewährleistet:

1. durch die Befugnis des Ordinariats zur Zelebration der Eucharistie, der anderen Sakramente, der Stundenliturgie und der anderen liturgischen Handlungen gemäß den eigenen liturgischen Büchern aus der anglikanischen Tradition, welche vom Heiligen Stuhl approbiert wurden, ohne jedoch die liturgischen Zelebrationen gemäß dem Römischen Ritus auszuschließen (Ap. Konst. III);

2. durch die Tatsache, dass der Ordinarius besondere Programme für die Ausbildung der Seminaristen des Ordinariats, die in einem Diözesanseminar leben, festlegt oder auch Ausbildungshäuser für sie errichten kann (Ap. Konst. VI § 5; EN Art. 10 § 2); die Seminaristen müssen aus einer Personalpfarrei des Ordinariats oder aus dem Anglikanismus stammen (EN Art. 10 § 4);

3. durch das Zugeständnis, dass ehemals anglikanische verheiratete Amtsträger, einschließlich der Bischöfe, zu Priestern geweiht werden können, entsprechend der Normen, die in der Enzyklika „Sacerdotalis coelibatus“ (Nr. 42) von Papst Paul VI. sowie in der Erklärung „In June“ festgelegt sind (Ap. Konst. VI § 1);

4. durch die Möglichkeit, dass der Ordinarius – nach einem Entscheidungsprozess, der auf objektiven Kriterien und den Bedürfnissen des Ordinariates basiert (EN Art.6 § 1) – den Papst auch um die Zulassung verheirateter Männer zur Priesterweihe bitten kann, als Ausnahme zum can. 277, §1 und auf Basis einer Fall-zu-Fall-Entscheidung, wenngleich es allgemeine Norm des Ordinariats sein wird, nur zölibatäre Männer zuzulassen (Ap. Konst. VI § 2);

5. durch die Tatsache, dass der Ordinarius Personalpfarreien errichten kann, nachdem er sich mit dem lokalen Diözesanbischof beraten und die Zustimmung des Heiligen Stuhls erhalten hat (Ap. Konst. VIII § 1);

6. durch die Befugnis, Institute des Geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens, die vorher anglikanisch waren, in das Ordinariat aufzunehmen und neue zu errichten;

7. durch die Tatsache, dass aus Rücksicht auf die synodale Tradition der Anglikaner a) der Ordinarius auf Basis eines vom Verwaltungsrat präsentierten Dreiervorschlages, durch den Papst ernannt wird (EN Art. 4 § 1) b) dass der Pastoralrat verpflichtend sein wird (Ap. Konst. X § 4); c) dass der Verwaltungsrat, der aus mindestens sechs Priestern zusammengesetzt ist, neben den Aufgaben, die vom Codex des Kanonischen Rechtes für den Priesterrat und das Konsultorenkollegium vorgesehen sind, auch die Aufgaben erfüllt, die in den Ergänzenden Normen aufgeführt werden, und die in einigen Fällen die Zustimmung oder Ablehnung oder die Abgabe eines beratenden Votums vorsehen (Ap. Konst. X § 2; EN Art. 12).

Die Integration der Ordinariate in das Leben der Katholischen Kirche wird durch jene Normen gewährleistet, die das Bekenntnis des Glaubens und die Beziehungen eines Ordinariats mit einer Bischofskonferenz sowie mit einzelnen Diözesanbischöfen regeln. Diese Normen sehen vor:

1. Der Katechismus der Katholischen Kirche wird von den Mitgliedern des Ordinariats als der authentische Ausdruck des katholischen Glaubens betrachtet (Ap. Konst. I § 5).

2. Ein Personalordinariat wird vom Heiligen Stuhl innerhalb der territorialen Grenzen einer Bischofskonferenz errichtet, nachdem diese Bischofskonferenz selbst konsultiert worden ist (Ap. Konst. I § 1).

3. Der Ordinarius wird ein Mitglied seiner jeweiligen Bischofskonferenz sein und ist verpflichtet, ihren Anweisungen Folge zu leisten, solange sie nicht mit der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ unvereinbar sind (EN Art. 2).

