Dem Menschenhandel den Kampf ansagen

Justitia et Pax Europa appelliert an europäische Regierungen

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BERN, 7. April 2009 (ZENIT.org).- Justitia et Pax Europa, der Zusammenschluss von 31 bischöflichen Nationalkommissionen für Gerechtigkeit und Frieden, ruft zur Ratifizierung, Anwendung und Überwachung der Europarat-Konvention gegen Menschenhandel auf.



Die UNESCO schätzt die Zahl der Betroffenen dieses Verbrechens, das im Verborgenen stattfindet, für das Jahr 2007 auf 500.000 bis zwei Millionen Menschen. Da es sich über Nationen und Kontinente hinweg erstreckt, ist es schwierig, die Anzahl der Opfer genau zu beziffern.

„Menschenhandel ist ein Problem, das immer mehr zunimmt“, erklärt Wolfgang Bürgstein, Generalsekretär von Justitia et Pax Schweiz, in einer heute veröffentlichten Erklärung. „Um dieser besorgniserregenden Entwicklung wirksam zu begegnen, ist ein koordiniertes und kooperatives Handeln möglichst vieler Regierungen notwendig. Das weltumspannende Phänomen des Menschenhandels zeichnet sich durch vielfältige Menschenrechtsverletzungen aus: sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit, Formen von Sklaverei wie Ausbeutung durch Betteln und häusliche Knechtschaft sowie Organdiebstahl zu kommerziellen Zwecken.“

Justitia et Pax Europa wendet sich mit fünf Forderungen an alle europäischen Nationen. Die Staats- und Regierungschefs werden aufgefordert,

1. die Konvention des Europarats gegen Menschenhandel zu ratifizieren (CETS Nr. 197 – die Schweiz hat diese Konvention am 8. September 2008 unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert),

2. sich gemeinsam für eine umfassende Anwendung und sorgfältige Überwachung (monitoring) einzusetzen, wie dies in der Europarat-Konvention und im Zusatzprotokoll der Vereinten Nationen zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels (2000), festgehalten ist,

3. deutlichere Fortschritte beim Einhalten der Millenniums-Entwicklungsziele zu erzielen, wie sie von den Vereinten Nationen festgesetzt wurden, und die Zusicherung finanzieller Hilfe einzuhalten,

4. anzuerkennen, dass Europa eine moralische Pflicht hat, die tiefer liegenden Gründe für die „Nachfrage“ in den Zielländern nach „billigen Arbeitskräften“ zu beseitigen,

5. anzuerkennen, dass man die Pflicht hat, den Opfern von Menschenhandel zu helfen und ihre besonderen Bedürfnisse zu respektieren wie Zugang zu medizinischer Versorgung, psychologische Unterstützung und Beratung, Rechtsbeistand und verschiedene Formen von Entschädigungslösungen.

Die Folgen von Menschenhandel sind, so wird in der Presseerklärung hevorgehoben, nicht nur für die Opfer selbst verheerend, sondern auch für die betroffenen Gesellschaften. Papst Johannes Paul II. zufolge stellt Menschenhandel „eine schockierende Beleidigung der menschlichen Würde und eine schwere Verletzung von Grund- und Menschenrechten“ dar.

Während seines Aufenthalts in Afrika sprach auch Papst Benedikt XVI. dieses Verbrechen an: In Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun, wo er am Dienstag, dem 17. März, alle Menschen aufrief, den Hilfeschrei der Afrikaner nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden nicht ins Leere gehen zu lassen, stellte der Papst fest: „Auf einem Kontinent, der in der Vergangenheit erlebt hat, dass viele seiner Einwohner grausam geraubt und verschifft wurden, um als Sklaven zu arbeiten, ist heute der Menschenhandel, besonders mit wehrlosen Frauen und Kindern, zu einer modernen Form der Sklaverei geworden.“