Den Glauben durch die Liebe bezeugen

Treffen der für karitative Aktionen der europäischen Bischofskonferenzen Verantwortlichen in Triest beendet

Rom, (ZENIT.org) | 190 klicks

Das Verhältnis von Glaube, Nächstenliebe und Evangelisierung; die Rolle des Bischofs und der Gemeinde in einer Pastoral der Nächstenliebe, die über eine Hilfe bei augenblicklichen Bedürfnissen hinausgeht und den Menschen die Geborgenheit einer Gemeinde bietet, die durch ihr Leben ein Zeugnis vom Glauben an Jesus ablegt, der arm und für die Armen geboren ist: Das sind die Themen, die beim Treffen der für karitative Aktionen der europäischen Bischofskonferenzen verantwortlichen Bischöfe und Beauftragten in Triest (Italien) am 4. bis 6. November im Mittelpunkt der Gespräche standen.

Das vom Päpstlichen Rat „Cor Unum“ in Verbindung mit der Kommission „Caritas in Veritate“ organisierte Treffen fand in Triest statt, nachdem der Erzbischof dieser Stadt, Msgr. Giampaolo Crepaldi, der zugleich auch Vorsitzender der oben genannten Kommission des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen ist, dazu eingeladen hatte. Die Basisvorträge, die sich mit dem Thema der tiefen Beziehung zwischen Glauben und Nächstenliebe aus theologischer, ekklesiologischer und pastoraler Sicht befassten, wurden dem Präsidenten des Päpstlichen Rats „Cor Unum“, Kardinal Robert Sarah, und dem Erzbischof von Genua und Vizepräsidenten des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Angelo Bagnasco anvertraut. Es folgten die Beiträge von Msgr. Giampietro Dal Toso, Sekretär des Päpstlichen Rats „Cor Unum“, Prof. Helmuth Pree, Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Prof. Heinrich Pompey, Dozent an der Universität Olomuc (Tschechische Republik), die einzelne Aspekte des „Motu Proprio“ Benedikts XVI. „Intimae Ecclesiae Natura“ vertieften und sich besonders mit dem kirchlichen Dienst für die Nächstenliebe und der Theologie der Nächstenliebe befassten, die die Grundlage dieses Dokuments bilden. Die Tagung wurde auch durch den Beitrag des Direktors der Caritas von Triest, don Roberto Pasetti, und der Aussage der Albanerin Frau Miranda Mulgeci Kola bereichert sowie durch einen Besuch in der Armenmensa der Stadt. Als Vertreter der politischen und zivilen Behörden der Stadt nahmen an dem Treffen teil: die Präfektin der Stadt, Dr. Francesca A. Garufi, der Bürgermeister Dr. Roberto Cosolini und die Vorsitzende der Hafenbehörde, Dr. Marina Monassi. Die weltlichen Behörden der Stadt Triest haben damit ihre Anerkennung der Arbeit bekunden wollen, die die Kirche und besonders die Erzdiözese Triest im Dienst der sozial Schwächeren Bürger leisten.

Sowohl die Vorträge als auch die darauf folgenden Debatten haben deutlich den engen Zusammenhang von Glauben, Nächstenliebe und Evangelisierung gezeigt. Die in Triest versammelten Bischöfe vertraten die Ansicht, dass Nächstenliebe ohne den Glauben unvorstellbar sei: Das würde die Kirche auf den Rang einer Nichtregierungsorganisation herabsetzen. Umgekehrt wäre aber auch der Glaube ohne Nächstenliebe unvorstellbar, denn es bliebe dann nur eine weltferne Verheißung. Echter Glaube aber brauche konkrete Werke.

Ein Gedanke hat sich im Laufe des Treffens herauskristallisiert: dass die karitativen Eingriffe der Kirche von der gesamten Gemeinschaft aller Christen getragen werden sollen. Denn obwohl Nächstenliebe ein Aspekt des individuellen Glaubens jedes einzelnen Christen sei, brauche sie zugleich die Gemeinschaft, um ihren kirchlichen Charakter nicht zu verlieren. Auch könne man karitative Initiativen nicht irgendeinem eigens dafür geschaffen kirchlichen Organ überlassen, denn wie das Zeugnis der einzelnen Pfarreien beweise, müssten sich solche Initiativen immer den Bedürfnissen der lokalen Gemeinden anpassen. Die Bischöfe ihrerseits sind immer mehr damit beschäftigt, die Arbeit der einzelnen karitativen Institutionen innerhalb ihrer Diözesen zu koordinieren und zu lenken.

Was das „Motu proprio“ Benedikts XVI. betrifft, haben die Bischöfe dessen Bedeutung hervorgehoben und manche juristischen und logistischen Aspekte der zahlreichen karitativen Institutionen vertieft, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. „Intimae Ecclesiae Natura“ entwickelt sich immer mehr zu einem Dokument, aus dem die verschiedenen karitativen Einrichtungen Motivation schöpfen. Gleichzeitig beweist es, wie die Pastoral der Nächstenliebe zu einem wichtigen Instrument der Evangelisierung werden kann. Aus dem Dokument geht klar hervor, dass karitative Aktionen, die durch die ganze Gemeinde erfolgen, nicht nur eine Antwort auf augenblickliche Nöte sind, die sie zu lindern versuchen, sondern den Menschen ein Umfeld bieten, das ihnen eine ganzheitliche Entfaltung ihrer Persönlichkeit ermöglicht. Denn durch die Hilfe in einer materiellen Notlage trägt die Gemeinde dem Betroffenen vor allem eine menschliche Nähe an, die Ausgrenzung und Einsamkeit entfernt und ein Zeugnis von dem ablegt, was eine Glaubensgemeinschaft auszeichnet: hnd das ist ihr Glaube an Gott.