„Den Hass mit der Liebe überwinden“: Botschaft des Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog an die Hindus zum Diwali-Fest

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ROM, 16. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung der diesjährigen Botschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog an die Hindus zum Diwali-Fest. Kurienkardinal Paul Poupard ruft in dem Schreiben, das heute vom Pressesaal des Heiligen nStuhls veröffentlicht wurde, zur Überwindung von Hass und Gewalt sowie zu tatkräftiger Nächstenliebe auf, die ihre Kraft aus dem Gebet bezieht.



Das hinduistische „Lichterfest“ symbolisiert den Triumph der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über die Dunkelheit, des Lebens über den Tod und des Guten über alles Übel. Viele Hindus feiern dieses Fest am 1. November.

Weltweit gibt es rund 811 Millionen Hindus (13,4 Prozent der Weltbevölkerung), von denen die meisten in Asien beheimatet sind. Allein in Indien machen die Hindus 81,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

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Liebe Freunde aus dem Hinduismus,

1. Als Menschen, die sich auf der Suche nach dem Absoluten befinden, hält ihr auf eurem geistlichen Weg kurz inne, um voller Freude den „Deepavali“ zu feiern, euer antikes religiöses Fest, das für euch den Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über die Finsternis, des Guten über das Böse und des Lebens über den Tod bedeutet. Seitens des Päpstliche Rates für den Interreligiösen Dialog wünsche ich den Hindus in aller Welt eine frohes „Ditali“-Fest.

2. Mit der Wahrheit, dem Licht, der Güte und dem Leben ist die Wirklichkeit der Liebe eng verbunden. Ich möchte meine Gedanken diesem Thema der Liebe widmen, jener Wirklichkeit, durch die die Gläubigen der verschiedenen Religionen dazu aufgerufen sind, den Hass und das Misstrauen, die in der heutigen Gesellschaft verbreitet sind, zu überwinden. Die jüngsten Terroranschläge in Mumbai (Indien) sind ein weiteres Beispiel für diese Phänomene, die oft in brutaler Gewalt ausarten. Ich bin sicher: Wenn wir uns vom Licht unserer jeweiligen religiösen Traditionen bereichern lassen, wird unser Vorschlag, alle Gläubigen dazu aufzufordern, den Hass mit der Liebe zu überwinden, zum Wohl der ganzen Gesellschaft gereichen. Meine Gedanken sind von der ersten Enzyklika Seiner Heiligkeit Benedikts XVI. Deus caritas est („Gott ist die Liebe”) inspiriert. Der Papst hat dieses Schreiben in der Überzeugung geschrieben, dass seine Botschaft aktuell und wichtig ist „in einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden wird“ (1).

3. Die beste Weise, die Bedeutung von Liebe und die ihr entspringenden Forderungen zu verstehen, besteht darin, von Gott selbst zu lernen. Er ist Liebe, so bekennt es der christliche Glaube, und sein ewiger Sohn ist in der Person Jesu Christi aus Liebe zu uns Fleisch geworden. Gott ist die Quelle und die Fülle aller Liebe. Unsere gegenseitige Liebe ist dieses Namens nur dann würdig, wenn sie ihren Ursprung in Gott hat und von der Einheit mit Gott genährt wird. Dank der Begegnung mit Gott in ihrem unaufhörlichen täglichen Gebet erneuerte zum Beispiel die selige Mutter Theresa von Kalkutta immerfort ihre Liebe zum Nächsten und ihren uneigennützigen Dienst an den Armen.

4. Gott liebt uns alle ohne Ausnahmen, und seine Liebe ist bedingungslos. Unsere menschliche Antwort auf die Liebe Gottes muss sich in der konkreten Sorge um die Geschöpfe Gottes und dabei besonders um die Menschen zeigen. Es ist dringend notwendig, dass die Gläubigen der verschiedenen Religionen der Welt gemeinsam zeigen, dass der Hass mit der Liebe überwunden werden kann. Ist es denn in der schwierigen Situation, in der wir uns heute befinden, nicht möglich, unsere Anstrengungen zu vereinen und so zusammenzuarbeiten, damit es Gerechtigkeit für alle gibt, und folglich auch in gemeinsamen Projekten dahingehend zu wirken, dass sich die Lage der Unterdrückten, der Ausgeschlossenen, der Armen, der Waisen und Schwachen verbessert? „Täglich wird uns bewusst, wie viel Leid es aufgrund vielgestaltiger materieller wie auch geistiger Not in der Welt gibt, und das trotz der großen Fortschritte auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet“ (Deus caritas est, 30). Die moralische und geistige Armut, die vom Hass verursacht wird, dem man es gestattet, im eigenen Herzen zu wachsen, kann von den Gläubigen, die voller Liebe und Mitleid sind, entwurzelt werden. Die Liebe erzeugt Vertrauen, das seinerseits aufrichtige Beziehungen zwischen Gläubigen verschiedener Religionen fördert.

5. Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. beschließt sein Schreiben Deus caritas est mit den folgenden Worten: „Die Liebe ist das Licht – letztlich das einzige –, das eine dunkle Welt immer wieder erhellt und uns den Mut zum Leben und zum Handeln gibt“ (39). Diese Worte des Papstes beziehen sich auf Jesus Christus, das Licht der Welt. Diese Worte können aber auch eure Aufmerksamkeit auf sich ziehen, weil für euch das Licht die Bedeutung des „Diwali“-Festes symbolisiert. Unsere Liebe möge in dieser Welt endlich die Finsternis des Hasses überwinden! Einen frohen „Diwali“ an euch alle, meine lieben hinduistischen Freunde!

Kardinal Paul Poupard,
Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]