Der Ablass in der Logik des unendlichen Erbarmen Gottes

Vollkommener Ablass bei der Anbetung vor dem Allerheiligsten

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ROM, 19. Januar 2005 (ZENIT.org).- Als besondere Gnadenzeit eröffnet das Jahr der Eucharistie einen "Weg der Bekehrung". Es ist nicht die Zeit kleinlicher Berechnungen oder die Zeit, in der Leistungen und Gegenleistungen auf die Waagschale gelegt werden sollten. Es ist die Zeit, die zur Offenheit für das "unendliche Erbarmen Gottes" einlädt, "mit dem Gott unsere Sünden immer übertriff".



Auf diese Weise erklärte vor einigen Tagen Erzbischof Bruno Forte, Mitglied der Internationalen Theologenkommission, die Bedeutung der kirchlichen Lehre über den Ablass und auch, weshalb Papst Johannes Paul II. und die Kirche für dieses Jahr der Eucharistie, bis Oktober 2005, denjenigen einen vollkommen Ablass zugestanden haben, die an einer Anbetung vor dem Allerheiligsten teilnehmen, oder die Vesper oder die Komplet vor dem Tabernakel verrichten, sofern die üblichen Voraussetzungen erfüllt sind (Beichte, entschlossene Abkehr von jeder Sünde, Kommunionempfang und Gebet in der Meinung des Heiligen Vater).

Wolle man den kirchlichen Ablass in seiner tiefen Bedeutung ergründen, so sei es notwendig, sich zunächst über den Sinn von "Schuld und Sünde" klar zu werden, die eine "bewusste und freie Tat ist, durch die man dem Willen Gottes gegenüber ungehorsam wird". Die Strafe sei die "Konsequenz, die aus der Schuld entsteht", erklärte Erzbischof Forte gegenüber "Radio Vatikan".

"Durch das Erbarmen Gottes wird die Schuld dank der Gabe der Vergebung, die durch den Dienst der Kirche gespendet wird, verziehen" – derart, dass "uns bei jeder Beichte unsere Schuld vergeben wird, wenn wir sie aufrichtig bereuen". Aber man müsse natürlich auch die Sündenstrafe "überstehen", also " jene Wirkung, die das Böse in unserer Natur hinterlassen hat, die doch zur vollständigen Verwirklichung als Kinder Gottes geschaffen ist".

Auch hierbei komme die Kirche zur Hilfe, sagte Msgr. Forte. "Vor allem, indem sie uns nach jeder Beichte die Wege der Buße weist. Und gerade deshalb, weil sich niemand selbst erlösen kann und wir alle in der Gemeinschaft der Kirche leben. Außer der Vergebung unserer Sünden durch den Dienst der Versöhnung kann uns die Kirche dabei helfen, mit der Last unserer Strafe fertig zu werden – durch den Ablass."

Um einen vollkommenen Ablass erlangen zu können, sei es notwendig, die gewohnten Voraussetzungen zu erfüllen: sakramentale Beichte, Empfang der heiligen Kommunion und das Gebet für die Anliegen des heiligen Vaters – mit einem vollkommen freien, von jeder Anhänglichkeit an die Sünde losgelösten Herzen. Aber es gehe dabei nicht "um etwas Mechanisches, sondern um eine Hilfestellung für das Gewissen, das die Sünde bereut und aufrichtig für das barmherzige Handeln Gottes offen ist“, betonte der Erzbischof.

Deshalb sei “die Buße auch so wichtige für den Weg durch das Leben und nicht nur für den Augenblick", erklärte er: “Sie ist eine Bekehrung des Herzens“. Und deshalb sei auch "die Eucharistie auf diesem Weg so hilfreich“ – als "Brot des Lebens und Brot der Pilger, das den Hunger stillt und so die Entschlossenheit zur Bekehrung erhält. Dank ihr bleibt man auf jenem Weg, der auch der Weg vom Ablass ist: der Weg der Bekehrung."

Für Erzbischof Bruno Forte ist das Jahr der Eucharistie eine besondere Zeit der Gnade und der Reinigung. Deshalb sollte dieses Jahr "in der Haltung dessen gelebt werden, der Gott mit ganzem Herzen lieben will, der wachsen möchte, indem er sich von aller Lieblosigkeit, die auf ihm als Sündenschuld gelastet hat, reinigen und sich für eine Überwindung aller negativen Folgen der Sünde einsetzen möchte".

Das bedeute, "alle berechnenden Ideen nach dem Schema 'Man tut etwas und erhält dafür eine Gegenleistung zurück' aufzugeben", denn das “do ut des” – ich gebe, damit du mir gibst – “gibt es nicht in der Beziehung zwischen Mensch und Gott". Ein solches Prinzip "ist nicht Bestandteil des unendlichen Erbarmens, mit dem Gott unsere Sünden immer übertrifft, wenn wir sie bereuen und zu ihm zurückkehren.“