Den Glauben nicht nur bewahren, sondern verbreiten (Teil 1)

P. McCloskey gibt Ratschläge zur Evangelisierung

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CHICAGO, 28. Juni 2007 (ZENIT.org).- Jeder, der einem Katholiken begegnet, ist ein potentieller Konvertit: Das ist die Überzeugung des Autors eines neuen Buches, das davon handelt, wie man den Glauben weitergeben kann.



Dr. C. John McCloskey, Priester der Prälatur Opus Dei und Forschungsdozent am Institut „Faith and Reason“ („Glaube und Vernunft“), ist dadurch bekannt geworden, dass er einer Reihe von prominenten Persönlichkeiten geholfen hat zu konvertieren, etwa dem US-Präsidentschaftskandidaten Sam Brownback oder dem Richter Robert Bork, dem Arzt Dr. Bernard Nathanson, dem Journalisten Robert Novak, dem Verleger Alfred Regnery oder dem Ökonomen Lawrence Kudlow, um nur einige zu nennen.

Vor kurzem hat sich P. McCloskey mit Russell Shaw zusammengetan, um ihrer beider Begabungen und Kenntnisse in einem Buch zu bündeln. Das Werk trägt den Titel: „Good News, Bad News: Evangelization, Conversion and the Crisis of Faith“ („Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten: Evangelisation, Konversion und die Krise des Glaubens“).

Im folgenden Interview mit ZENIT spricht der Priester von der engen Verbindung zwischen Evangelisierung und Freundschaft und beantwortet die Frage, worin die Anziehungskraft der Kirche und gläubiger Katholiken eigentlich besteht.

ZENIT: Wie kamen Sie dazu, das Buch „Good News, Bad News“ zu schreiben?

-- Pater McCloskey: Die Idee kam eigentlich von meinem Mitarbeiter, dem bekannten Journalisten und Buchautor Russell Shaw, der mich besuchte, als ich Leiter des „Catholic Information Center“ in Washington D.C. war, und der mir diesen Vorschlag machte.

Shaw meinte, meine Erfahrung und die Erfahrungen der Menschen, die ich auf ihrem Weg in die Kirche begleitet habe, könnten hilfreich sein für fragende potentielle Konvertiten und für die vielen Priester, Ordensleute und gläubigen Laien, die so gerne ihren Glauben auf persönliche Art und Weise weitergeben möchten – vor allem durch eine starke Freundschaft, die dazu führt, die Freude zu teilen, die es bedeutet, katholisch zu sein.

Ich hatte bereits einige Artikel mit entsprechenden Ratschlägen zu diesem Thema geschrieben und auch eine beträchtliche Zahl kleinerer Aufsätze über Kirchengeschichte, die dazu beitragen sollen, meine Gedanken und Erfahrungen in einen historischen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Wir leben in einer wunderbaren Phase der Geschichte, in einer Zeit der Neuevangelisierung, wie sie – angetrieben vom Heiligen Geist – in den Pontifikaten Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. erkennbar ist. Die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils beginnen jetzt, ihre Früchte zu tragen.

ZENIT: Worin unterscheidet sich ein gesunder missionarischer Eifer von einem falschen „Proselytismus“?


-- Pater McCloskey: Zu einem gesunden missionarischen Eifer gehört die Achtung vor der Würde der menschlichen Person und ihrer inneren Freiheit.

Um einen schlechten Proselytismus, das heißt schädliche Bekehrungsversuche, handelt es sich, wenn Druck und eine Art Zwang ausgeübt werden, die der Freiheit, die Christus für uns am Kreuz erworben hat, vollkommen entgegengesetzt sind. Die Wahrheit macht uns frei, aber sie muss in Freiheit angenommen werden, um wirksam werden zu können.