4. Die Weihe von Priestern, die ehemals anglikanisch waren, wird absolut sein, auf Grundlage der Bulle „Apostolicae curae“ (13. September 1896) von Leo XIII. Aufgrund der gesamten römisch-katholischen Tradition sowie der Tradition der Orientalischen Kirchen ist die Zulassung verheirateter Männer in das Bischofsamt kategorisch ausgeschlossen (EN Art. 11 § 1).

5. „Die in einem Ordinariat inkardinierten Priester, die sein Presbyterium bilden, sollen auch ein Band der Einheit mit dem Presbyterium der Diözese kultivieren, in deren Territorium sie ihren Dienst verrichten; sie werden gemeinsame pastorale und karitative Initiativen und Aktivitäten fördern müssen, die Objekt abgeschlossener Vereinbarungen zwischen dem Personalordinarius und dem lokalen Diözesanbischof sein können“ (Ap. Konst. VI § 4; EN Art. 3). Die Ergänzenden Normen ziehen die Möglichkeit gegenseitiger pastoraler Unterstützung zwischen in das Ordinat inkardinierten Priestern und den in solche Diözesen inkardinierten Priestern in Betracht, in denen es Gläubige der Ordinariate gibt (EN Art. 9 §§ 1und 2).

6. Die Priester der Ordinariate können in den Priesterrat der Diözese gewählt werden, in dessen Territorium sie die Seelsorge der Gläubigen des Ordinariates ausüben (EN Art. 8 § 1).

7. Die Priester und Diakone der Ordinariate können in den Pastoralrat der Diözesen gewählt werden, in dessen Territorium sie ihren Dienst versehen (EN Art. 8 § 2).

8. Die Autorität (potestas) des Ordinarius wird gemeinsam mit dem Diözesanbischof in den in den Ergänzenden Normen vorgesehenen Fällen ausgeübt (Ap. Konst. V; EN Art 5 § 2).

9. Die Kandidaten für die Heiligen Weihen in einem Ordinariat werden zusammen mit den anderen Seminaristen ausgebildet, besonders in den Bereichen der Lehre und der Seelsorge, auch wenn für sie besondere Programme festgelegt und Ausbildungshäuser errichtet werden können (Ap. Konst. VI § 5; EN Art. 10 § 2).

10. Vor der Einrichtung einer Personalpfarrei muss der Ordinarius die Meinung des Diözesanbischofs seines Ortes hören (Ap. Konst. VIII § 1).

11. Die ergänzenden Normen legen fest, wenn Rechte und Pflichten eines Pfarrers des Ordinariats in gegenseitiger pastoraler Zusammenarbeit mit den Pfarrern der Diözese ausgeübt werden sollen, in deren Territorium sich die Personalpfarrei des Ordinariates befindet (Ap. Konst. VIII § 2; EN 14,2).

12. Das zuständige Gericht für Rechtsfälle, die die Gläubigen des Ordinariats betreffen, ist das der Diözese, in der eine der Parteien ihren Wohnsitz hat, außer das Ordinariat hätte sein eigenes Gericht konstituiert (Ap. Konst. XII).

Wie man sieht, stellt die Apostolische Konstitution „Anglicanorum coetibus“ Bestimmungen auf, die das Wesen der Personalordinariate festlegen, die eigens für die Anglikaner eingerichtet werden, die in die volle Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche eintreten wollen, und auf allgemeine Weise ihr Leben regeln. So wird eine flexible kanonische Struktur eingerichtet. Zudem ist vorhersehbar, dass der Inhalt der vorliegenden Apostolischen Konstitution und der Ergänzenden Normen in den Dekreten zur Errichtung jedes einzelnen Ordinariats der besonderen örtlichen Situation angepasst wird. Wie der Heilige Geist die Vorbereitung dieser Apostolischen Konstitution geleitet hat, so möge er auch bei ihrer Anwendung helfen.

[© Die Tagespost vom 12.11.2009. Übersetzung aus dem Englischen von Claudia Reimüller]