Den Glauben selbstbewusst und froh leben – Apostolatsbewegung Regnum Christi

Interview mit P. Klaus Einsle LC

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MÜNCHEN, 18. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Wir wollen die Kirche von innen her aufbauen, indem wir all das Gute der anderen Gruppen, der Priester und Bischöfe hervorheben und verbreiten“, erläutert P. Klaus Einsle LC gegenüber ZENIT eines der Grundanliegen der Apostolatsbewegung Regnum Christi.



Weltweit gehören der Bewegung, die 1959 vom Gründer der Legionäre Christi, Pater Marcial Maciel, initiiert wurde, rund 65.000 Laien, Diakone und Priester an. Im Jahr 2004 wurden ihre Statuten vom Heiligen Stuhl approbiert.

P. Einsle, der unter anderem in der Jugendpastoral des Regnum Christi in Deutschland tätig ist, kommt im folgenden Interview auf die Entstehung und das Apostolat von Regnum Christi zu sprechen.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde die Apostolatsbewegung Regnum Christi gegründet? Welche Aspekte waren dem Gründer besonders wichtig?

P. Einsle: Das Regnum Christi ist eine Gemeinschaft von Menschen, die der innere Wunsch verbindet, den Glauben selbstbewusst und froh zu leben und aktiv weiterzugeben. Deshalb nennt sich das Regnum Christi auch offiziell „Apostolatsbewegung“. Dies war der grundlegende Fokus, den P. Marcial Maciel, der Gründer des Regnum Christi und der Legionäre Christi, dem Ganzen geben wollte. Wir vereinen Menschen, die im Glauben und der Fähigkeit, sich kirchlich und sozial zu engagieren, wachsen wollen, um den Glauben durch konkrete Apostolate in die Gesellschaft zu tragen. So arbeitet das Regnum Christi inzwischen fast weltweit.

P. Maciel wollte Menschen konkrete Hilfen anbieten, ihre christliche Berufung zur Heiligkeit und zum Apostolat ganz praktisch im Alltag verwirklichen zu können. Dazu werden persönliche geistliche Begleitung, Einkehrtage, Exerzitien und vieles mehr angeboten. Wir bringen uns in das Leben der Pfarreien ein, machen vor Ort mit. Oder wir beteiligen uns an überregionalen Projekten, um so in der Welt von heute zu evangelisieren.

Unserem damals sehr jungen Gründer (geb. 1920, Gründung der Legionäre Christi 1941) war immer wichtig, dass wir felsenfest zum Papst stehen; dass der Nachfolger Petri immer auf uns zählen kann. Wir wollen die Kirche von innen her aufbauen, indem wir all das Gute der anderen Gruppen, der Priester und Bischöfe hervorheben und verbreiten und nicht etwaige Fehler weitertragen. Er konnte sich auch nie mit einem Christentum abfinden, das gemütlich wird. Für ihn bedeutet Christsein immer Risikobereitschaft, sich auf Gott einlassen, den unvorhersehbaren Weg des Herrn gehen.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt ihre Bewegung bei der Verbreitung des Evangeliums?


P. Einsle: Uns ist wichtig, so vielen Menschen wie möglich zu helfen, die Schönheit des Evangeliums und die Freude einer gelungenen Gottesbeziehung, einer sehr persönlichen Christusbeziehung, zu entdecken beziehungsweise vertiefen. Daher fördern wir besonders das aktive apostolische Engagement der Christen. Abgesehen von den geistlichen und katechetischen Grundlagen versuchen wir im Regnum Christi auch ganz praktisches KnowHow für die Evangelisierung in der Welt von heute zu vermitteln.

Die Arbeitsfelder sind sehr unterschiedlich; das hängt von Land und Umständen ab. Hier in Deutschland, wo das Regnum Christi noch am Anfang steht, sind unsere aktuellen Schwerpunkte gemäß dem Wunsch der Bischöfe ganz klar die Familie und die Jugend. Schließlich wollen wir bewusst die Freude verbreiten, die unser Glaube schenkt.

Schon früh lehrte uns Pater Maciel, dass wir nicht den Gott der Gerechtigkeit oder einen Gott der Furcht predigen dürfen, sondern den Gott der Liebe, der aus Leidenschaft zum Menschen selber Mensch geworden ist. Daher ist die liebenswerte Person Christus für unsere Spiritualität ganz zentral; in ihm sehen wir das menschliche Ideal und den Weg, echte, ehrliche, positive, apostolische Christen zu werden.

ZENIT: Sie leben in Düsseldorf. Was hat Sie dazu motiviert, sich dem Regnum Christi anzuschließen?

P. Einsle: Mich hat vom ersten Kontakt an diese Spiritualität beeindruckt. Es war ein christlicher Lebensstil, der mir vom ersten Moment an den Eindruck von Fülle gab: ehrlich danach streben, als Mensch weiterzukommen; aktives und gut abgestimmtes Apostolat; echtes Bemühen nach einer praktischen Nächstenliebe im Umgang aller; eine echte und lebendige Gottesbeziehung durch Christus. All das in einer Einheit, das war neu für mich. Nach einigem Prüfen und längerem Kennenlernen habe ich den Schritt getan. Ich habe diesen Schritt nie bereut, sondern diese Fülle immer mehr als das erfahren, was das Regnum Christi wirklich schenken möchte.

Und dann hat mir diese dynamische Art gefallen: Wenn es ein Problem gibt, wird nicht groß gejammert, sondern man fragt: „Was können wir tun, um es zu lösen?“ Es muss sich dabei keineswegs immer um ein großes Problem handeln. Wir wollen einfach immer lösungsorientiert an ein Thema heran gehen. Das schafft Initiative, Freude, Lust an mehr. Das ist ein positiver christlicher Lebensstil.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzen sie das um?


