"Den unersetzbaren Wert der Familien anerkennen, unterstützen und schützen": Benedikt XVI. warnt die neue australische Botschafterin vor der "Falle" des moralischen Relativismus

Audienz für die neue Botschafterin aus Australien beim Heiligen Stuhl

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ROM, 18. Mai 2006 (ZENIT.org).- Im Rahmen des Antrittsbesuchs von Anne Maree Plunkett, der neue Botschafterin Australiens beim Heiligen Stuhl, im Vatikan, erinnerte Papst Benedikt XVI. heute, Donnerstag, die Politiker daran, dass in einer Gesellschaft nur dann wahre Gerechtigkeit und wahrer Friede herrschen könnten, wenn sie "auf dem Fundament der Wahrheit über Gott und den Menschen" gründe.



Der Heilige Vater bezog sich dabei auf seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2006, in der er erklärt hatte, "dass der Friede nicht auf das bloße Nichtvorhandensein bewaffneter Konflikte zu reduzieren ist, sondern verstanden werden muss als die Frucht der Ordnung, die ihr göttlicher Gründer selbst in die menschliche Gesellschaft eingestiftet hat, eine Ordnung, die von den nach immer vollkommenerer Gerechtigkeit strebenden Menschen verwirklicht werden muss" (3).

Anschließend würdigte der Papst die Vorreiterrolle Australiens bei der internationalen Friedenssicherung und Entwicklungshilfe, um anschließend darauf hinzuweisen, dass diese lobenswerten Tätigkeiten mit der entschlossenen Bemühung um die Errichtung einer gerechten Gesellschaftsordnung im eigenen Land einhergehen müssten. Diesbezüglich verwies der Papst auf die nach wie vor prekäre soziale Lage der "Aboriginals", der Ureinwohner Australiens, die ihm "großen Schmerz" bereite. In diesem Zusammenhang erinnerte er die Diplomatin sowie die australischen Regierungsmitglieder an jene beiden "unverzichtbaren Elemente für den Frieden", über die er im Januar dieses Jahres anlässlich des Neujahrsempfangs für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter im Vatikan gesprochen hatte: die Bitte um Vergebung und die Gewährung der Vergebung. Durch sie werde das Gedächtnis "gereinigt, das Herz beruhigt und der Blick auf das, was die Wahrheit für die Entwicklung von Friedensgedanken fordert, klar".

Nachdem Benedikt XVI. der australischen Bevölkerung für die begeisterte Vorbereitung des Weltjugendtags 2008 in Sydney gedankt hatte, kündigte er an, dass diese Tage – "eine Zeit tiefer kirchlicher Erneuerung" – vor allem unter den Jugendlichen Früchte zeitigen werde, von denen die gesamte Gesellschaft profitiere.

"In Ländern wie dem Ihren, wo der beunruhigende Säkularisierungsprozess weit fortgeschritten ist, kommen viele junge Menschen immer mehr von selbst drauf, dass es die transzendente Ordnung ist, die das ganze Leben auf die Bahnen der wahren Freiheit und der wahren Freude lenkt. Gegen die Flut des moralischen Relativismus, der die Menschen in der Falle eines sinnlosen und unersättlichen Verlangens nach Neuem gefangen hält, weil er nichts als endgültig anerkennt, entdeckt die junge Generation von neuem die erfüllende Suche nach dem Guten und der Wahrheit. Und dabei blickt sie zur Kirche und zu den Verantwortlichen des öffentlichen Lebens auf und erwartet von ihnen, dass sie jede Verfinsterung des Sinns für Gott zerstreuen und die Möglichkeiten schaffen, auf dass das Licht der Wahrheit durchscheine, jedem Leben Sinn verleihe und allen Menschen Freude und Zufriedenheit schenke."

Aufgrund des Respekts vor dieser transzendenten Ordnung seien sich die Australier über die "fundamentale Bedeutung" von Ehe und Familie – die das "Herz der Gesellschaft" ausmacht – im Klaren; und sie "erwarten, dass die politischen und gesellschaftlichen Kräfte – Medien und Unterhaltungsindustrie mit eingeschlossen – den unersetzbaren Wert der Familien anerkennen, unterstützen und schützen", fuhr Benedikt XVI. fort. "Sie sehen, dass die Pseudo-Formen von 'Ehe' den Plan des Schöpfers verzerren und die Wahrheit unserer menschlichen Natur untergraben, indem sie ein falsches Freiheitsverständnis mit der wahren Freiheit verwechseln, die darin besteht, das endgültige Geschenk des dauerhaften Ja zu wählen, das die Eheleute einander versprechen. Ich bestärke deshalb das australische Volk darin, sich weiterhin der Herausforderung zu stellen, einzeln und gemeinsam an einer Lebensweise zu arbeiten, die jenem liebenden Plan entspricht, den Gott für die ganze Menschheit vorgesehen hat."

Abschließend brachte der der Heilige Vater seine Zuversicht darüber zum Ausdruck, dass durch die Bestellung der neuen Botschafterin die Bande zwischen dem Heiligen Stuhl und Australien in Zukunft noch stärker sein werde als bisher.