„Der chinesische Staat greift in das religiöse Leben ein“

Erzbischof Schick berichtet von seiner Reise nach China

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BONN, 25. Mai 2009 (ZENIT.org/dbk.de).- „Die Kirche in China ist in einer Phase innerer und äußerer Konsolidierung. Schwierigkeiten bleiben und müssen überwunden werden.“ Mit diesen Worten fasst der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick, die Erfahrungen seiner 12-tägigen Reise nach China (13.–25. Mai 2009) zusammen, die noch bis zu diesem Montag andauert.



Schick bereiste mit einer sechsköpfigen Delegation u.a. Hongkong, Peking, Xi’an und Schanghai. In den Gesprächen mit den chinesischen Bischöfen standen die pastoralen Bemühungen und die caritativen Projekte der Diözesen im Mittelpunkt. Offen angesprochen wurden auch die Probleme, die sich aus dem noch immer nicht vollständig überwundenen Nebeneinander zwischen der offen lebenden, vom chinesischen Staat anerkannten und der sogenannten „Untergrund-Kirche“ ergeben.

Erzbischof Schick betonte, dass er überall die Bereitschaft vorgefunden habe, die vollständige Einheit der Kirche in China wiederzugewinnen: „Wie das kirchliche Leben sich gestaltet, hängt oft von den Umständen vor Ort ab, vor allem von der Politik der lokalen Behörden. Überall in der Kirche habe ich den Willen gespürt, Gräben zu überwinden und das katholisch Verbindende in den Vordergrund zu stellen. Umso wichtiger ist es, dass wir von außen alles fördern, was den Prozess des Zusammenwachsens voran bringt.“

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche würdigt in diesem Zusammenhang besonders den Brief von Papst Benedikt XVI. an die katholische Kirche in China, der vor genau zwei Jahren – am 24. Mai 2007 – veröffentlicht wurde. Dieses Dokument werde „in der Rückschau möglicherweise zu den großen geschichtlichen Anstößen dieses Pontifikats gerechnet werden. Der Papst hat klar gemacht: Keine kirchliche Gruppe darf sich, gegen die anderen gewendet und mit Alleinvertretungsanspruch, als die katholische Kirche betrachten: nicht diejenigen, die sich in der Vergangenheit unter großen Opfern einer Zusammenarbeit mit dem chinesischen Staat verweigert haben, und ebenso wenig jene, die um des Evangeliums willen Verständigung und Ausgleich mit den Behörden gesucht haben. Wiederannäherung und neue Einheit in der Kirche brauchen jedoch einen langen Atem.“

In mehreren Diözesen konnte die deutsche Gruppe einen Eindruck vom Leben der Kirche unter den derzeitigen politischen Bedingungen gewinnen. Überall haben die Bischöfe – wenngleich nach Region unterschiedlich große – Spielräume für die Seelsorge gewonnen. Zum sozialen Engagement zählen Kindergärten, Waisen-, Behinderten- und Krankenhäuser sowie Altenheime. Auch wenn sich die Religionspolitik der chinesischen Regierung in den vergangenen Jahren durch eine gewisse Öffnung auszeichnete, beharren die staatlichen Behörden immer noch auf Maßnahmen der Kontrolle des kirchlichen Lebens. Eine echte Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften, die ein freies Neben- und Miteinander ermöglicht, existiert nicht. „Der Staat greift in das Leben der Religion ein und will letztlich selbst bestimmen, was gute und gesellschaftlich nützliche Glaubenspraxis ist“, stellt Erzbischof Schick fest.

Höhepunkt der Delegationsreise war die Teilnahme an der Wallfahrt zum zentralen chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Diözese Schanghai. Gemeinsam mit dem Schanghaier Weihbischof-Koadjutor Josef Xing Wenzhi zelebrierte Erzbischof Schick die große Pilgermesse und unterstrich damit die Verbundenheit in der weltweiten katholischen Gemeinschaft. Die Wallfahrt zur „Helferin der Christen“ am 24. Mai jedes Jahres gehört zu den herausragen Ereignissen im Leben der Kirche in China.