Den Menschen Gott zeigen - Ökumenische Initiative zur EURO 2008

Von Dominik Hartig

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WIEN, 27. November 2007 (ZENIT.org).- Der Einsatz der Christen für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz zielt darauf ab, „den Menschen Gott zu zeigen“, heißt es in der Grußbotschaft des Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Kardinal Schönborn, zur heute vorgestellten überkonfessionellen und grenzüberschreitenden Initiative „Kirche 08 – Am Ball seit 2008 Jahren“. Sie soll deutlich machen, „wie viel die Freude der Menschen mit Gott zu tun hat, wie viel Glaube und Sport gemeinsam haben“.



Die christlichen Kirchen und Konfessionen in den beiden Austragungsländern der Fußball-Europameisterschaft haben sich zusammengeschlossen, um Fans und Spieler vor, während und nach den sportlichen Ereignissen vom 7. bis zum 29. Juni 2008 ein breit gefächertes Begleitangebot zu bieten und so zu Fairness, Verständigung und Frieden beizutragen, wie unter anderem der evangelische Bischof Herwig Sturm, Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen, am Dienstagvormittag im Wiener Erzbischöflichen Palais betonte.

Schon jetzt steht fest, dass die Fußballspiele von Ökumenischen Gottesdiensten in Basel beziehungsweise in Wien umrahmt sein werden, berichtete der Pastoralamtsleiter der Erzdiözese Wien, Mag. Michael Scharf. Nach dem Finalspiel wird es in der österreichischen Bundeshauptstadt zudem ein großes „Fest des Glaubens“ geben (in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Fußballbund). Die Pfarrgemeinden werden für öffentlich zugängliche Spielübertragungen sorgen, ein Service vor allem für den ländlichen Raum. Was die Kirchen und christlichen Gemeinschaften in Österreich und der Schweiz neben Begegnungsräumen in den Fanmeilen sonst noch bieten werden, wird ab Mitte Dezember 2007 im Internet unter www.kirche08.eu detailliert zu erfahren sein.

Einen Einblick in die „natürliche Verwiesenheit zwischen Sport und Glaube“ sowie seine „Kickerqualitäten“ gewährte der österreichische Jugendbischof Franz Lackner. Der Weihbischof für Graz, der als Jugendlicher in einem Profiverein gespielt hat und heute noch regelmäßig das Stadion besucht, kam auf den „hohen Symbolwert des Fußballs für das Leben“ zu sprechen und auf die „Sinn und Dasein stiftende Funktion“ von Sport allgemein, die in seinen Augen durch das „schöpferische Element des Spielens“ gegeben ist.

Um Höchstleistungen zu erbringen, genüge nicht nur das Training oder die eigene Kraft, sondern man müsse dem Ganzen auch freien Lauf lassen – nach Ernst Happels Motto: „Wenn’s lauft, dann lauft’s.“ Das Besondere des Spiels bestehe im Aufeinandertreffen von Gesetzlichkeit und Vorgaben auf der einen und Eigeninitiative auf der anderen Seite, wobei das spielende Element nicht unterdrückt werden dürfe.

Gegenüber ZENIT führte der Bischof diesen Gedanken mit einem Zitat des heiligen Ignatius von Loyola weiter aus. Er betonte, dass es im Glauben im Letzten auf die richtige Balance zwischen Eigeninitiative und Gnade ankomme, und bekräftigte: „Du sollst so beten, als ob alles alleine von Gott abhängt, und du sollst so arbeiten und handeln, als ob alles allein von dir selbst abhängt.“ Zu vermeiden seien zwei gefährliche Extreme: nur auf die eigene Kraft zu bauen und Gott keinen Raum mehr zu geben, beziehungsweise alles von Gott zu erwarten und sich selbst nicht anzustrengen.

Bei der Pressekonferenz hatte der Bischof auch auf einen anderen Punkt hingewiesen, in dem sich Sport und Glaube berühren: Der spielende Mensch lerne innerhalb klarer Vorgaben sein Spiel zu spielen und dann auch zu gewinnen. Dabei könne die Kirche große Motivationsarbeit leisten, weil sie sich bewusst sei: „Verlieren heißt nicht untergehen“, sondern vielmehr neu beginnen und weitermachen. Im Gespräch mit ZENIT betonte Bischof Lackner diesbezüglich, dass der Fußballspieler, der ja auf seinen Trainer höre und die Spielregeln beherzige, auch ein Vorbild für den Gehorsam sei, den Gott beim Gläubigen voraussetzt.

Frank Hinkelmann, Vorsitzender der „Evangelischen Allianz“, wies in seinem Beitrag darauf hin, dass im Fußball Standesunterschiede und akademische Grade keine Rolle spielen, was an die Beschaffenheit des Menschen vor dem Angesicht Gottes denken lasse.

Auch ÖFB-Präsident Friedrich Stickler unterstrich die integrative Kraft von Fußball und zeigte sich „hingerissen“, dass die Kirchen diesem Sport einen entsprechen Wert zumessen. Die Kirchen lieferten einen „ganz besonderen Input“ und leisteten einen entscheidenden Beitrag, damit der kurzzeitige positive Effekt der EM 2008 nicht verpuffe, sondern von Dauer sei. „Integratives Potenzial muss genutzt werden.“

Die Christen sind, wie es in der Grußbotschaft von Kardinal Schönborn heißt, keine „Trittbrettfahrer“, wenn es um die EM’08 geht, sondern sie freuten sich mit den Sportbegeisterten – „und verwirklichen damit ein Anliegen, das einprägsam vom Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert wurde: ‚Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen seinen Widerhall fände.‘“