Den "Heiligen Gral des Lebens" verständlich machen: Zum Ziel des internationalen Stammzellen-Kongresses im Vatikan (14.-16. September)

Interview mit dem Präsidenten der Internationalen Föderation der katholischen Ärzteverbände (FIAMC), Dr. Josep Maria Simón Castellví

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BARCELONA, 22. August 2006 (ZENIT.org).- Vom 14. bis zum 16. September beraten Ärzte und Experten aus der ganzen Welt in Rom über "Stammzellen und die Zukunft der Therapie – wissenschaftliche Aspekte und bioethische Probleme". Der internationale Kongress wird von der Internationalen Föderation der katholischen Ärzteverbände (FIAMC) und der Päpstlichen Akademie für das Leben gemeinsam organisiert.



Josep Maria Simón Castellví, Präsident von FIAMC, einer weltweiten Vereinigung mit mehr als 30.000 Mitgliedern, erklärt im Gespräch mit ZENIT das Ziel der Beratungen: Wissenschaftlern und Gläubigen eine Vorstellung davon zu geben, "was gemeinhin als 'Heiliger Gral des Lebens' bezeichnet wird". Der spanische Chirurg, verheiratet und Vater von drei Kindern, zeigt außerdem auf, warum die Forschung mit embryonalen Stammzellen ethisch nicht vertretbar ist, und verweist gleichzeitig auf die Möglichkeiten, die die Forschung mit adulten Stammzellen eröffnen.

ZENIT: Was ist das Ziel des internationalen Stammzellen-Kongresses, der im September in Rom stattfindet?

--Simón: Dieser Kongress, der gemeinsam mit der Päpstlichen Akademie für das Leben veranstaltet wird, ist eine Frucht der Arbeiten meines Vorgängers Dr. Gian Luigi Gigli und will das genannte Thema beleuchten, damit sich die Wissenschaftler und ganz allgemein alle Gläubigen eine klare Vorstellung von dem machen können, was gemeinhin als "Heiliger Gral des Lebens" bezeichnet wird.

Der Mensch ist dazu berufen, die Welt mit seiner Arbeit zu vervollkommnen, unseren Planeten mit anderen Menschen zu füllen und mit ihnen in Eintracht zusammenzuleben. Aber der Mensch kann und darf nicht an die Stelle Gottes treten. Wenn das passiert, kommt es uns immer sehr teuer zu stehen. Es ist ja auch das Geld, das Wissenschaftler zur Forschung mit menschlichen Embryonen veranlasst, das Geld gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Stolz und manchmal auch mit dem falschen Glauben, der Menschheit einen Dienst zu erweisen.

ZENIT: In welchen Fällen ist die therapeutische Verwendung von Stammzellen moralisch vertretbar?

--Simón: Die embryonalen Stammzellen sind zur Ausgestaltung des Embryos da. Die adulten Stammzellen bewirken, dass sich das Gewebe regeneriert. Verwechseln wir das, dann machen wir schlechte Wissenschaft.

Beim heutigen Stand der Dinge ist es so, dass ausschließlich die adulten Stammzellen zu Ergebnissen führen, beispielsweise bei der Behandlung von verschiedenen Arten von Leukämie, Herzinfarkten usw. Andere Stammzellen, etwa diejenigen der Nabelschnur, scheinen vielversprechend zu sein, was allerdings noch genau untersucht werden muss.

ZENIT: Gibt es außer dem klaren Nein zu Therapien mit embryonalen Stammzellen noch andere Fälle, die ethisch besorgniserregend sind?

--Simón: Wissenschaft darf nicht in dem Sinne apokalyptisch sein, dass sie immer nur auf die Risiken schaut, die mit dem wissenschaftlichen Fortschritt einhergehen. Aber sie muss realistisch sein und darf nur das annehmen, was akzeptabel ist.

In diesem Sinn muss man sagen, dass die Erlangung embryonaler Stammzellen die Zerstörung von Embryos voraussetzt. Aus diesem Grund können wir weder ihren Gebrauch noch die Forschung mit ihnen zulassen. Außerdem werden diese Zellen von einem sehr komplexen Mechanismus gesteuert, was zu Missbildungen, Tumoren usw. führen kann. Das ist die Realität.

ZENIT: Sie sind vor kurzem zum Präsidenten von FIAMC gewählt worden. Welche vorrangigen Ziele wird diese Organisation in den kommenden Jahren verfolgen?

--Simón: Meine Prioritäten sind die Prioritäten der Kirche und des Papstes. Daneben gibt es auch eigene, nämlich Afrika und die Option für die Mütter. Diese Anliegen sind Präferenzen und schließen andere Themenbereiche nicht aus.

Jahr für Jahr müssen hunderttausende Mütter sterben, wenn sie ein Kind zur Welt bringen, weil es an ärztlicher Betreuung fehlt. Und abertausende Familien leiden sehr daran, dass sie die starken Schmerzen miterleben müssen, die die Mütter vor, während oder nach der Geburt erfahren.