"Denn in der Demenz bleibt oft nur noch der Moment, aber der ist kostbar"

Malteser engagieren sich für Demenzkranke und ihre Angehörigen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 619 klicks

Die Malteser kümmern sich traditionsgemäß um Menschen, die in besonderer Weise Hilfe, Fürsorge und Unterstützung benötigen. Für an Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen haben die Malteser deshalb ein Begleitprogramm mit zahlreichen Modelleinrichtungen, Initiativen und Aktivitäten entwickelt. 

In diesem Jahr organisierte zum Beispiel der Malteser Hilfsdienst in Speyer anlässlich des „Social Day“ speziell für demenziell erkrankte Menschen den ersten Demenzgottesdienst in der Kirche St. Hedwig, an dem rund 50 Besucher voller Freude teilnahmen.

In Deutschland sind aktuell 1,4 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. (Quelle: Malteser Blog).

„Demenz ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, für die es bis heute zwar keine Heilung, aber doch relativ lange eine Linderung der mit ihr verbundenen Symptome geben kann. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Versorgungsangebote für Menschen mit einer Demenzdiagnose entscheidend weiter entwickelt. Vor allem die nichtmedikamentösen Maßnahmen wie Biographiearbeit, Reminiszenz, taktile Massage, Musik-, Tanz-, Milieu- und Farbtherapie haben an Bedeutung gewonnen und die Lebensqualität entscheidend verbessert“, so Dr. Ursula Sottong, Leiterin der Fachstelle Malteser Demenz.

In der Anfangsphase der Erkrankung zeigen sich oft erste Schwierigkeiten bei vielen Handlungen des alltäglichen Lebens. Es können Probleme bei der Einnahme der Mahlzeiten, der Körperhygiene und des Tag-Nacht-Rhythmus auftauchen, die auch für das Umfeld des Erkrankten eine große Herausforderung darstellen. Vergesslichkeit, Bewegungsdrang, Unruhe und Probleme bei nachlassendem Sprachverständnis können sich im fortgeschrittenen Stadium der Demenzerkrankung einstellen. Einsamkeit und Isolierung verstärken die Demenzsymptomatik.

In Deutschland lebt rund Zweidrittel der Erkrankten in der vertrauten häuslichen Umgebung und kann auf die Hilfe der Angehörigen zurückgreifen. Dr. Ursula Sottong erklärt dazu: „Der Verbleib im altbekannten Umfeld, die gewohnten Tagesabläufe und Rituale geben ihrem Leben einen sicheren und strukturierenden Rahmen, was gerade dann, wenn die Orientierung in Person, Zeit, Raum und Ort nachlässt, von stabilisierender Bedeutung ist. Selbst diejenigen unter den Erkrankten, die keine Angehörigen mehr haben, finden sich lange in den eigenen vier Wänden besser zu Recht als in einer beschützenden Einrichtung der Altenhilfe.“

Selbstverständlich kommen die an Demenz erkrankten Menschen und ihre Angehörigen ohne Unterstützung nicht aus. Deshalb bedarf es Unterstützungssysteme, die auf den Erkrankten zugeschnitten sind und ihn bestmöglich ansprechen. Ein Beispiel dafür sind Tageseinrichtungen für Menschen in der Frühphase der Demenz, wie z.B. der Malteser Tagestreff Bottrop

Der Malteser-Tagestreff Bottrop ist der bundesweit erste Tagestreff, der nach dem „Silviahemmet-Konzept“ aufgebaut ist. „Silviahemmet“ ist eine schwedische Stiftung, die 1996 von Königin Silvia ins Leben gerufen wurde und mit der die Malteser seit 2009 kooperieren. Die grundlegende Philosophie ist die palliative Begleitung und Versorgung der Erkrankten. „Im Mittelpunkt steht die Würde des Erkrankten. Der Erkrankte steht stets an erster Stelle. Dem Erkrankten wird mit liebevollem Respekt begegnet. Der Kranke ‚lehrt‘ die ‚anderen‘ und ermöglicht ihnen das Krankheitsbild zu verstehen. Die Versorgung/ Pflege richtet sich nach den Bedürfnissen des einzelnen Erkrankten, nicht nach den allgemeinen Vorstellungen vom Krankheitsbild Demenz. Der den Erkrankten Versorgende/ Betreuende ist persönlicher Begleiter mit verschiedenen Aufgaben: Beobachter, Schatten, Bewahrer, Organisator und Führer“, wie Ursula Sottong erklärt. „Silviahemmet“ beruht auf vier Säulen: Symptomkontrolle, Teamarbeit, Unterstützen der Angehörigen und Kommunikation und Begegnung.„Silviahemmet Touch ist eine besondere Form der Berührung von Händen, Rücken oder Füßen, die sowohl Profis als auch Laien anwenden können. Sie vermittelt Ruhe und Wohlgefühl.“ 

Der Malteser-Tagestreff Bottrop bietet seinen Besuchern eine geborgene, leicht verständliche und sichere Umgebung. Wichtige Bereiche und Gegenstände werden durch Farbe und Form gekennzeichnet. Auf eine helle und fröhliche Atmosphäre und liebevollen Umgang miteinander wird in der Bottroper Tagesstätte der Malteser ganz besonderer Wert gelegt: „Wir sind ein Team: die Malteser, die demenziell erkrankten Menschen und ihre Angehörigen. Und wir meistern die Krankheit gemeinsam.“

Für die Erkrankten, die nicht mehr in ihrer häuslichen Umgebung wohnen können, stehen Wohngruppen, Wohnsiedlungen und eigene Versorgungsformen im Rahmen der stationären Altenhilfe bereit. Da die meisten Angebote jedoch kostenpflichtig sind, stellt der finanzielle Aufwand ein Hindernis dar. Hinzukommt, dass oft Erkrankte und Angehörige nicht auf Unterstützung zurückgreifen, da sie die Erkrankung nicht öffentlich machen möchten.

Im häuslichen Bereich kann die „Unterstützungslücke“ durch ehrenamtliche Helfer geschlossen werden. Sobald aber tagesstrukturiende Maßnahmen erforderlich werden, kann auf die Nutzung geronto-psychiatrischer Zusatzangebote zurückgegriffen werden, die bei eingeschränkter Alltagskompetenz seit 2008 über die Pflegestufe Null finanziell unterstützt werden.

Neben der medizinischen Versorgung gilt es, die an Demenz erkrankten Menschen in unser Leben zu integrieren und sie an unserem Alltag teilhaben zu lassen. Ursula Sottong erklärt dazu: „Wie können diejenigen, die von einer Demenz noch nicht persönlich betroffen sind, diejenigen mit einer Demenz besser verstehen lernen? Vielleicht müssen alle Beteiligten neue Formen der Kommunikation und Begegnung entwickeln und mehr den Augenblick ins Auge zu fassen, denn in der Demenz bleibt oft nur noch der Moment, aber der ist kostbar.“

Weiterführende Informationen über die „Malteser-Demenzkompetenz“ können diesen Links entnommen werden.