Der Bestseller des Kardinals

Historischer Roman mit 40 deutschen Auflagen als Hörbuch

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ROM, 17. April 2012 (ZENIT.org). - Dass Kardinäle mehr oder weniger erfolgreiche theologische Werke verfassen, ist nicht ungewöhnlich. Nicholas Kardinal Wiseman jedoch veröffentlichte Mitte des 19. Jahrhunderts einen Roman, der zum Bestseller wurde. „Fabiola oder Die Kirche der Katakomben“ war einer der erfolgreichsten historischen Romane, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erzielte allein in der deutschen Ausgabe mehr als 40 Auflagen. 1949 wurde er in Italien verfilmt. So heißt es in der Ankündigung des Hörbuchs, das soeben erschienen ist. Weiter wird ausgeführt:

Nicholas Patrick Stephan Wiseman strebte mit seinem Roman nicht nach literarischen Lorbeeren. Der Sohn irischer Eltern, 1802 in Spanien geboren, schrieb ihn vielmehr mit seelsorglichen Hintergedanken. Nach seiner Ernennung zum Bischof 1840 und zum apostolischen Vikar für Mittelengland setzte er all seine Kraft ein, um den katholischen Glauben in England auszubreiten.

Wiseman galt als engagierter Katholik, der in Glaubensdingen kein Blatt vor den Mund nahm. Dies sowie seine Beziehung zur Oxford-Bewegung und sein Einfluss bei der Konversion John Henry Newmans und des anglikanischen Erzdiakons Henry Edward Manning machten ihn für die Anglikaner zum roten Tuch. Als dann 1850 Papst Pius IX. die katholische Hierarchie in England wiederherstellte und Wiseman zum ersten Kardinal und Erzbischof von Westminster seit der Reformation ernannte, erweckte dies bei den Nichtkatholiken viel Beunruhigung, zumal etliche hochrangige anglikanische Theologen konvertierten. Auch hatte die Zahl der Katholiken in England durch den Zuzug irischer Arbeiter infolge der Hungersnot in Irland stark zugenommen.

Als Wiseman in dieser Situation anlässlich der Wiederherstellung der katholischen Hierarchie auch noch in seinem Hirtenbrief „Out of the Flaminian Gate“ deutliche antiprotestantische Worte fand, entlud sich der Hass auf ihn und alles Katholische am 5. November, dem Guy Fawkes Day. An diesem Tag gedenken die protestantischen Engländer der so genannten „Pulververschwörung“, dem Attentatsversuch des Katholiken Guy Fawkes, der 1605 das Parlament in die Luft sprengen wollte. Eine aufgebrachte Menge verbrannte Puppen, die Papst Pius IX. und Kardinal Wiseman darstellten.

1827 hatte das Parlament den englischen Katholiken die vollen Bürgerrechte zugestanden, 1829 erhielten die Katholiken dann durch die Catholic Emancipation Act die Möglichkeit, ins Parlament gewählt zu werden. Dennoch blieben Katholiken gesellschaftlich geächtet. Eine antikatholische Stimmung durchzog die gesamte englische Gesellschaft. Besonders zu spüren war sie in Arbeiterkreisen, da die englischen Arbeiter in den irischen (katholischen) Einwanderern unliebsame Konkurrenten sahen.

Vor diesem Hintergrund schrieb Wiseman seinen Roman. Er wollte den Gläubigen darin die frühchristlichen Märtyrer, ihre Leiden, ihre Glaubensstärke, aber auch ihre Feindesliebe gegen ihre Verfolger als nachahmenswerte Vorbilder vor Augen stellen. Dass er ausgerechnet diese Epoche der Kirchengeschichte wählte, kam nicht von ungefähr. Wiseman hatte viele Jahre in Rom verbracht, zunächst als Student im Englischen Kolleg, dann wenige Jahre nach seiner Priesterweihe, die er in Rom erhielt, als Rektor dieser Institution. Nach Studium der orientalischen Sprachen (Syrisch, Chaldäisch) war er einige Zeit Professor an der Sapienza-Universität und Mitarbeiter der Biblioteca Vaticana. So kannte er Rom und die Katakomben aus eigener Anschauung.

Der Roman trägt nicht ohne Grund den Doppeltitel „Fabiola oder Die Kirche der Katakomben“. Der Hauptstrang der Handlung schildert die Bekehrung der edlen Fabiola, der 20-jährigen reichen Erbin einer vornehmen Patrizierfamilie. In diesen Handlungsstrang flocht Wiseman die Geschichten verschiedener frühchristlicher Märtyrer ein.

Nicholas Wiseman:Fabiola oder Die Kirche der Katakomben (Gekürzte Lesefassung)
2 CDs, ca. 143 Min. Laufzeit ISBN 978-3-930883-54-7