Um einen gesunden missionarischen Geist handelt es sich, wenn dieser Prozess sich in einer Atmosphäre aufrichtiger persönlicher Freundschaft entwickelt, in der der potentielle Konvertit erkennt, dass seinem Freund wirklich in erster Linie sein zeitliches und ewiges Glück am Herzen liegt. Wem es ein Herzensanliegen ist, seinen Glauben als Apostel mit anderen zu teilen, sollte sich selbst als Werkzeug sehen, dessen sich Gott bedient, um seinem Freund das Geschenk des Glaubens anzubieten, das dieser in Freiheit annehmen oder zurückweisen kann.

Dieser Prozess kann Monate, Jahre, ja sogar Jahrzehnte dauern. Ich weiß, dass es spontane Bekehrungen gibt. Ich habe davon gelesen, aber nie eine erlebt. Erlebt habe ich allerdings, wie Menschen zu schnell „konvertiert“, in die Kirche eingetreten sind – und in einigen Fällen später abgefallen sind.

Aber es gibt immer die Chance, zurückzukommen. Das Siegel der Taufe und das der Firmung bleiben; und ebenso bleibt Gottes Liebe zu diesen Menschen.

Ein engagierter Katholik hält immer Ausschau nach Gelegenheiten, seinen Glauben nach Kräften mit anderen zu teilen. Die wirkungsvollste Methode ist die, durch die die Kirche in den ersten Jahrhunderten gewachsen ist: durch die Macht des „persönlichen Einflusses“, um den Ausdruck zu gebrauchen, den der ehrwürdige John Henry Newman geprägt hat; das heißt, durch die Macht eines guten, anziehenden Beispiels christlicher Tugend, verbunden mit einem Leben tiefen Gebets und einem intensiven sakramentalen Leben.

Zusammen mit einer persönlichen Freundschaft von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie, und inspiriert von der Gnade, wird das dann unausweichlich zu einem mächtigen Bollwerk, das jeder „Kultur des Todes“ standhält – wie damals im römischen Reich, so auch heute in unserer konsum- und sexbesessenen westlichen Gesellschaft.

Das geschieht aber nicht über Nacht. Gott hat alle Zeit der Welt.

ZENIT: Was kann der Gläubige im Einzelnen tun, um die Menschen, die ihn umgeben, zur Bekehrung zu veranlassen?

-- Pater McCloskey: Was die menschliche Ebene angeht, helfen dieselben Ratschläge wie für das Gewinnen von Freunden.

Der erste Rat lautet: Sei eine interessante Person. Das heißt vor allem: Sauge die westliche Kultur in dich auf so weit du kannst, indem du alles, was an dieser Kultur gut ist, liest, dir anhörst und anschaust.

Zweitens: Werde ein Experte in Sachen Menschlichkeit. Verstehe und liebe die Menschen so wie sie sind, und schaue, was du von ihnen lernen und was du ihnen selbst geben kannst. Handle nach dem Motto: Willst du Freunde gewinnen, sei selber ein Freund.

Ein Katholik, dem es ernst ist mit seinem Glauben, sollte Dutzende von Freunden haben, wobei diese Beziehungen nicht alle das gleiche Naheverhältnis aufweisen müssen.

Und betrachte ausnahmslos jeden Nicht-Katholiken als einen potentiellen Konvertiten. Das ist Christi Wille. Er starb für alle, nicht nur für einige wenige, und er will, dass jeder sein enger, innig mit ihm verbundener Freund ist – als Teil seiner Familie, der Kirche.

Was die übernatürliche Ebene angeht, gilt das, was bereits erwähnt wurde: Je mehr wir uns dem Gebet und der geistlichen Lektüre widmen, die Sakramente empfangen und auf die Lehre der Kirche hören – und damit immer mehr in Gott eintauchen –, desto mehr kann Gott durch uns bewirken, dass die Menschen durch ihn in seine Kirche kommen.

Vor allem sollten wir stets für unseren Freund beten und ihm dabei helfen, mit Gott Schritt zu halten. Wir sollten uns immer fragen: „Was braucht er als Nächstes, und was kann ich tun, damit er es bekommt?“

[Teil 2 erscheint am Samstag]