Der "Cristo Redentor"

Wahrzeichen Rio de Janeiros und Brasiliens

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 508 klicks

Denkt man Rio de Janeiro, so kommt einem die Statue des „Cristo Redentor“ (Christus der Erlöser) in den Sinn, die hoch über Stadt aufragt. Die 38 Meter hohe Figur steht auf dem Gipfel des Berges Morro do Corcovado im Süden der Stadt. Von der 700 Meter über dem Meer gelegenen Plattform aus können alle wichtigen Besonderheiten von Rio de Janeiro überblickt werden, wie der Zuckerhut, die Strände von Copacabana und Ipanema, der See „Lagao de Freitas“, das bewaldete Granitmassiv der Serra da Tijuca, das Maracanã-Fussballstadion, sowie das Zentrum und der Hafen der Stadt an der Bucht von Guanabara.

Die Statue selbst ist 30 Meter hoch und steht auf einem 80 Meter hohen Sockel, der gleichzeitig als Kapelle für 150 Personen dient. Die Spannweite der zum Segen ausgebreiteten Arme der Christusfigur beträgt 28 Meter, ihr Gewicht 1145 Tonnen.

Ursprünglich geht die Idee, auf dem Morro do Corcovado eine Christusstatue zu errichten auf das Jahr 1859 zurück, als der katholische Geistliche Pedro Maria Boss der Prinzessin Isabell von Brasilien dieses Projekt unterbreiten ließ. Mit der Ausrufung der Republik und der damit einhergehenden Trennung von Kirche und Staat stockte die Realisierung und wurde erst wieder mit dem Bau der Seilbahn des Zuckerhuts 1912 wiederaufgenommen. Erst 1921, im Vorfeld des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal, kam es dann zur Umsetzung. Durch Finanzierungsprobleme verzögerte sich der Bau um fast zehn Jahre. Erst durch die Unterstützung der Erzdiözese Rio de Janeiros, des Vatikans und Frankreichs konnte die Einweihung der Statue am 12. Oktober 1931 stattfinden.

Die Entwürfe für die Statue stammen von dem brasilianischen Bauingenieur Heitor da Silva Costa. Zunächst zeigten sie einen Christus mit einem Kreuz in der linken und einer Weltkugel in der rechten Hand. Die Tradition besagt, die Bewohner Rio de Janeiros hätten die Weltkugel auf den öffentlich ausgestellten Entwurfszeichnungen als einen Fußball uminterpretiert, was die Kirche skeptisch gestimmt habe. Die Idee für die ausgebreiteten Arme der Statue sei Silva Costas beim Anblick der 1922 auf dem Corcovado montierten Radioantenne gekommen. Die statische Kalkulation der Statue übernahm der Ingenieur Albert Caquot. Der Kopf und die Hände der Statue wurden von dem polnisch-französischen Bildhauer Paul Landowski in Paris als Gipsmodelle in Originalgröße angefertigt und anschließend in Brasilien gegossen. Vermutlich gehen die für die Statue charakteristischen Art-Deco-Elemente auf Silva Costas Aufenthalt in Paris zurück, wo er sich inspirieren ließ. Das Gerüst der Statue besteht aus einem Stahlbetonkorpus, das mit einem Mosaik aus zentimetergroßen Specksteindreiecken bedeckt ist, das sie vor Witterungseinflüssen schützt. An der Erstellung des Mosaiks, das zunächst auf Stoff geklebt wurde und anschließend auf der Statue angebracht wurde, arbeiteten freiwillig hunderte Frauen Rio de Janeiros über Jahre.

Erstaunlicherweise ereigneten sich bei den1922 begonnen und fünf Jahre andauernden Montagearbeiten unter der Leitung der Ingenieure Pedro Vianna da Silva und Heitor Levy in unmittelbarer Nähe des fast 700 Meter tiefen Abgrunds des Corcovado mit manchmal starken Windböen keine Todesfälle.

Am 12. Oktober wurde die Statue des „Cristo Redentor“ in Anwesenheit des Kardinals von Rio de Janeiro und des Präsidenten eingeweiht. 1937 kam die Christusfigur unter gesetzlichen Denkmalschutz, 1942 wurde die noch heute benutzte Zufahrtsstraße errichtet. Anlässlich des Besuches von Johannes Paul II. wurde die Statue 1980 generalüberholt. 2003 wurde „aufgerüstet“: Aufzüge, Rolltreppen und weitere Aussichtsplattformen wurden errichtet. Im Jahr 2006, anlässlich des 75. Jahrestages, wurde der „Cristo Redentor“ zum offiziellen katholischen Wallfahrtsort erklärt und 2007 unter die neuen sieben Weltwunder aufgenommen.