"Den virtuellen Raum als einen Teil der realen Lebenswelt ernst nehmen"

Bischof Dr. Gebhard Fürst zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel 2013 am 8. September 2013

Bonn, (DBK PM) | 412 klicks

Die katholische Kirche in Deutschland begeht jährlich am zweiten Sonntag im September den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Die Botschaft des Heiligen Vaters anlässlich des „Mediensonntag“ wurde zum 24. Januar 2013, am Gedenktag des Heiligen Franz von Sales, veröffentlicht und trägt in diesem Jahr den Titel „Soziale Netzwerke: Portale der Wahrheit und des Glaubens; neue Räume der Evangelisierung“. Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst, erklärt zum Mediensonntag 2013: 

Der Mediensonntag 2013 stellt die sozialen Netzwerke als Lebenswelt und als „öffentlichen und offenen Marktplatz, auf dem die Menschen Ideen, Informationen, Meinungen austauschen und wo überdies neue Formen von Beziehungen und Gemeinschaft entstehen“ in den Mittelpunkt, so der emeritierte Papst Benedikt XVI. in seiner diesjährigen Botschaft zum Mediensonntag. Ich möchte den Blick auf ebendiesen Marktplatz richten, der oftmals nur wegen seines digitalen Charakters betrachtet wird. Es ist wichtig, die zunehmende Bedeutung der sozialen Netzwerke und neuen Medien für die gesellschaftliche Kommunikation und das menschliche Zusammenleben verstärkt wahrzunehmen. 

Die „digitale Mediengesellschaft“ ist eines der Schlagworte unserer Zeit. Mit dieser Beschreibung werden zwei Realitäten miteinander in Einklang gebracht, die in den letzten Jahren immer mehr zusammengewachsen sind: die veränderte Kommunikation durch die neuen Medien sowie die gesellschaftlichen Entwicklungen und das menschliche Zusammenleben. Um dieser Beziehung gerecht zu werden, ist es unbedingt notwendig, die Umwelt anzuerkennen, in der sich Kommunikation und Gesellschaft befinden. Der virtuelle Raum darf nicht abgewertet werden. „Die digitale Umwelt ist keine parallele oder rein virtuelle Welt, sondern ist ein Teil der täglichen Lebenswelt vieler Menschen, insbesondere der jüngeren Generation. Die sozialen Netzwerke sind die Frucht menschlicher Interaktion, aber sie geben ihrerseits dem Kommunikationsgeschehen, das Beziehung schafft, neue Formen.“ 

Die mit den sozialen Kommunikationsmitteln entstandene neue Kultur der Kommunikation ist Realität. Das „womit“ der Kommunikation, die neuen Technologien, Plattformen und Netzwerke haben die Kommunikation selbst verändert und mit ihr die Lebensweise und Lebenswelt der Menschen. Der Mensch ist mehr als nur passiver Konsument, sondern er hat sich zu einem aktiven Nutzer gewandelt, er nimmt teil und gestaltet. „Die Menschen sind miteinbezogen, wenn sie Beziehungen eingehen, Freundschaft finden, wenn sie Antworten auf ihre Fragen suchen oder Unterhaltung, aber auch, wenn sie intellektuelle Anregung erhalten und wenn sie Kompetenz und Wissen miteinander teilen“ (Papst Benedikt XVI.). 

Die heutige Kultur der Kommunikation, das mediale Agieren der Menschen und die gesellschaftlichen Realitäten sind nicht mehr voneinander zu trennen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. formulierte es wie folgt: „Diese networks werden so immer mehr Teil eben jenes Gewebes, aus dem die Gesellschaft besteht, insofern sie die Menschen auf der Grundlage dieser fundamentalen Bedürfnisse zusammenbringen.“ So wie die neuen Medien und sozialen Netzwerke unsere Kommunikation, die Aufnahme von Kontakt und Beziehungen beeinflussen, so stellen sie auch neue Anforderungen an die Gesellschaft und an das menschliche Zusammenleben. Nicht nur für die kirchliche Kommunikation stellt dies eine besondere Herausforderung dar, die uns immer wieder in Erinnerung gerufen werden muss. 

Nehmen wir den Mediensonntag 2013 zum Anlass, diesen „öffentlichen und offenen Marktplatz“ der sozialen Netzwerke und der neuen Medien als Teil der Gesellschaft und des menschlichen Zusammenlebens bewusster wahrzunehmen. Es gilt, die existierenden Kommunikationsformen, -mittel und -wege in ihrer Ganzheit zu nutzen, um allen Menschen in ihren Lebenswelten den Zugang zur Frohen Botschaft zu ermöglichen. Dieser Herausforderung müssen wir uns verstärkt stellen. „Die Fähigkeit zur Nutzung der neuen Formen von Kommunikation ist nicht so sehr geboten, um mit der Zeit zu gehen, sondern vielmehr, um es dem unbegrenzten Reichtum des Evangeliums zu ermöglichen, Ausdrucksformen zu finden, die in der Lage sind, Verstand und Herz aller Menschen zu erreichen“ (Papst Benedikt XVI.).  

Hinweise:

Weitere Informationen zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel (Mediensonntag) finden Sie unter www.dbk.de auf unserer Initiativen-Seite.