Den „Mann der Schmerzen“ trösten: Pater Werenfried zum Kreuzweg

„Nichts ist schwerwiegender, als sich unbedacht von Jesus abzuwenden, der in seiner Kirche leidet“

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MÜNCHEN, 16. Februar 2008 (ZENIT.org).- Beim weltweiten katholischen Hilfswerk Kirche in Not kann man zur Vorbereitung auf das Osterfest jetzt wieder das weit verbreitete Gebetsbüchlein über den Kreuzweg Jesu Christi bestellen. Der Name der handlichen und liebvoll gestalteten Broschüre „Via Crucis“ lehnt sich an den feierlichen Kreuzweg an, den Papst Johannes Paul II. seit 1991 jährlich im Kolosseum in Rom gebetet hat, eine Tradition, die Papst Benedikt XVI. weiterführt.

Wie der Kreuzweg des Papstes, umfasst auch „Via Crucis“ fünfzehn Stationen. Nach den traditionell gebeteten vierzehn Stationen des Leidens und Sterbens Jesu gibt es die Station: „Jesus wird von den Toten auferweckt.“

Die Andacht kann allein und in Gemeinschaft gebetet werden. Sie eignet sich vor allem für die Freitage der Fastenzeit, für die Karwoche, für Gottesdienste und Wallfahrten.

Wie der Verfasser des Kreuzwegs und Geistliche Assistent von „Kirche in Not“, Pater Joaquin Alliende, im Vorwort erläutert, geht der Kreuzweg auf Andachtsübungen der ersten Christen in Jerusalem zurück, die in gläubiger Ergriffenheit den Weg nachpilgerten, den Christus von der heiligen Stadt zum Kalvarienberg hinaufgegangen war.

„Via Crucis“ ist mit Bildern der Schweizer Malerin Bradi Barth illustriert. Der Kreuzweg kann auch in größerer Stückzahl unentgeltlich bestellt werden unter: Telefon: 0 89 / 7 60 70 55 oder: info@kirche-in-not.de. Anschauen, ausdrucken und anfordern kann man ihn auch
auf: www.kirche-in-not.de.

Wir veröffentlichen das Vorwort zum Kreuzweg, das der Gründer von „Kirche in Not“ verfasst hat.

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Liebe Freunde!

Verlassen und allein am Kreuz, zwischen Himmel und Erde, hat Jesus uns alle erlöst. Aber nur wenn wir ihn lieben und mit ihm vereint sind, wird uns die Gnade der Erlösung für unsere Sünden und der Schlüssel zum Himmel geschenkt. Unsere Einheit mit ihm muss uns kostbarer sein als alle Schätze, die uns die Erde bieten kann.

Niemand aber kann mit ihm eins sein, ohne an seiner Passion und seinem Kreuz teilzuhaben. Deshalb ist die Kirche nirgendwo so blühend wie dort, wo sie um Christi willen Verfolgung leidet oder sich in Not befindet. Und sie ist nirgendwo so sehr in Not wie dort, wo sie vor der Verlassenheit des Gekreuzigten davonläuft.

Unser Werk KIRCHE IN NOT gibt euch eine Möglichkeit der Teilhabe am Leiden Jesu. Über alle Grenzen hinweg nehmen wir etwas, was euch gehört – ein Stück eures Herzens, eine Handvoll Trost, ein Tuch zum Trocknen der Tränen – und geben es an die Länder weiter, wo der Herr erneut seinen Kreuzweg geht, wo er sterbend auf den Kalvarienbergen unserer Zeit hängt. Durch uns könnt ihr auf seinem Kreuzweg ein Licht anzünden, wie Veronika oder Simon von Zyrene es getan haben, und bei seinem Kreuz stehen, wie Maria oder Johannes.

Weist diese Möglichkeit nicht zurück. Denn nichts ist schwerwiegender, als sich unbedacht von Jesus abzuwenden, der in seiner Kirche leidet. Und nichts ist kostbarer, als unseren verlassenen Jesus zu trösten, der in seinen verfolgten Brüdern und Schwestern lebt.

Denkt nicht, das sei eine Frage des Geldes: es ist eine Frage der Liebe. Euer finanzielles Opfer ist gar nichts wert, wenn es aus anderen Motiven heraus geschieht, wenn euer Herz nicht aus Schmerz mit denen leidet, die für das Lamm Gottes ihr Blut vergießen. Nur wenn ihr wahrhaft die Leiden eurer Brüder und Schwestern in Not teilt, in denen ihr unseren Herrn erkennt, könnt ihr mit dem verlassenen Jesus eins werden.

Die Folgen sind unermesslich: denn in ihm besitzt ihr Gott, in ihm findet ihr nicht nur den Himmel mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, sondern auch die Erde mit der ganzen Menschheit. In ihm besitzt ihr alles, denn alles, was sein ist, gehört auch euch.

Hängt deshalb mit eurer ganzen Liebe am Mann der Schmerzen, der in Millionen von Christen gekreuzigt wird. Lasst Euch nicht von den kleinen Sorgen des Alltags so sehr gefangen nehmen, dass ihr den Tag vergesst, an dem ihr euer letztes Kreuz auf euch nehmen müsst. Kämpft gegen eure Menschenfurcht, gegen eure Feigheit und Leidensangst, gegen eure Leidenschaften und eure Sünden.

Übt euch ein, indem ihr die kleinen Kreuze annehmt, die Gott euch schickt. Versagt euch etwas – übt einen wirklichen Verzicht oder tut etwas, was andere tröstet – um das Kreuz zu erhellen, unter dem Gottes Auserwählte sich beugen. Und bittet Gott, dass er denen, die ihr Kreuz alleine tragen müssen, die Kraft gibt, das Los des verlassenen Jesus zu teilen. Betet für die Kirche in Not, für euch selbst und auch für euren

Werenfried van Straaten, o.praem.
Gründer von KIRCHE IN NOT (1913-2003)