Demokratisch legitimierte Armeen brauchen ethische Bildung

Das Österreichische Verteidigungsministerium veröffentlicht Sammelband zur Militärethik

Bonn, (ZENIT.orgAPD) | 784 klicks

Das Österreichische Verteidigungsministerium und die Katholische Militärseelsorge Österreichs haben einen Sammelband zur Militärethik herausgegeben, der Ende 2012 online als kostenloser Download zur Verfügung stand und jetzt in gedruckter Form unter dem Titel „Ethik im Kontext individueller Verantwortung und militärischer Führung“ erschienen ist.

Herausgeber seien der deutsche protestantische Ethiker Thomas Schirrmacher und der Sozialphilosoph und Militärethiker Edwin R. Micewski, österreichischer Brigadegeneral a. D., so „Bonner Querschnitte“, Plattform der Evangelischen Allianz in Deutschland. Der Sammelband beruhe auf Expertenrunden und Tagungen der Akademie für Kommunikation der Bundeswehr in Strausberg bei Berlin, deren Ergebnisse und Empfehlungen am Ende des Bandes abgedruckt seien.

In einer hochkomplexen Zeit mannigfacher sicherheits- und gesellschaftspolitischer Herausforderungen könnten militärethische Fragestellungen nur durch Interdisziplinarität und Vernetzung der mit dem Thema befassten Institutionen und Experten bewältigt werden, darauf verweise der Leiter des Zentrums für Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz, Generalmajor Alois Bach, in seinem Buchbeitrag. In diesem Sinne verstehe sich die Publikation, indem sie die Expertise eines katholischen Ethikers, Prof. Dr. Uto Meier von der Katholischen Universität Eichstätt, mit dem Zugang der beiden Herausgeber vereine. Der eine von ihnen sei an der Schule der protestantischen Sozialethik ausgerichtet, der andere stehe in der humanistischen Tradition der Transzendentalphilosophie. Zudem würden in Deutschland, Österreich und in den USA gemachte Erfahrungen zur Bandbreite des Buches beitragen.

Der Band wurde vom Institut für Religion und Frieden des Katholischen Militärbischofsamtes in Österreich in dessen Publikationsreihe „Ethica Themen“ herausgegeben.

Im Geleitwort zur Publikation begrüße der Leiter des Instituts für Religion und Frieden, Bischofsvikar Dr. Werner Freistetter, die übergreifende Zusammenarbeit deutschsprachiger Länder in Bezug auf die Militärethik und verbinde mit der Herausgabe dieses Bandes die Hoffnung, dass dieser mit seinen Beiträgen zur weiteren Beschäftigung mit Aspekten des komplexen Feldes militärischer Ethik als auch zur Intensivierung der interkonfessionellen, interdisziplinäre und internationalen Zusammenarbeit beitragen möge.

Die beiden Herausgeber verwiesen darauf, dass für Streitkräfte in der Demokratie die Militärethik gleich zu Beginn mit einem der größten ethischen Dilemmata aufwarte – nämlich die potenzielle Gewaltanwendungsfunktion des Militärs in einem demokratiepolitischen Umfeld zu rechtfertigen, welches den Schutz des Lebens und das Tötungsverbot zu seinen höchsten Werten zähle.

Die innerhalb des staatlichen Gewaltmonopols legitimierten Streitkräfte könnten jedoch von den menschenrechtsverachtenden und kriegsfördernden illegitimen bewaffneten Gruppierungen der Geschichte und Gegenwart nur unterschieden werden, wenn einerseits politisch, anderseits aber auch in der innermilitärischen Orientierung und Aufgabenerfüllung die ethische Ausrichtung auf Menschenrechtsschutz, Demokratie und Friedensziel gewährleistet sei.

Es sei daher die Bewusstmachung der im Deutschen Grundgesetz und in der Österreichischen Bundesverfassung verankerten Grundwerte, für das Ethos eines Soldaten, der sich als Vertreter einer freiheitlich-demokratischen Staatsordnung verstehe, ebenso unumgänglich wie seine Bindung an die ethischen Normen gerechter Kriegführung und moralisch einwandfreien soldatischen Handelns im Einsatz.