Dem Teufel die Beichte abgenommen

Priestererlebnis von Manuel Julian Quiceno Zapata, Kolumbien

Wien, (ZENIT.org100Wunder) | 864 klicks

Als ich Pfarrer eines kleinen Dorfes war, machte ich sonntags für gewöhnlich einen Spaziergang, um auf der Straße mit den Leuten sprechen zu können. Dabei schenkte ich ihnen gerne eine schriftliche Katechese oder ein kleines Heiligenbildchen. Besonders dachte ich dabei an diejenigen, die aus verschiedenen Gründen nie in die Kirche gingen. In der Nähe unserer Pfarrei, die dem heiligen Josef geweiht war, gab es einen Ort, an dem viele zusammenkamen, um eine ‚Fria‘, das heißt ‚ein kaltes Bier‘ zu trinken. Zu diesen Leuten zählte auch ‚er‘. Eines Tages kam am Ende meines Rundganges eine Frau zu mir und fragte mich, ob ich unter den Anwesenden wohl den sogenannten ‚Teufel‘ erkannt hätte. Ich hatte ihn zwar gegrüßt, wie sie beobachtet hatte, und ihm auch eine meiner schriftlichen Katechesen gegeben, hatte aber gleichzeitig keinen Teufel gesehen und auch niemanden, der mir wie ein Teufel vorgekommen war.

Einige Zeit später musste ich zu einem Ordensbruder in ein benachbartes Dorf fahren, aber da mein Auto defekt war, benötigte ich eine Mitfahrgelegenheit. Ich bat einige Leute aus dem Dorf, mir zu helfen. Sofort sagte ein Kind: „Padre, wenn Sie wollen, rufe ich ‚den Teufel‘, dann kann er Sie fahren.“ Stellen Sie sich meine Überraschung in diesem Moment vor! Sicher sollte das ein Scherz sein. Ich nahm aber das Angebot an und sah ihn zum ersten Mal.

Ein gutes Stück des Weges schwiegen wir beide und ich fragte mich, über was ich wohl mit dem Teufel sprechen könnte. Dann begann ich, mich mit ihm zu unterhalten, obwohl ich ein wenig verlegen war. Es kam mir vor, als wäre es mehr ein Interview als ein Gespräch. Als wir unser Ziel erreichten, ließ ich, ohne etwas zu sagen, vor dem Aussteigen in seinem Auto ein Skapulier der Jungfrau vom Karmel zurück. In der folgenden Zeit traf ich ihn noch mehrmals im Dorf – nun kannte ich ihn ja. Ich lud ihn immer zur Messe ein, aber jedes Mal antwortete er mir: „Jetzt nicht, ich habe dafür meine Gründe. Irgendwann werde ich aber kommen.“

Die Zeit verging und eines Morgens kam ein Junge zu mir in die Kirche und sagte mir, dass ein Mann dringend meine Hilfe bräuchte. Er erklärte mir, dass es sich um einen Schwerkranken handle. So nahm ich schnell alles Nötige für die Krankensalbung mit und folgte ihm.

Wie war ich erstaunt, als ich sah, dass dieser Kranke, der auf mich wartete, Ramón war, den sie den ‚Teufel‘ nannten. Dieser Bauer hatte in seinem Leben sehr bittere und schlimme Erfahrungen gemacht und war dadurch abweisend und hart geworden. Er erinnerte sich nicht mehr daran, wann die Leute angefangen hatten, ihn ‚Teufel zu nennen. Aber er hatte sich längst daran gewöhnt. Er lag im Bett, ertrug die Leiden einer schlimmen Krebserkrankung und war dem Tode nahe.

Ich kann mich noch lebend an seine Worte erinnern: „Padre, erkennen Sie mich wieder? Ich bin der, den sie den ‚Teufel‘ nennen. Aber meine Seele habe ich dem Teufel nicht verschrieben, denn die gehört Gott! Bitte, können Sie mir die Beichte abnehmen?“

Dies war ein besonders ergreifender Moment für mich, vor allem als ich sah, was er in seinen Händen hielt: Das Skapulier, das ich damals in seinem Auto gelassen hatte. Nun begleitete ihn dieses Skapulier auf seiner Reise in die Ewigkeit. Außerdem sah ich, dass neben seinem Bett ein Bildchen hing, das ich ihm einmal während meines Dorfspaziergangs geschenkt hatte.

Gott wirkt in unserem Leben auf sehr geheimnisvolle Weise und mit großer Barmherzigkeit. Er wirkt still und einfach, aber er erlaubt uns, seine Gaben mit allen zu teilen. An diesem Tag sprach das ganze Dorf von Ramón. Und ich dachte bei mir: „Ich habe dem Teufel die Beichte abgenommen.“

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