„Dem unheilbaren und sterbenden Kranken beistehen“

Ethik-Kongress der Päpstlichen Akademie für das Leben reflektiert Endphase des Lebens

| 762 klicks

ROM, 22 Februar 2008 (ZENIT.org).- Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Elio Sgreccia, hat zu einer vertieften ethischen Reflexion des Umgangs mit Kranken und Sterbenden angeregt. Sie sei nicht zuletzt wegen der Zulassung der aktiven Sterbehilfe etwa in den Niederlanden, in Belgien oder Luxemburg notwendig, erklärte Sgreccia am Donnerstag bei der Programmvorstellung eines Ethik-Kongresses der Akademie im Vatikan.

Die Päpstliche Akademie für das Leben (PAV) wird den internationalen Kongress am 25. und 26. Februar durchführen. Das Thema lautet: „Dem unheilbaren und sterbenden Kranken beistehen: ethische und praktische Orientierungen“.

Unter den rund 400 Teilnehmern sind auch der deutsche Philosoph Robert Spaemann sowie der in Köln lehrende Staatsrechtler Wolfram Höfling.

Bischof Elio Sgreccia betonte bei der Vorstellung des Programms: „Die Chroniken unserer Tage berichten laufend über teilweise dramatische Fälle von therpeutischen Eingriffen zugunsten des Lebens, die die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit finden.“ Die neuen medizinisch-technischen Möglichkeiten bedeuteten größere Überlebenschancen und eine Verbesserung der Gesundheit für viele, manchmal aber auch eine Verschlechterung und zusätzliches Leiden. Fachleute aus aller Welt würden sich auf dem Kongress mit diesen Themen aus medizinisch-wissenschaftlicher, anthropologischer, ethischer und deontologischer Sicht auseinandersetzen.

Neben medizinischen und psychologischen Aspekten müsse man allerdings auch die ethische und spirituelle Bedeutung der Endphase des Lebens in den Blick nehmen, so Sgreccia. Es gehe darum, den Tod als Teil des Lebens zu begreifen.

Der Bioethik-Experte Maurizio Calipari bekräftigte, ein Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen habe nach katholischer Einschätzung nichts mit Euthanasie zu tun. Der Patient habe nicht nur das Recht, sondern in manchen Fällen sogar die Pflicht, sich „exzessiven therapeutischen Handlungen“ zu entziehen. Von Euthanasie spreche die Kirche dann, wenn die betreffende Maßnahme eine beschleunigte Herbeiführung des Todes zum Ziel habe.

Bischof Sgreccia betonte in diesem Zusammenhang, für die katholische Kirche sei der unumkehrbare Ausfall der zentralen Hirnfunktionen das entscheidende Todeskriterium. In der Vergangenheit habe man die Leichenblässe als Beweis für die Abwesenheit der Seele interpretiert, ebenso galten starre Pupillen oder Auslaufen der Augen als solches Zeichen. Für die Kardiologie gilt der Mensch als tot, sobald ein irreversibler Herzstillstand, der die Blutzufuhr zum Hirn beendigt, eingetreten ist: der Herztod.

Durch die medizinische Technik gebe es die Möglichkeit, den vollständigen und irreversiblen Funktionsausfall des Hirns einschließlich des Hirnstamms zu diagnostizieren und so den Hirntod festzustellen. Dabei könnten durchaus noch bestimmte Körperfunktionen, wie etwa die Atmung oder indirekt auch der Herzschlag zumindest teilweise festgestellt werden. Dies sei sehr wichtig für die Richtlinien bei Organstransplantationen, erklärte der Bischof, denn vorübergehendes Versagen der Atemfunktion, der Herztätigkeit und des Kreislaufs könne durch Reanimationstechnik kompensiert und überbrückt werden. Hingegen sei es nicht möglich, die gesamten Auswirkungen des vollständigen irreversiblen Funktionsausfalles des Herzens mit Kreislaufstillstand und des Gehirns, einschließlich des Hirnstamms, durch irgendwelche Maßnahmen zu beheben.

Ein irreversibler Funktionsausfall der Herzaktion und des spontanen Kreislaufs oder des Gehirns, einschließlich des Hirnstamms, führe zwangsläufig zum Tod des gesamten Organismus und sei daher mit dem Tod gleichzusetzen.

Die Kirche setzte allerdings den Beginn des Lebens mit dem Zeitpunkt der Befruchtung der Eizelle an. Auch wenn ein Embryo im frühen Stadium noch kein Gehirn besitze, seien dennoch alle nötigen Gene zu dessen Ausbildung vorhanden.

Bei der Suche nach den diagnostischen Hilfsmitteln zur sicheren Erkennung des Todes bzw. des Funktionsausfall des Zentralnervensystems gehe es um verbindliche Kriterien, so der Leiter der FIAMC und Mitglied der Päpstlichen Akademie, Dr. Gian Luigi Gigli. Nur diese könnten sicherstellen, dass der relevante Hirntod etwa durch ein Elektroencephalogramm (EEG) genügend zuverlässig beurteilt werde.

Das Ende des Lebens sei aber nicht nur ein klinisches Faktum, da den Christen die ontologische Gewissheit trage, mit dem Sterben in Christus endgültig vollen Anteil am unsterblichen Leben zu erhalten, ein Leben, das auch den Leib in die Auferstehung Christi mithineinnehme.