Der Aufbau der europäischen Identität: Päpstliches Schreiben zum V. Europäischen Symposion der Universitätsdozenten

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ROM, 29. September 2006 (ZENIT.org).- Vom 28. September bis zum 1. Oktober findet in Rom das V. Europäische Symposion der Universitätsdozenten statt. Die diesjährige Tagung steht unter dem Thema: „Wohin geht Europa? Kultur, Völker und Institutionen“. An der Tagung nimmt auch der Vikar des Papstes für die Diözese Rom, Kardinal Camillo Ruini, teil.



Aus Anlass des Kongresses hat Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in einem Schreiben an Kardinal Ruini die ausdrückliche Wertschätzung Benedikts XVI. für diese Initiative zum Ausdruck gebracht. Sie habe nämlich das Ziel, über die kulturellen Grundlagen Europas in der akademischen Welt nicht nur episodenhaft nachzudenken, sondern ausgehend von der kontinuierlichen und organischen Inspiration durch das Evangelium.

Nach dem heute veröffentlichten Schreiben hegt der Heilige Vater den Wunsch, dass die Begegnung und Diskussion unter den Gelehrten dazu beitragen möge, dass die europäischen Universitäten auch in der Gegenwart „Labor eines authentischen Humanismus“ seien, wo die Vernunft ihre Suche entsprechend ihren vollen Möglichkeiten verwirkliche. Die rigorose Analyse der wissenschaftlichen Daten sollte dabei mit der Bereitschaft einhergehen, sich von den großen Fragen über die letzte und universale Bestimmung des Menschen, der Geschichte und des Kosmos ansprechen zu lassen.

Kardinal Bertone betont, dass Papst Benedikt XVI. im Licht des Ansatzes seiner Regensburger Vorlesung vom 12. September 2006 das „Ziel der vollen Vernünftigkeit“ vorgebe. Eine derartige Vernünftigkeit stehe in vollkommener Übereinstimmung mit der ganzheitlichen Erfahrung des Menschen und stelle für christliche Studierende und christliche Lehrer die vornehmliche Aufgabe dar. Dieses Ziel sei in einem konstruktiven Dialog mit all denjenigen zu verfolgen, die dieselbe Leidenschaft für die Wahrheit und den Menschen teilen und bereit sind, sie auf unideologische Weise und in gegenseitigem Respekt der Unterschiede zu verwirklichen.

„Auf einer derartigen kulturellen Grundlage“, so schreibt Kardinal-Staatssekretär Bertone, „ist es möglich, realistisch am Aufbau einer erneuerten europäische Identität zu arbeiten. So ist diese dazu geeignet, der Welt angesichts epochaler Herausforderungen den Beitrag eines unschätzbaren geistlichen und kulturellen Erbes zu bieten, der dazu in der Lage ist, einen vernünftigen und für die Offenbarung Jesu Christi offenen Humanismus auszubilden, der tolerant ist, aber fest in den ethischen Prinzipien.“