Demut und Gehorsam göttliche Eingenschaften

Impuls zum 6. Sonntag der Osterzeit

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 596 klicks

Die Osterfreude hält an.

Am heutigen 6. Sonntag in der Osterzeit bringt Jesus, der Herr, uns einen Aspekt der Freude nahe, der nicht allen Menschen auf Anhieb einleuchten mag. Jesus sagt doch tatsächlich, dass nur derjenige ihn wirklich liebt, der an seinem Wort festhält.

Hier stellen sich gleich zwei Fragen.

1. Was heißt das, an Jesu Wort festhalten? und

2. Warum ist es so wichtig, dass wir Jesus lieben?

An seinem Wort festhalten hat etwas mit Gehorsam zu tun. Nun ist der heutige Mensch ja sehr kreativ, und ein vorgegebenes Wort einfach nur festhalten, ohne es infrage zu stellen, ist vielen nicht genug. Zumindest wenn es sich um das Wort Gottes handelt. Worte, die von den großen Medienkapitänen ausgegeben werden, kritiklos anzunehmen, das ist schon etwas anderes.

Ein reizvolles Beispiel dafür, wie ideologische Vorgaben, die einmal ganz witzig waren, alt werden und sich überholen, bietet eine Inschrift an der Bibliothek einer nordwestdeutschen Universität. Wenn man sich von der Seite nähert, sieht man an der Hauswand in großen Buchstaben; „Gehorche“, und man ist verblüfft und fragt sich, wer erwartet denn heute noch Gehorsam, und das von jungen Leuten? Aber wenn man um die Ecke zum Eingang weitergeht, sieht man in ebenso großen Lettern „Keinem!“

Sicher ein interessanter Gag zu seiner Zeit (vor vierzig Jahren), nur schade, dass die Inschrift in deutscher Qualitätsarbeit offensichtlich sehr dauerhaft befestigt ist. Die Studenten, die sich diese Worte jahrelang jeden Tag ansehen müssen, und die ohnehin manches Altachtundsechziger-Gehabe nicht mehr cool finden, fragen sich irgendwann einmal: warum sollte ich denn dieser Parole gehorchen?

Die zweite Frage, warum sollen wir Jesus denn lieben? führt auf eine andere Ebene. Es gibt viele religiöse Menschen, die sich damit begnügen, an Gott und eventuell auch an die Lehre der Kirche zu glauben, aber sie belassen es bei einem eher sachlichen Verhältnis. Man respektiert Gott und sein Gebot, aber man kommt nicht auf die Idee (weil es einem keiner gesagt hat), dass Gott mit den Menschen ein Liebesverhältnis eingehen möchte.

Unermüdlich spricht Jesus immer wieder von der Liebe, die zwischen ihm und dem Vater herrscht, und er will uns klarmachen, dass er nichts Geringeres für uns will, als uns in diese Liebe hineinzuziehen.

Man hört aus den Worten Jesu heraus, wie sehr diese Liebe zu uns Menschen sein Herz bewegt. Es tut ihm unendlich leid, dass er nach seiner Auferstehung nicht unter uns auf Erden bleiben kann. Aber Liebe ist erfinderisch: er entdeckt eine Möglichkeit, gleichzeitig hier und dort zu sein. Er ist zum Vater heimgekehrt und bleibt dennoch bei uns, und zwar ganz nah bei uns, in der hl. Eucharistie.

Das Evangelium, das heute in der Hl. Messe vorgetragen wird, weitet sich zu einem trinitarischen Zusammenhang. Jesus spricht vom Vater und vom Heiligen Geist. Wie immer sind seine Worte einfach, ja demütig, trotz des unendlich erhabenen Themas. Wie er davon spricht, dass der Vater den Heiligen Geist senden will, klingt das fast beiläufig. Alle drei göttlichen Personen sind offensichtlich höchst bescheiden. Der Heilige Geist wird „euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ Joh 14,25), als habe er selber nicht auch vieles zu sagen, „er wird von dem nehmen, was mein ist“ (Joh 13,17). Auch Jesus selbst verkündet nicht sein Eigenes, vielmehr handelt er bewusst nur im Auftrag des Vaters. Aus Joh 5,19 geht außerdem seine absolute Ergebenheit gegenüber dem Vater hervor: „Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht“.

Fazit: Wenn Gott, der dreifaltige Gott, die Bescheidenheit selber ist, und überdies alle drei Personen offensichtlich nichts anderes im Sinn haben, als selber zugunsten des anderen zurückzutreten und lieber zu gehorchen als zu befehlen, dann müssen wir uns unbedingt auf diesen „Lebensstil“ einlassen und uns bemühen, ebenso zu sein.

Natürlich ist das nicht einfach, denn wir haben ja immer wieder damit zu kämpfen, dass das liebe „Ich“ sich vordrängt.

Maria, die uns in diesem Monat besonders vor Augen steht, wird „Mutter der schönen Liebe“ genannt. „Schöne Liebe“ heißt sicher auch das:

unser „Eigenes“ vergessen und „am Wort Jesu festhalten“.