Dementi aus dem Vatikan: Papst will liturgische Erneuerung im Geist des Konzils nicht stoppen

Ein Motu Proprio zur Klärung der Übertragung von Befugnissen an die Rota Romana in Planung

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Von Angela Reddemann

ROM, 14. Februar 2011 (ZENIT.org).- Heiß her geht es in der Berichterstattung mancher römischer "Vaticanisti" besonders dann, wenn päpstliche Lehrschreiben und Entscheidungen zum ersten Mal angekündigt werden. Die publizierten Vermutungen haben oft epische Züge, manche sind auch phantasievolle Projektionen eigener Wünsche. So geschehen mit der Ankündigung eines Dokuments, das eine Neuregelung der Zuständigkeiten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung betrifft.

Mancher Vaticanista hatte vielleicht schon zu lange vom Ende jeder liturgischen Erneuerung geträumt, welche die Konzilsväter des II. Vatikanum in Treue zur lebendigen Tradition angeregt hatten. So kündigte man einfach als Nachricht an, der unbekannte Inhalt des "Motu Propio" von Papst Benedikt XVI. wäre ein endgültiger Schlussstrich dieser Entwicklung und ein Korrektiv für alle Verirrungen.

Vaticanisti haben ja schließlich immer die Nase vorn und wissen mehr als andere. Diese medial wirksam lancierten privaten Projektionen und Vermutungen haben jetzt den Pressepsrecher des Heiligen Stuhls dazu gebracht, eine klärende Stellungnahme abzugeben.

Eigentlich müsste ein Gefühl für Lebensvorgänge in der katholischen Kirche sich im Wissen zeigen, dass Papst Benedikt XVI. zu diesem Bemühen der Weltkirche stehe, die heilige Liturgie der katholischen Kirche als Ausdruck der Feier des lebendigen Gottesvolkes, das in der Zeit pilgere, in kreativer Treue zu erneuern.

Aber P. Frederico Lombardi SJ musste dennoch Klartext reden und offiziell bestreiten, dass Papst Benedikt XVI. ein Dokument zu Beschränkung der liturgischen Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils herausgehen wolle.

Der Jesuitenpater wiederholte aber seine schlichte Ankündigung von letzter Woche, dass „seit geraumer Zeit ein ‚Motu Proprio' erarbeitet wird, um die Übertragung von rechtlich-sachlichen Zuständigkeiten zu bestimmen, so zum Beispiel soll der Akt einer Aufhebung einer gültigen und vollzogenen Ehe von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakrmantenordnung auf den Gerichtshof der Römischen Rota übertragen werden."

Pater Lombardi sagte, dass „es jedoch keine Grundlage dafür gibt, darin die Absicht zu sehen, eine ‚einschränkende' Überprüfung durch die Kongregation in der Förderung der durch das Zweite Vatikanum gewünschten liturgischen Erneuerung einzuführen."

Derzeit ist es laut der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus Aufgabe der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung „über die Tatsache des Nichtvollzugs der Ehe zu urteilen und darüber, ob ein gerechter Grund besteht, eine Dispens zu gewähren. Daher empfängt sie alle Akten zusammen mit dem Votum des Bischofs und den Anmerkungen des Ehebandverteidigers, prüft sie aufmerksam entsprechend dem besonderen Verfahren und legt, wenn es der Fall ist, dem Papst die Bitte um Erteilung der Dispens vor."

Der Apostolische Tribunal der Rota Romana ist für die Anträge auf Feststellung der Nichtigkeit der Ehe zuständig. Diese stellen die Mehrheit der Angelegenheiten dar, mit denen der Gerichtshof beschäftigt ist.