P. Einsle: Wir haben zahlreiche Angebote, die den Pfarreien und auch anderen Bewegungen und Gruppen helfen können. Da ist etwa das inzwischen gut etablierte Angebot „NET“ (www.kidsnet-deutschland.de): ein ganz neuer Ansatz, durch eine katholische Kinderzeitschrift und Gruppen vor Ort Kindern schon lange vor der Kommunion den Glauben spielerisch nahe zu bringen. Und dann begleiten wir sie natürlich auch später (Alter 6-12).

Zahlreiche Pfarreien, geistliche Bewegungen und sogar einzelne Familien nehmen dieses Angebot gerne wahr. NET bietet den Erwachsenen, die sich für Kinder engagieren wollen, die nötigen Hilfsmittel, um aktiv werden zu können. Dazu gibt es auf NET aufbauende Gruppen in Pfarreien, die von Mitgliedern des Regnum Christi geleitet werden. Dort treffen sich Jungen oder Mädchen im Altern von 11 bis 16 Jahren regelmäßig, um den Glauben zu vertiefen und Projekte für andere Menschen zu organisieren (www.cywn.net). Auch hier gibt es Materialien und Weiterbildungsangebote, die auch dem Nichtfachmann ein konkretes Engagement erleichtern.

Wir haben in verschiedenen Pfarreien schon Jugendpfarrmissionen mit unseren Teams durchgeführt. Dabei haben wir uns an der Leitlinie der deutschen Bischöfe orientiert, nach der die Jugendlichen der Pfarrei nicht nur „Objekt der Pastoral“, sondern selber „aktive Mitgestalter“ sind. Bei solchen Missionen organisieren Firmgruppen oder die Pfarrjugend gemeinsam mit uns ein Programm im eigenen Dorf oder Stadtteil, mit Angeboten für alle Altersstufen (Kinderbibelquiz, Glaubensrallye, Katechesen, Nacht der Versöhnung usw.).

Darüber hinaus bieten wir Einkehrtage, Exerzitien, Eheerneuerungen, Familientage – auch in Pfarreien – an. Außerdem gibt es in wachsender Zahl Angebote im Internet wie einen täglichen Meditationsservice (www.meditationen.org), sozusagen das Morgengebet auf den Bürotisch. Immer mehr Menschen nehmen diesen kostenlosen Dienst dankbar an. Oder die Webseite zum Thema Berufungen (www.berufungen.org).

Die Initiativen sind zahlreich und werden durch das Engagement der Mitarbeiter immer mehr. Immer geht es darum, in der Welt von heute zu evangelisieren, damit Jesus Christus erfahrbar wird.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind in Ihren Augen mit Blick auf die Jugend jetzt besonders wichtig?

P. Einsle: Ich glaube, dass die Jugendlichen zunächst selbst die Schönheit des Glaubens erfahren müssen, um dann selbst zu „Gesandten“ zu werden. Für mich war vor einigen Jahren ein Erlebnis sehr prägend: Ich war für ein dreimonatiges Praktikum in einem unserer Jugendclubs in Barcelona tätig. Dort trafen sich jede Woche rund 100 Jungen zwischen 10 und 16 Jahren zu Gruppenstunden in Teams zwischen 8 und 15 Jungen. Geleitet wurden diese von etwas älteren Jugendlichen.

So gegen Ende dieser für mich sehr bereichernden Zeit befragte ich alle Gruppenleiter einzeln und bat um Ratschläge für meine Aufgaben in Deutschland. Ich wollte unter anderem wissen, warum sie eigentlich im Jugendzentrum mitmachten. Sie nannten verschiedene Gründe. Aber einer brachte es für alle auf den gemeinsamen Nenner: „Hier werde ich gebraucht! Hier habe ich eine Aufgabe.“

Jugendliche wollen gebraucht werden. Sie brauchen Verantwortung, wollen aktiver Teil der Kirche sein. Diesen Bereich betonen wir besonders.

Wir sollten keine Angst haben, die Jugendlichen herauszufordern – weder mit den Inhalten unseres Glaubens, noch mit Aufgaben, die sie übernehmen können. Auch hier gilt die Devise: Je mehr, desto besser. Natürlich muss man sie dann auch begleiten und weiterbilden.

Wir versuchen, die Jugendlichen, die aus unserer Kinderarbeit herauswachsen, mit in diese Arbeit einzuspannen. Und wir sehen: Sie tun es gern und gut. Im aktiven Mitmachen – mit relativ großer Verantwortung – liegt meiner Meinung nach das Geheimnis, die Jugend anzusprechen. So bringen wir sie wirklich mit dem lebendigen Christus in den Sakramenten und dem Gebet zusammen.

Papst Benedikt bittet darum, den Jugendlichen den Glauben wieder neu beizubringen, denn viele kennen ihn heute so gut wie gar nicht mehr. Glaubensvermittlung, Katechese sind sehr wichtig, Erfahrung der Sakramente. Die deutschen Bischöfe möchten „Biotope des Glaubens“ errichten, wo die Jugend den gelebten Glauben erfahren und erlernen kann.

Viele große Ziele, viele Anfänge – aber es gibt noch sehr viel zu tun. Darum suchen wir immer mehr Menschen, die bereit sind, mitzumachen; sich zu engagieren und diese Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen: vor Ort, in der Pfarrei, Gruppe, Schule oder im Freundeskreis. Eben dort, wo jeder einzelne steht, damit das Reich Jesu eben (Regnum Christi) weiter wachsen kann.

Ich freue mich über alle Bewegungen und neuen Aufbrüche, die Gott in unserer Zeit schenkt. In der Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung wird sein Plan für die Kirche und Gesellschaft von morgen wohl ein wenig mehr Wirklichkeit.