"Denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade"

Papst Franziskus eröffnet Kongress der Diözese Rom in der Aula Paolo VI

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 341 klicks

Papst Franziskus eröffnete gestern abend in der Aula Paolo VI den Kongress der Diözese Rom mit dem Thema „Christo, tu ci sei necessario! – La responsabilità dei battezzati nell’annuncio di Gesù Cristo! – Christus, wir brauchen dich! – Die Verantwortung der Getauften für die Verkündigung Jesu Christi!“ mit einer Ansprache, die den Titel „Io non mi vergogno del Vangelo – Ich schäme mich nicht für das Evangelium“ trug. An der Veranstaltung nahmen circa 15.000 Menschen teil.

Papst Franziskus wählte das Zitat des Apostels Paulus „Denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade“ (Rö 6,14) als Ausgangspunkt seiner Ansprache. Im folgenden erläuterte der Papst, was es bedeute, unter der Gnade zu stehen. Gnade bedeute Freude und Freiheit. Wir seien frei, weil uns Jesus Christus befreit habe.

Niemandem sei es gelungen, eine Revolution durchzuführen, wie Jesus es vermocht habe: Jesus habe nämlich das Herz der Menschen von Grund auf geändert. Revolutionen seien in der Regel auf Veränderungen politischer und wirtschaftlicher Systeme gerichtet, doch das Herz des Menschen habe niemand außer Jesus zu revolutionieren gewusst. Jesus habe diese Tat durch die Auferstehung vollbracht, eine Revolution, die Benedikt XVI. als „die größte Veränderung in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnet habe.

Papst Franziskus führte den Apostel Paulus als Beispiel an: nach der Begegnung mit Christus auf dem Weg nach Damaskus, habe er grundlegend seine Haltung geändert und sich taufen lassen. Gott habe sein Herz verändert, so der Papst.

Die Liebe nämlich, erklärte Papst Franziskus weiter, habe die größte Kraft, um eine Veränderung herbeizuführen. Die Liebe könne den Egoismus überwinden und Brücken bauen. Die Liebe sei ein Werk der Gnade, die wir alle von Jesus Christus empfangen hätten.

Die Gnade sei nicht käuflich, sie sei ein Geschenk Gottes. Unsere Aufgabe sei es, dieses Geschenk weiterzugeben. Ein großes Problem sei das Fehlen von Hoffnung, was häufig dazu führe, dass die Menschen sich in vermeintlich glückbringende Ablenkungen oder sogar in Suchtmittel flüchteten. Diese Erfahrungen machten die Menschen auf der Suche nach Glück und Hoffnung jedoch umso trauriger und enttäuschter. Der Papst rief deshalb dazu auf, dass wir alle die christliche Hoffnung mit unserem Bekenntnis, unserer Freiheit und Freude bezeugen müssten. „Ich habe einen Vater. Wir sind keine Waisen. Wir haben einen Vater.“ Diese Worte sollten wir mit allen anderen teilen.

Wir sollten uns insbesondere um die Armen kümmern. Dazu sei ein  übergreifender Dialog erforderlich, der auch die Kultur und den Intellekt mit einbeziehe. Das Evangelium müsse allen zugänglich sein. Wichtig sei es für einen Christen, Mut zu haben, auch angesichts schwerer Krisen. Wenn man feststelle, dass man nichts ausrichten könne, müsse man sich in Geduld üben, einer der Tugenden des Paulus.

Papst Franziskus erzählte anschließend die Episode des Hirten, der auszieht, um ein verlorenes Schaf zu suchen und die übrigen 99 allein lässt. Unsere Situation sei genau gegenteilig, so Papst Franziskus. Wir hätten nur ein Schaf und müssten die anderen 99 wiederfinden. Deshalb sei es wichtig, den christlichen Samen zu säen, auch wenn es schwierig sei; das sei die wahre Herausforderung der Christen. Jeder von uns müsse jeden Tag größeren oder kleineren Schwierigkeiten begegnen und seinen Glauben bezeugen, das sei das Martyrium. Mit dem Martyrium stelle man sich dem Bösen entgegen, das unsere Evangelisierung verhindern wolle. Gott bitte uns um nichts, um uns Freund zu sein, außer von uns aufgenommen zu werden.