"Der Aufbau des Friedens erfordert vor allem die Achtung der Freiheit und der Würde eines jeden Menschen"

Ansprache von Papst Franziskus beim Besuch des israelischen Staatspräsidenten

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 198 klicks

Gegen 11.45 Uhr erreichte Papst Franziskus den Präsidentenpalast, wo er dem Präsidenten des Staates Israel, Shimon Peres, einen Höflichkeitsbesuch abstattete. Der Papst wurde vom Präsidenten am Palasteingang empfangen. Nach der Begrüßungszeremonie pflanzten der Papst und der Präsident gemeinsam einen Olivenbaum im Garten des Palastes. Nach den Ansprachen der Gastgeber richtete Papst Franziskus das Wort an die Anwesenden. Er bedankte sich „für den mir bereiteten Empfang sowie für Ihre freundlichen Worte zur Begrüßung und freue mich, Sie noch einmal hier in Jerusalem treffen zu können – in der Stadt, welche die heiligen Stätten beherbergt, die den drei großen Religionen teuer sind, die den Gott anbeten, der Abraham rief.“ Der Papst betonte: „Die heiligen Stätten sind keine Museen oder Sehenswürdigkeiten für Touristen, sondern Orte, an denen die Gemeinschaften der Gläubigen ihren Glauben, ihre Kultur und ihre wohltätigen Initiativen leben. Darum müssen sie ständig in ihrem sakralen Charakter geschützt werden; so wird nicht nur das Erbe der Vergangenheit bewahrt, sondern auch die Menschen, die sie heute besuchen und in Zukunft besuchen werden. Möge Jerusalem wirklich die Stadt des Friedens sein! Mögen seine Identität und seine sakrale Eigenheit, seine universale religiöse und kulturelle Bedeutung in vollem Glanz erscheinen als Schatz für die ganze Welt! Wie schön ist es, wenn die Pilger und die Bewohner freien Zugang zu den heiligen Stätten haben und an den religiösen Feiern teilnehmen können!“

Papst Franziskus dankte dem Präsidenten für seinen Einsatz für den Frieden und drückte ihm seine Bewunderung aus. Der Papst erklärte: „Der Aufbau des Friedens erfordert vor allem die Achtung der Freiheit und der Würde eines jeden Menschen, von dem ja Juden, Christen und Muslime gleichermaßen glauben, dass er von Gott erschaffen und für das ewige Leben bestimmt ist. Von diesem Fixpunkt aus, den wir gemeinsam haben, ist es möglich, das Engagement für eine friedliche Lösung der Streitigkeiten und der Konflikte zu ergreifen. In diesem Zusammenhang bringe ich erneut den Wunsch zum Ausdruck, dass allerseits Initiativen und Taten vermieden werden, die dem erklärten Willen, zu einer wirklichen Übereinkunft zu gelangen, widersprechen, und dass man nicht müde wird, den Frieden mit Entschlossenheit und Kohärenz zu verfolgen.“

Alles müsse verworfen werden, so der Papst, „was sich der Verfolgung des Friedens und eines respektvollen Zusammenlebens von Juden, Christen und Muslimen entgegenstellt: Gewaltanwendung und Terrorismus, jede Art von Diskriminierung aufgrund der Rasse oder der Religion, der Anspruch, den eigenen Gesichtspunkt auf Kosten der Rechte anderer durchzusetzen, Antisemitismus in all seinen möglichen Formen sowie Gewalt oder Äußerungen von Intoleranz gegen jüdische, christliche und muslimische Personen oder Kultstätten.“

Papst Franziskus erklärte, dass die im Staat Israel lebenden christlichen Gemeinschaften „ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft“ seien und sie „vollberechtigt an ihren zivilen, politischen und kulturellen Angelegenheiten“ teilnähmen. „Die Christen möchten von ihrer eigenen Identität her ihren Beitrag zum Gemeinwohl und zum Aufbau des Friedens leisten, als vollberechtigte Bürger, die jeden Extremismus zurückweisen und sich dafür einsetzen, Urheber von Versöhnung und Eintracht zu sein. Ihre Präsenz und die Achtung ihrer Rechte – wie überdies der Rechte jeder anderen religiösen Bekenntnisgemeinschaft und jeder Minderheit – sind die Garantie eines gesunden Pluralismus und der Beweis für die Lebendigkeit der demokratischen Werte und ihrer wirklichen Verwurzelung in der Praxis und in der Konkretheit des Lebens des Staates.“

Abschließend versicherte der Papst, die Bürger Israels und die Institutionen in sein Gebet einzuschließen. Die „Erreichung des Friedens und mit ihm der damit eng verbundenen unschätzbaren Güter wie Sicherheit, ruhige Lebensführung, Wohlstand und Brüderlichkeit“ wünsche er sich. „Schließlich gehen meine Gedanken zu all denen, die unter den Folgen der im Nahen Osten noch offenen Krisen leiden, dass ihre Qualen baldmöglichst gelindert werden durch die Beilegung der Konflikte in Ehre. Frieden über Israel und im ganzen Nahen Osten! Shalom!“