"Dem Teufel darf man nicht mit Argumenten antworten"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 698 klicks

Papst Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Heilige Vater die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium zum ersten Fastensonntag konfrontiert uns jedes Jahr aufs Neue mit der Geschichte der Versuchungen Jesu, als der Heilige Geist, der nach seiner Taufe im Jordan auf ihn niederkam, ihn in die Wüste führte, um vor Beginn seines öffentlichen Wirkens vierzig Tage lang vom Teufel versucht zu werden.

Satan versucht, Jesus vom Heilsplan des Vaters abzubringen, das heißt, vom Weg der Selbstopferung und der Liebe, die sich schenkt, um die Menschen zu erlösen. Stattdessen will der Versucher ihn dazu bewegen, einen leichteren Weg zu wählen, den Weg des Erfolgs und der Macht. Der Kampf zwischen Jesus und Satan erfolgt unter Verwendung von Zitaten aus der Heiligen Schrift. Um Jesus vom Weg des Kreuzes abzubringen, hält der Teufel ihm falsche messianische Verheißungen vor: Geld und Wohlstand, versinnbildlicht durch die Möglichkeit, Steine in Brot zu verwandeln; ein spektakuläres Auftreten als Wundertäter, der sich zum Beispiel vom höchsten Punkt des Jerusalemer Tempels stürzen und von den Engeln retten lassen könnte; und schließlich den Weg der Macht und der Weltherrschaft, im Tausch gegen die Anbetung Satans. Das sind die drei Hauptkategorien von Versuchungen; wir alle kennen sie nur zu gut!

Jesus weist all diese Versuchungen mit Bestimmtheit zurück und beteuert seinen festen Willen, keinem anderen Weg zu folgen als dem, den der Vater festgelegt hat; ohne auf Kompromisse jeglicher Art mit der Sünde und der Logik dieser Welt einzugehen. Achtet darauf, wie Jesus antwortet. Er unterhält sich nicht mit Satan, wie Eva im Garten Eden getan hatte. Jesus weiß nur zu gut, dass man mit dem Teufel keinen Dialog führen kann, denn der Teufel ist listig. Deshalb argumentiert er nicht wie Eva, sondern nimmt seine Zuflucht zum Wort Gottes und antwortet mit der Kraft dieses Wortes. Denken wir immer daran: Wenn wir uns in Versuchung befinden, dürfen wir dem Teufel nicht mit Argumenten antworten, sondern unseren Schutz im Wort Gottes suchen! Das wird uns retten. In den Antworten, die Jesus dem Teufel gibt, erinnert der Herr uns zunächst durch ein Bibelzitat daran, dass „Der Mensch nicht nur von Brot“ lebt, „sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Das verleiht uns Kraft und unterstützt uns im Kampf gegen die weltliche Sichtweise, die den Menschen auf seine elementaren Bedürfnisse beschränken und ihm den Hunger nach jenen Dingen absprechen möchte, die wahr, schön und gut sind; den Hunger nach Gott und seiner Liebe. Außerdem betont Jesus: „In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“ (Mt 4,7), denn der Weg des Glaubens führt auch durch Dunkelheit und Zweifel und nährt sich von Geduld und der Fähigkeit, zu warten. Zuletzt sagt Jesus noch: „In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“ (Mt 4,10); das heißt, wir müssen uns von allen Götzen und leeren Dingen freimachen, um unser Leben auf den wesentlichen Dingen aufzubauen.

Diese Worte Jesu werden in seinem Wirken eine konkrete Anwendung finden. Seine bedingungslose Treue zum Heilsplan des Vaters wird ihn nach etwa drei Jahren zum endgültigen Zweikampf mit dem „Herrscher dieser Welt“ (Joh 16,11) führen, in der Stunde seiner Passion und Kreuzigung, und hier wird Jesus seinen endgültigen Sieg, den Sieg der Liebe davontragen!

Liebe Brüder, die Fastenzeit ist eine günstige Gelegenheit für uns alle, um einen Weg der Umkehr zu beginnen, indem wir uns ernsthaft mit dieser Seite des Evangeliums konfrontieren. Lasst uns das Versprechen erneuern, dass sich mit unserer Taufe verbindet: Wir verzichten auf Satan und auf alle seine Werke und Schmeicheleien – denn er ist ein Schmeichler –, um auf den Wegen Gottes zu gehen und „das Osterfest in der Freude des Heiligen Geistes zu erwarten“ (Präfation für den ersten Sonntag der Fastenzeit).

[Nach dem Angelus:]

Ich richte einen herzlichen Gruß an die Gläubigen der Stadt Rom und an alle Pilger!

Ich grüße die Pfarrgruppen aus Biella und Vercelli, sowie die aus Laura bei Paestum, San Marzano, Aosta, Latina, Avellino und Pachino.

Ich grüße das Kollegium „Santa Maria“ aus Elche, Spanien.

Ein besonderer Gedanke geht an die Jugendlichen aus Rosalina, die nächsten Sonntag die Firmung empfangen werden, an die toskanischen Jugendlichen, die hier in Rom ihr „Versprechen“ ablegen; Jesus folgen zu wollen, und denen aus Paderno Dugnano, Seregno, Bellaria und Curno. Ich grüße auch die Kinder aus Cabiate mit ihren Eltern.

Wir wollen während der diesjährigen Fastenzeit die Aufforderung der internationalen Caritas nicht vergessen, die zur Kampagne gegen Hunger in der Welt aufruft. Ich wünsche allen, dass dieser soeben begonnene Fastenzeitweg reich an Frucht sein möge; und bitte euch alle, in euren Gebeten an mich und die Mitarbeiter der Römischen Kurie zu denken, denn wir werden heute Abend mit der Woche geistiger Exerzitien beginnen. Danke.

Einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit! Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]